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13.07.2012

08:25 Uhr

Europas Immobilienkrise

Der Einbruch steht kurz bevor

Europa steuert auf eine Immobilienkrise zu: In Spanien stehen massenweise Wohnungen leer. In der Schweiz und in Frankreich steigen die Preise ins Unbezahlbare. In Deutschland gibt es die Blase bislang nur punktuell.

Neue Appartements in Madrid. Häuser kann sich kaum noch jemand in Spanien leisten. Reuters

Neue Appartements in Madrid. Häuser kann sich kaum noch jemand in Spanien leisten.

Madrid, Schweiz, Athen, Paris, MailandDie Immobilienkrise in Spanien hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, und die schwersten Folgen der Blase stehen noch bevor, glaubt der IWF. Nach seinen Schätzungen reicht der bisherige Preisabsturz noch lange nicht aus, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch in Deutschland wächst die Angst vor einer Überhitzung des Wohnungsmarkts. Jeder dritte Bundesbürger hält es für möglich, dass es in den kommenden zwei Jahren zu einem Einbruch kommt, ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest. Doch die Gefahr, hierzulande eine Blase wie auf der iberischen Halbinsel zu erleben, ist weit geringer.

Dass die Lage in Spanien deutlich dramatischer ist, liegt vor allem an der unterschiedlichen Art zu wohnen. Spanien ist ein Land der Eigentümer, Deutschland eines der Mieter. In Spanien wird Baugeld variabel verzinst, in Deutschland langfristig zu einem Festzins vergeben. Steigen die Zinsen, fressen sie deshalb in Spanien ein immer größeres Stück des Familieneinkommens. In Deutschland bleibt die monatliche Belastung über viele Jahre gleich. Dabei haben die Spanier in einem Punkt zurzeit noch Glück: Die Zinsen sind niedrig. Doch ein anderes Problem drückt sie: Arbeitslosigkeit. Während sie in Spanien in der Wirtschaftskrise auf mehr als 20 Prozent gestiegen ist, beträgt sie in Deutschland zurzeit 6,6 Prozent.

Preisentwicklung bei Wohnimmobilien seit der Eurokrise

Berlin

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1899 Euro*
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 24 Prozent

* Kriterien: Durchschnittsimmobilie, 30 Jahre alt, gepflegter Zustand

Bremen

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1180 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 10 Prozent

Dortmund

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1252 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 1 Prozent

Dresden

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1692 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 19 Prozent

Düsseldorf

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2237 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 21 Prozent

Erfurt

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1718 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

Essen

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1243 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 0 Prozent

Frankfurt

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2427 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

Freiburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2625 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 28 Prozent

Hamburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2464 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 30 Prozent

Hannover

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1479 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

Kiel

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1506 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

Köln

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1994 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

Leipzig

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1426 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 7 Prozent

Magdeburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 889 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

Mainz

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1805 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

Mannheim

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1788 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 13 Prozent

München

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 3692 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 33 Prozent

Nürnberg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1827 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 22 Prozent

Stuttgart

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2346 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

Ende eines Booms: Als im Jahr 2007 die Finanzkrise heraufzog, brach die Nachfrage nach Wohnungen in Spanien ab. Seitdem sind die Wohnungspreise um rund 30 Prozent gefallen. Dennoch liegen die Verkaufspreise nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch immer um rund 20 bis 25 Prozent über den Angebotspreisen. Aber nicht nur Eigentümer wehren sich gegen weitere Preiszugeständnisse. Auch die spanischen Banken haben kein Interesse daran. Denn sinkende Preise erhöhen ihren Abschreibungsbedarf. Deshalb warten noch immer fast eine Million Wohnungen auf einen Käufer. Die IWF-Experten gehen davon aus, dass es etwa vier Jahre dauern wird, bis das Überangebot abgebaut ist.

