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18.05.2017

12:56 Uhr

Erstmals seit fünf Jahren

Weniger Baugenehmigungen in Deutschland

Droht ein Ende des Baubooms in Deutschland? Die Zahl der Baugenehmigungen jedenfalls nahm im ersten Quartal erstmals seit fünf Jahren ab. Die Entwicklung verlief allerdings je nach Wohnungstyp sehr unterschiedlich.

Die Zahl der Baugenehmigungen ging erstmals seit fünf Jahren im ersten Quartal 2017 zurück. Allerdings wirkt sich dieser Negativtrend nicht auf alle Bereiche der Branche aus. dpa

Ende des Baubooms?

Die Zahl der Baugenehmigungen ging erstmals seit fünf Jahren im ersten Quartal 2017 zurück. Allerdings wirkt sich dieser Negativtrend nicht auf alle Bereiche der Branche aus.

BerlinDer Bauboom in Deutschland droht sich abzuschwächen. Von Januar bis März nahm die Zahl der Baugenehmigungen um 5600 oder 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 79.000 ab. Das war der erste Rückgang in einem Quartal seit fünf Jahren, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sprach von einem leichten Minus auf hohem Niveau und sieht daher keine Trendwende. „Die Rahmenbedingungen sind weiter gut“, sagte ZDB-Experte Andreas Geyer. „Die Daten sind kein Signal, um jetzt schon in Panik zu verfallen.“

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Die Entwicklung verlief je nach Wohnungstyp sehr unterschiedlich. Gegen den Trend wuchsen die Genehmigungen für den Bau neuer Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Wohnungen um 5,5 Prozent. Sie erreichten mit 37.600 den höchsten Quartalswert seit 20 Jahren. „Das ist die Entwicklung, die wir brauchen, um der Wohnraumknappheit in Großstädten und Uni-Städten entgegenzuwirken“, sagte Geyer. Auch bei Wohnheimen gab es eine Zunahme, und zwar um 2,2 Prozent. Dagegen fiel die Nachfrage für den Um- und Ausbau bestehender Häuser – etwa das Aufstocken mit Dachgeschosswohnungen – um drei Prozent. Auch bei Einfamilienhäusern (-15,3 Prozent) und Zweifamilienhäusern (-7,2 Prozent) gab es Rückgänge.

„Von einem Wohnungsbau-Boom kann keine Rede mehr sein. So rückt das Ziel, den Bedarf von jährlich 400.000 neuen Wohnungen gerade in den wachsenden Ballungsräumen zu decken, in weite Ferne“, erklärte dazu der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko. Benötigt werde vor allem bezahlbarer Wohnraum. Beim Sozialwohnungsbau klaffe eine Lücke von 80.000 zusätzlich benötigten Einheiten pro Jahr. Gedaschko verlangte in diesem Zusammenhang, die Ende 2019 auslaufenden Bundesmittel zur Wohnraumförderung zu verlängern.

Der Wohnungsbau komme außerdem wegen fehlender Anreize, steigender Auflagen und zu knappem Bauland nicht in Schwung, erklärte der Verband, der nach eigenen Angaben rund 3000 Wohnungsunternehmen vertritt. Es werde noch weniger fertiggestellt als genehmigt. Notwendig seien daher unter anderem bessere Abschreibungsmöglichkeiten und der Verzicht auf weitere Erhöhungen der Grunderwerbssteuer.

Die Baubranche profitiert seit längerem von niedrigen Zinsen. Dadurch leisteten sich in den vergangenen Jahren immer mehr private Bauherren die eigenen vier Wände, während Investoren mangels attraktiver Anlagealternativen viel Geld in Immobilien stecken. Auch der Zuzug von Flüchtlingen und in Ballungsräume treibt die Nachfrage nach Wohnungen nach oben. Experten rechnen in diesem Jahr mit 310.000 bis 320.000 neuen Wohnungen. Der von der Bundesregierung geschätzte jährliche Bedarf von 350.000 Wohnungen würde damit aber verfehlt.

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