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21.01.2012

12:06 Uhr

Exklusives Wohnen

Das Architektenhaus stirbt aus

VonChristian Hunziker

Die meisten modernen Wohnhäuser kommen heute von der Stange. Bauträger beherrschen das Geschäft mit Einfamilienhäusern und verdrängen Unikate vom Architekten.. Dabei kann es lohnen, nach eigenen Vorstellungen zu bauen.

Konfliktfrei ist die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr selten. PR

Konfliktfrei ist die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr selten.

BerlinDas Haus an der Hamburger Elbchaussee zieht mit seiner weißen, großzügig verglasten Fassade die Blicke an. Viel Platz bietet es für eine fünfköpfige Familie, die die Vorzüge einer der teuersten Wohnlagen der Hansestadt zu genießen weiß - und die mit der Umsetzung ihrer architektonischen Wünsche eines der namhaftesten Architekturbüros der Republik, Gerkan, Marg und Partner (GMP), beauftragt hat.

Dass Stararchitekten für die Mehrheit der Bauherren, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, nicht die erste Wahl sind, leuchtet ein. Doch auch für die Zusammenarbeit mit einem lokalen Architekturbüro entscheidet sich nur eine kleine Minderheit.

Auf zehn Prozent der Bauwilligen schätzt der Verband privater Bauherren (VPB) diesen Anteil. Die restlichen 90 Prozent kaufen ihr Eigenheim vom Bauträger oder beauftragen ein Fertighausunternehmen.

Dabei spricht einiges für die Zusammenarbeit mit einem eigens beauftragten Architekten, findet Eva Reinhold-Postina vom VPB. „Der Architekt arbeitet im Auftrag des Bauherrn und hat die Pflicht, diesen bestmöglich zu beraten“, argumentiert sie. Wer dagegen vom Bauträger kaufe, sei eben nicht Bauherr, sondern Käufer. Natürlich sei auch bei Bauträgerprojekten ein Architekt tätig - aber der werde vom Bauträger bezahlt und vertrete im Zweifelsfall dessen Interessen.

Das Bauen mit einem Architekten muss laut Reinhold-Postina auch nicht zwingend teurer sein als der Kauf von der Stange. Viele Käufer sogenannter schlüsselfertiger Häuser erlägen der Illusion, der im Vertrag genannte Festpreis garantiere absolute Sicherheit.

Erst spät realisierten sie, dass in diesem Preis keineswegs alle Leistungen enthalten seien, sagt Reinhold-Postina. Kosten für die Erschließung des Grundstücks oder die Einrichtung der Hausanschlüsse kommen meist hinzu. Den Vorwurf schließlich, viele Architekten hielten den Kostenrahmen nicht ein, lässt selbst die Bauherren-Lobbyistin nicht gelten: „Unsere Erfahrung ist, dass meist der Bauherr die Kosten in die Höhe treibt.“

Kommentare (4)

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berger

21.01.2012, 14:24 Uhr

ganz kurz mal in einem hoai-rechner die bausumme eingeben, und das architektenhonorar betrachten. bei einer bausumme von 300tausend euro kommen da schonmal 50000 eu zusammen - die nicht verhandelt werden dürfen/können. schon wird klar, wieso viele auf die architektenleistung verzichten

hausfelb

21.01.2012, 15:17 Uhr

Ich habe persönlich schlechte Erfahrungen mit Architekten gemacht. Mein Architekt hat ausschliesslich auf seine Kasse geschaut. Beim Hauskauf von der Stange weiß man vorher was man bekommt und was es kostet. Um die Nebenkosten wie Erschliessung usw. muß man sich auch beim Hausbau mit Architekten selber kümmern.

EurichVIII

22.01.2012, 09:51 Uhr

Wozu braucht man einen Architekten, wenn der Hausbau bereits durch das amtliche Baufenster des bebauungsplans vorgegeben ist; jeder kann sich eine Schablone fertigen und die gängigen Angebote einpassen und das Ding schlüsselfertig bestellen. Einen Architekten bräuchte man für Problemgrundstücke; aber für solch anstrengenden Arbeiten findet sich dann wieder kein kreativer Mensch.

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