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21.07.2012

14:46 Uhr

Ferienhäuser

Käufer in Frankreich sollten warten

VonTanja Kuchenbecker

Wer an Immobilien in Frankreich interessiert ist, für den lohnt es sich, noch mit dem Kauf zu warten. Viele Notare erwarten in naher Zukunft ordentliche Preisabschläge.

Blick auf den Hafen von Sanary-sur-Mer an der Cote d'Azur. Viele Notare erwarten bei Immobilien in Frankreich für 2012 einen Preisabschlag von fünf bis zehn Prozent. dpa

Blick auf den Hafen von Sanary-sur-Mer an der Cote d'Azur. Viele Notare erwarten bei Immobilien in Frankreich für 2012 einen Preisabschlag von fünf bis zehn Prozent.

ParisLuxus-Immobilien in den Ferienregionen Frankreichs erzielen noch immer Rekordpreise. Mitte Juni kaufte ein tschechischer Milliardär den aus dem Jahr 1920 stammenden Palast Maeterlinck in Nizza an der Côte d'Azur für 48 Millionen Euro. Darin sollen Luxuswohnungen entstehen, die er zu Quadratmeterpreisen von 10.000 bis 15.000 Euro an betuchte Kunden verkaufen will. Ob das gelingt, muss sich zeigen.

Denn an der Mittelmeerküste sind seit Ende vergangenen Jahres die Immobilienpreise leicht zurückgegangen. Doch noch immer liegt der Preis für eine 140-Quadratmeter-Wohnung in Nizza bei 500.000 Euro; ähnlich große Häuser mit Pool kosten 800.000 Euro.

Günstiger ist es in der Bretagne. In Quiberon kosten 70-Quadratmeter-Wohnungen in Strandnähe um die 240.000 Euro. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt in der Bretagne bei knapp 3.000 Euro.

„Der Markt ist schwieriger als 2011. Ende des Jahres wollten alle noch vor der Steuerreform verkaufen", betonte Alexander Kraft, Präsident von Sotheby's International Realty France, die den Verkauf der Luxusvilla in Nizza abgewickelt haben.

Die zehn größten Fehler beim Hauskauf im Ausland

Anzahlen ohne Sicherheit

Privatschriftliche Vorverträge sind in Spanien und Frankreich bindend, aber eine Anzahlung ohne Sicherheit kann ein großer Fehler sein - gerade in Krisenzeiten, wo auch am Bau Pleiten drohen. Tipp: Vor der ersten Überweisung eine Bankbürgschaft vom Verkäufer verlangen.

Kaufen vom Papier

Ein schöner Prospekt ist schnell gedruckt. Schon mancher als Traumhaus gepriesener Strandbungalow erwies sich bei näherer Betrachtung als baufällige Bruchbude. Im schlimmsten Fall existiert das Haus nur auf dem Papier. Tipp: Erst besichtigen, dann anzahlen.

Mängel missachten

Pfusch am Bau ist keine Seltenheit bei Neubau-Ferienimmobilien. Bei Altbauten können Niedrigstpreise ein Zeichen für fehlende Isolierung, Heizung oder anstehende Großreparaturen sein. Tipp: Einen unabhängigen Bausachverständigen hinzuziehen.

Miterben vergessen

Erben verkaufen im Ausland oft, ohne die geerbten Immobilien vorher umschreiben zu lassen. Wenn die Miterben ihre Unterschrift verweigern, kommt der Kauf nicht zustande. Tipp: Testament oder Erbschein prüfen lassen.

Nationales Recht ausblenden

Gerichtsstand ist meist im Ausland. Und sogar wenn die juristische Auseinandersetzung vor einem deutschen Gericht landet, geht es häufig um fremdes Baurecht. Tipp: Suchen Sie sich einen sprachkundigen Rechtsanwalt.

Schulden übernehmen

Alte Schulden bei Banken oder Behörden können den Wert der Ferienimmobilie erheblich mindern. Tipp: Käufer sollten Nachweis der Lasten- und Schuldenfreiheit verlangen.

Schwarzbau erwerben

In Italien und Spanien wird viel schwarz gebaut. Statt eine Baugenehmigung einzuholen, wird das Bußgeld im Kaufpreis einkalkuliert. Den Ärger damit hat später der Käufer. Tipp: Beim Ortstermin Bauten mit Genehmigung vergleichen.

Sprachbarriere vernachlässigen

Schon Juristen-Deutsch ist oft unverständlich. Einen Kaufvertrag in Fremdsprache sollte der Käufer unbedingt übersetzen lassen. Tipp: Vereidigten Übersetzer engagieren.

Vom Falschen kaufen

Viele Eigentumsregister in Urlaubsländern sind unvollständig, und nicht alle Anbieter von Ferienimmobilien sind zum Verkauf berechtigt. Tipp: Eine Register-Abfrage vornehmen und im Zweifel lieber nicht kaufen.

Weiterverkauf unterschätzen

Eine Wohnung im nicht bebaubaren Küstenbereich entpuppt sich schnell als Ladenhüter. Tipp: Wer später weiterverkaufen will, sollte das Baurecht am Ort sorgfältig prüfen.

Seit dem 1. Februar gilt bei Verkäufen von Zweitwohnsitzen und Ferienimmobilien eine 30-jährige Spekulationsfrist. Zuvor konnten die Zugewinne nach 15 Jahren steuerfrei eingestrichen werden. Experten hatten erwartet, dass Vorzieheffekte die Preise unter Druck setzen könnten. Tatsächlich wurde im Januar ungewöhnlich viel verkauft.

Seit einigen Monaten beobachten Notare in vielen Regionen in Frankreich einen starken Rückgang von bis zu 40 Prozent bei den Verkäufen, sogar im bisher begehrten Paris. Die Experten sind noch unsicher, was die Zukunft angeht, weil die Wirtschaftsaussichten nicht klar sind.

„Es bleibt abzuwarten, ob der Rückgang der Nachfrage die Preise sinken lässt", sagte Hervé Hatt, Generaldirektor der Maklerfirma Meilleurtaux. Viele Notare erwarten aber in Frankreich für 2012 einen Preisabschlag von fünf bis zehn Prozent. In den nächsten fünf bis acht Jahren könnten es sogar bis zu 40 Prozent sein.

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