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09.04.2015

13:20 Uhr

Energiesparende Sanierung

Ostdeutschland zögert bei Gebäudesanierung

Vor allem im Osten Deutschlands werden Mittel für eine energiesparende Dämmung bei der Gebäudesanierung nur sehr zögerlich abgerufen. Die Grünen fordern von der Bundesregierung Nachbesserung bei den Förderprogrammen.

In Ostdeutschland werden kaum Mittel für eine energiesparende Dämmung in Anspruch genommen. dpa

Gebäudesanierung

In Ostdeutschland werden kaum Mittel für eine energiesparende Dämmung in Anspruch genommen.

BerlinBei der Mittelverteilung für die energiesparende Dämmung von Gebäuden in Deutschland gibt es ein starkes Gefälle. So flossen 2014 von insgesamt 3,7 Milliarden Euro für zinsverbilligte Zuschüsse und Kredite der staatlichen KfW-Förderbank 20 Prozent nach Baden-Württemberg. Das geht aus einer Antwort der Parlamentarischen Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries an die Grünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 18,3 Prozent der Mittel wurden von Bürgern in Nordrhein-Westfalen beantragt, gefolgt von Bayern mit einem Anteil von 15,8 Prozent. Vor allem in Ostdeutschland mit Ausnahme Berlins werden die Mittel weniger in Anspruch genommen.

„Der Osten ist bei diesen Programmen quasi abgehängt“, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die Bundesregierung muss dringend eine passende Förderung für investitionsschwache Haushalte auflegen und mehr Mittel für eine sozial verträgliche energetische Quartierssanierung bereitstellen.“ Schlusslichter sind unter den Flächenländern Saarland (38 Millionen Euro an Zusagevolumen 2014), Mecklenburg Vorpommern (39 Millionen) und Thüringen (59 Millionen).

Seit Jahren wird zum Ankurbeln der energetischen Sanierungen auch über einen Steuerbonus gestritten, um den Verbrauch in Gebäuden und so auch den CO2-Ausstoß zu senken. Mehrere Millionen Gebäude und Heizungen gelten als ineffizient. Ein neuer Anlauf wurde zuletzt von der großen Koalition wegen Streit um die Finanzierung auf Eis gelegt. Der Bonus sollte ein Volumen von einer Milliarde Euro im Jahr haben, bis zu 25 Prozent der Sanierungskosten sollten absetzbar sein.

Checkliste: So dämmen Sie richtig

Materialien

Wie dick der zu verlegende Dämmstoff sein muss, hängt sowohl von der Bodenbeschaffenheit als auch vom eingesetzten Material ab. In Frage kommen verschiedene Materialien, wie etwa auf natürlicher Basis wie Flachs, Kork oder Mineralwolle. Polysterol/EPS-Dämmstoffe haben zwar eine hohe Dämmwirkung, belasten allerdings die Umwelt. In der Regel erfüllen Hausbesitzer die gesetzlichen Vorgaben, wer eine Dämmschicht von 16 Zentimetern auf die oberste Geschossdecke aufbringt.

Ausführung

Bevor gedämmt wird, sind mögliche Schwachstellen wie Wände und Rohre aufzuspüren, die Decke durchstoßen. Denn wenn diese nicht abgedichtet werden, entgeht warme Luft aus darunterliegenden Wohnungen. Trifft sie auf dem Dachboden auf kältere Luftschichten, bildet sich Kondenswasser - und kann Schimmel verursachen.

Der komplette Deckenaufbau muss luftdicht sein, weshalb im Einzelfall zu prüfen ist, ob nachträglich eine Dampfbremsfolie an der richtigen Stelle eingebaut werden soll. Bei der Planung empfiehlt es sich deshalb, einen Energieberater zu Rate zu ziehen. Damit die Dämmung ihre optimale Wirkung entfalten kann, muss sie zudem fachgerecht verlegt werden. Wer Bauschäden und Wärmelecks vermeiden will, sollte die Verlegearbeiten einer Fachfirma übertragen.

Kosten

Die Kosten für die Isolierung der obersten Geschossdecke liegen etwa bei 20 bis 35 Euro pro Quadratmeter.

Förderung

Vorbildlichen Sanierern winken Fördergelder der KfW-Bankengruppe: Eine Finanzspritze von 5 der förderfähigen Kosten bis zu 2500 Euro pro Wohneinheit gibt es, wenn die gesetzlichen Mindestvorgaben für die Dämmstärken übertroffen werden. Außerdem muss die Dämmung durch eine Fachfirma verlegt werden. Nicht zuletzt muss ein Sachverständiger die Stärke des verbauten Materials sowie dessen fachgerechten Einbau bestätigen.

Alternative Dachdämmung

Wenn der Speicher in absehbarer Zeit ausgebaut und als Wohnung genutzt werden soll, erlaubt die Energieeinsparverordnung, das Dach statt der Geschossdecke zu dämmen. Das gilt auch, wenn die Dacheindeckung ohnehin erneuert werden muss.

Eine wärmende Mütze fürs Haus ist sinnvoll, aber stets aufwändiger und teurer als die Decken-Dämmung. Außerdem muss der Wärmeschutz an Giebeln und Dachfenstern mit auf dem Programm stehen, damit hier nicht weiterhin Energie ungenutzt herausgeblasen wird.

Unternehmererklärung

Die EnEV 2009 verpflichtet nicht nur den Immobilieneigentümer, sondern auch den Handwerker, die Richtwerte der EnEV einzuhalten. Als Nachweis dient die so genannte Unternehmererklärung, die der Handwerker nach Beendigung der Arbeiten aushändigen sollte.

Das Abwarten, ob der Bonus kommt, könnte die Investitionsbereitschaft insgesamt gedrosselt haben - noch 2013 waren 4,04 Milliarden Euro an KfW-Förderzusagen für Gebäudesanierungen in Anspruch genommen worden. „Die Fortsetzung der sanierungspolitischen Hängepartie durch die große Koalition ist fatal für Klimaschutz“, kritisierte Höhn.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.04.2015, 15:10 Uhr

Eine selbstbestimmende und freie Marktgesellschaft braucht kein politisches und marktfeindliches Zwangs-Gesetz!
Der Energieeinsparzwang ist eine politische Vorgabe, die strikt abzulehnen ist, weil diese gegen die Freiheit und die Selbstbestimmung der Bürger in unserer Gesellschaft verstößt.
Die Grünen betreiben hier Lobbyarbeit für die Dämmindustrie und wollen uns als freie Marktgesellschaft DIKTIEREN, was wir zu tun und zu lassen haben. Das ist Diktatur Pur!

Herr Ralf Krämer

09.04.2015, 16:08 Uhr

Sehr glaubwürdig diese Bürgerverdummer von den Grünen. Dazu passt die heutige Meldung des großen Wohnungsverbandes GdW ja sehr gut: "Ostdeutschland ist Vorreiter bei der energetischen Gebäudesanierung". Im GdW sind die meisten kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen, aber auch die großen privaten vertreten.
Aber typisch Grüne, pseudowissenschaftliche Studien beauftragen, einzelne Zahlen bewusst zur Täuschung fehlinterpretieren, das können diese Ökoschwindler wie kein Anderer.
Doch warum benötigt ein Hauseigentümer aufwändige KfW-Kredite mit Förderrichtlinien, bei denen keiner mehr durchblickt? Bei den derzeitigen Zinsen wird das kaum ein Narr machen, das wissen die Grünen auch, aber warum denn die Wahrheit verkünden?
Das passt nicht zum eigentlichen Programm der Grünen, die permanente Lüge schon eher.

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