Die Spanier ächzen unter den Fehlern der Vergangenheit. Mit billigem Geld wurde weit mehr gebaut, als gebraucht wurde. Ab Mitte der 1990er-Jahre verdienten die Spanier deutlich mehr und konnten sich bessere Wohnungen leisten. Die Banken gaben bereitwillig Kredite für Wohnungskäufe, und die Familien verschuldeten sich bis über die Ohren. Mit dem gepumpten Geld trieben sie die Preise zwischen 1997 und 2006 um das Dreifache nach oben. Zum Höhepunkt wurden etwa in Alcobendas, einer Vorstadt von Madrid, Apartments zu Preisen von 5.300 Euro je Quadratmeter gehandelt. Das ist ein Niveau, wie es heute sehr gute Wohnungen in der Innenstadt von München erreichen.

Fünf Jahre später meinen auch die Analysten der Deutschen Bank, dass die Wohnungen noch immer um ein Viertel zu teuer sind. Sie haben für ihre Berechnungen die Einkommen ins Verhältnis zu den Wohnungspreisen gesetzt. In den besonders teuren Metropolen San Sebastian, Bilbao, Barcelona und Madrid kosten 100 Quadratmeter große Wohnungen noch immer im Schnitt mehr als 300 000 Euro, in San Sebastian sogar mehr als 400 000 Euro. Wenn ein spanischer Durchschnittsverdiener eine solche Wohnung kaufen will, muss er zwischen 13- und 17-mal sein Jahresgehalt ausgeben. Das Fazit der Deutsche-Bank-Experten zum spanischen Wohnungsmarkt fällt deshalb eindeutig aus: "Die Preiskorrektur ist noch nicht zu Ende."

Kommentare (51)

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Hagbard_Celine

13.07.2012, 08:39 Uhr

Das regelt sich schon.

Vor 20 Jahren hatten wir in Portugal Mietrenditen von 15% und die werden wir auch vieleicht in Südeuropa wieder sehen.

Dann ist es an der Zeit eine Immobilie dort zu erwerben.

Pressestelle

13.07.2012, 08:44 Uhr

*sing*

Gold kammer ned essen und es zahlt auch keine Zinsen....


Es wird alles gut !

http://youtu.be/iZiO9bqzHzg

RalfB

13.07.2012, 09:04 Uhr

Die einen flüchten ins Betongold aus rein spekulativen Gründen, die anderen um sich abzusichern = Sachwertschutz als Wunsch. Wem könnte man es verdenken. Dabei zählt vermeintlich die Lage, das war immer so... bis.. ja bis in Deutschland das Unvermeidbare zuschlägt, die Neuordnung des Finanzsystems weltweit. Nicht mehr verhinderbar. Dann, erst dann zerfällt der Traum der Sicherung und der Spekulation in sich zusammen. Hinzukommend hierzulande der demographische Faktor. Vollkommen unterschätzt. Bis in 50 Jahren - jetzt schon klar ersichtlich - 17 Millionen weniger Einwohner. Soviel Migration, als Ausgleich, mit Wertsubstanz, ist pure Illusion. Ebenso Spanien und der Rest der Welt. Und eines nicht zu vergessen, Immobilie kommt lat. von im-mobilis, für eine nicht bewegliche Sache.. und aufgehorcht, die ersten Probeschüsse via Zwangsanleihen Geld etc. sind durch in den Gazetten. Der Staat holt sich baldigst seinen Tribut. Der Zensus 2011 ist dafür eine nicht ausgesprochene aber klare Grundlage. Schreckt aber niemanden, bisher. Die ganze Historie war nie anders in der gesamten Finanz- und Staatswesen. Der Staat sorgt sich in letzter Konsequenz um seinen Erhalt. Es wird ein brutales Aufwachen für die Halter und Absicherungsgeneration in dieser Angelegenheit. Im Übrigen, die Abschlagszahlen im Artikel sind mit Sicherheit noch weit geschönt dargestellt, da basierend auf dem Jetztzustand. Es ist ja noch gar nichts reales = unabdingbarer Anpassungsprozess „Finanzsystem“ passiert. Wir unterliegen wohl noch zu stark dem Wunsch des Erhalts in allen Lebenslagen. Verständlich allemal. Aber auch hier werden wir von der Wirklichkeit wohl baldigst eingeholt werden. Freier ist, wer solche Lasten nicht gar nicht erst zu verwalten braucht. Darüber mal nachgedacht.

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