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21.07.2012

12:47 Uhr

Energieeffizienz

Sanieren – aber um welchen Preis?

VonReiner Reichel

Seit einem Jahr wird über die Förderung für energetische Sanierungen von Wohngebäuden diskutiert – ohne Ergebnis. Investitionen werden daher auf die lange Bank geschoben. Manchem Mieter dürfte das sogar entgegenkommen.

Auch sanierungsbedürftige Mietshäuser können auf einen sehr guten Energiestandard gebracht werden. dpa

Auch sanierungsbedürftige Mietshäuser können auf einen sehr guten Energiestandard gebracht werden.

DüsseldorfEin Jahr Diskussionen - und kein bisschen weiter. So lange streiten Politiker von Bund und Ländern darüber, wie die energetische Sanierung von Wohngebäuden steuerlich gefördert werden könnte. Niemand wird es Eigenheimbesitzern und Vermietern daher verübeln, dass sie Investitionen in Dach- und Fassadendämmung oder in neue Fenster vorerst zurückstellen. Manchem Mieter mag das recht sein.

Denn solche Sanierungsmaßnahmen können auf die Miete umgelegt werden - sie steigt nicht unerheblich. Ob die Heizkosten ebenso stark sinken, ist fraglich. Deshalb sind sich der Deutsche Mieterbund und Vermieterverbände einig: Der Staat muss Investitionen in die Energieeffizienz fördern. Denn schon heute können elf Prozent der Modernisierungskosten auf den Mieter umgelegt werden.

Die Vermieter sagen: Das rechnet sich nicht. Schon gar nicht in schrumpfenden Regionen, in denen höhere Mieten nicht durchsetzbar sind. Der Deutsche Mieterbund wiederum beobachtet, dass sich die Mieten in Häusern, die gerade wärmegedämmt und mit effektiveren Heizungsanlagen ausgerüstet wurden, manchmal verdoppelt haben.

Der Kompromissvorschlag zur Förderung sah vor der Sommerpause so aus: Wer den Energieverbrauch in seinem Wohnhaus drosselt, darf den zusätzlichen Aufwand abschreiben, wobei die Förderung an das Erreichen bestimmter Energieeffizienzstandards gekoppelt werden sollte. Die daraus entstehenden Steuermindereinnahmen wurden auf eine Milliarde Euro taxiert. Davon wollte der Bund 430 Millionen Euro übernehmen.

Um das Fördervolumen zu verringern, sollten strengere Anforderungen für Antragsteller gelten, berichtete die „Süddeutsche Zeitung". Im Gespräch war, nur solche Maßnahmen zu subventionieren, mit denen mindestens der Standard eines KfW-Effizienzhauses 55 erreicht wird. Das Vermittlungsverfahren soll nach der Sommerpause im Parlament fortgesetzt werden.

Kommentare (16)

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Skeptiker

21.07.2012, 13:42 Uhr

Stimmt es, dass dieses ganze verwendete Dämmmaterial an den Hauswänden vielleicht 30 Jahre hält und dann erneuert und teuer als Sondermüll entsorgt werden muss? Na, dann gute Nacht! Außerdem hörte ich, dass eigentlich nur die Dämmung des Daches sinnvoll wäre, weil über die Wände nur ein Bruchteil der Heizenergie verloren gehen würde.

Account gelöscht!

21.07.2012, 14:19 Uhr

Die genannten Beispiele sind Augenwischerei oder gar eine Unwahrheit.
Die Mehrzahl der Häuser in Deutschland sind nämlich bereits gedämmt - bisher im durchaus vernünftigen Rahmen und dann, wenn nötig - Fenster/Türen wurden ausgetauscht, die Heizung erneuert, Dachböden gedämmt, eine neue Fassade wurde auch mit Dämmung aufgebracht usw.

Die wenigen Häuser, die völlig unrenoviert sind, könnte man wirklich auf das Niveau "55" bringen, aber das ist dann nicht mehr billiger Wohnraum. Und sie stehen automatisch in Wohngegenden, wo Keiner die teure Miete bezahlen will oder kann. Ein Kurzschluss also.

Fazit: Die meisten Häuser auf ein hohes Energiesparniveau bringen zu müssen, bestraft nur die Mehrheit der Hauseigentümer, die schon lange an Dämmung interessiert sind. Die haben vor . B. 15 Jahren damals neue Fenster einbauen lassen, die heute tatsächlich nicht Standard sind - aber damals gab es keine anderen. Die haben eine 8 cm Dämmung aufbringen lassen, die heute eben nicht Standard ist usw. usw. , sollen die jetzt doppelt bezahlen? Die Fenster rausreißen, Dämmung abreißen usw.? Das rechnet sich eben nicht, denn mit der bisherigen Dämmung sind die durchaus im sehr grünen Bereich (um 100 KWh/qm a).
Belohnt werden die, die 50 Jahre garnichts gemacht haben. Allerdings auch dann nur, wenn sie die teure Miete auch kriegen - was systemimmanent nicht der Fall ist. Denn diese Häuser stehen eben da, wo Wenigverdiener wohnen.
Die Beispiele sind geförderte Ausnahmen - keine praktischen Beispiele!

Account gelöscht!

21.07.2012, 14:36 Uhr

@Skeptiker: Grundsätzlich sind 30 Jahre die Lebenszeit für alles, was an Häusern hängt und drin steht - auch alle Technik (Heizung, Fenster, Bäder ff). Wenn es länger hält, ist es gut, wenn weniger, Pech. Wie lange Dämmung hält, weiß Keiner, aber 30 Jahre sind eher zu lang gerechnet, wenn es dicke Dämmung ist (heute übliche 12-20 cm). Speziell die übliche Styropor-Wandbehängung ist empfindlich, gern von Schädlingen besucht. Und es gibt sie erst seit kurzer Zeit. Und es werden viele Fehler gemacht, neue Materialien ausprobiert, die dann nach "kurzer" Zeit (10-15 Jahre) sich als falsch erweisen usw..
Tatsächlich sind konservative Investoren ("erst mal abwarten") im Vorteil.
Es sind die Politiker, die Streß machen - und all den Unsinn fabrizieren, der europaweit Standard werden soll - EE usw.

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