Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2011

12:00 Uhr

Finanzierungslücke

Brauche Geld, biete Anleihen

VonReiner Reichel

Die Immobilienbranche rechnet mit einem enormen Wachstum. Frisches Geld muss her, auf weltweit rund 240 Milliarden Dollar wird der Finanzierungsbedarf geschätzt. Kreditverbriefungen sollen das Problem lösen.

Vor allem Kredite für Gewerbeflächen will die Branche verstärkt verbriefen, um frisches Geld in die Kasse zu spülen. Im Bild: Die Hafencity in Hamburg. Quelle: dpa

Vor allem Kredite für Gewerbeflächen will die Branche verstärkt verbriefen, um frisches Geld in die Kasse zu spülen. Im Bild: Die Hafencity in Hamburg.

Cannes Auf dem europäischen Markt für Immobilieninvestments geht es weiter aufwärts. Zur Immobilienmesse Mipim in Cannes durfte sich die Branche über positive Nachrichten freuen. Jones Lang Lasalle (JLL), einer der größten Immobilienmakler weltweit, präsentierte das Ergebnis einer aktuellen Studie: Die Experten erwarten ein Plus von 30 Prozent in diesem Jahr und damit ein Volumen von 130 Milliarden Euro – in europäische Immobilien wird wieder kräftig investiert.

Der Finanzierungsbedarf der Branche ist hoch. Es winkt Neugeschäft, denn die Zahl der Besitzwechsel steigt. Hinzu kommt, dass bis Ende des Jahres 2013 unzählige Bankdarlehen fällig sind. Gleichzeitig wird von den Immobilienfinanzierern mehr Eigenkapital verlangt.

Ohne Kreditverbriefungen wird der Finanzierungsbedarf der Immobilienwirtschaft nicht zu decken sein. „Wir werden CMBS brauchen“, sagte Andreas Pohl, Vorstand der Deutschen Hypo, dem Handelsblatt in Cannes. CMBS (Commercial Mortgage Backed Securities) sind in Anleihen verbriefte Kredite für Gewerbeimmobilien.

Der Immobiliendienstleister DTZ rechnet mit einer Finanzierungslücke für Immobilien von 242 Milliarden Dollar weltweit bis zum Ende des Jahres 2013. Die Schätzung beruht auf der Annahme, dass auslaufende CMBS nicht refinanziert und Bankkredite nicht verlängert werden können. Für die Refinanzierung auslaufender CMBS gilt: Je schlechter die Qualität der Immobilien, desto mehr Geld wird verloren. Die Verbriefungen sind in verschiedene Risikostufen untergliedert.

Der Finanzierungsbedarf der Branche ist hoch. Daher bestätigt auch Barry Osilaja, bei Jones Lang Lasalle für die Vorbereitung strukturierter Finanzierungen in Europa zuständig: „Der CMBS-Markt kommt zurück.“ Bankkredite würden knapp bleiben. Die Probleme seien in Deutschland zum Teil schon akut. Er wie auch Pohl beobachten, dass in der Branche allenthalben über CMBS-Neuemissionen gesprochen würde.

Ein Beleg dafür: Vor wenigen Wochen sickerte an den Finanzmärkten durch, dass Deutsche Bank und UBS planen, Immobilienkredite im Volumen von 2,2 Milliarden Euro zu verbriefen. Offiziell bestätigt wurden die Pläne bisher nicht. Osilaja sind bisher nur wenige Einzeltransaktionen aufgefallen. Eine habe den Kauf von Chiswick Park, einem großen Büropark in London, betroffen. Der Deal passt zu den neuen Anforderungen: „Die Gläubiger wollen einfach strukturierte Produkte“, erklärt der Experte.

Der Grund liegt auf der Hand: Bei CMBS handelt es sich ausgerechnet um ein Finanzierungsinstrument, das in Zeiten der Wirtschaftskrise höchst zweifelhaften Ruf erlangte. Denn der Markt hat nach den Boomzeiten (2004 bis 2007) sich von der dann einsetzenden Krise bis heute nicht erholt. Damals blieben Zinszahlungen aus. Die Gläubiger, typischerweise Banken, Versicherungen und Pensionsfonds mussten die Werte der CMBS drastisch herunterschreiben. Gläubiger konnten die Risiken ihrer mehrfach verbrieften Kredite auf Immobilien nicht mehr einschätzen.

Käufer, die sich nun für die neu auf den Markt kommenden CMBS interessieren, werden daher genau wissen wollen, welche Objekte beliehen wurden. „Es wird sich keiner mehr auf ein Rating verlassen“, sagt Pohl. Die Konsequenz daraus: Die Tranchen dürften kleiner werden. Statt Verbriefungen in Höhe von einer Milliarde Euro und mehr wie zur Hochzeit der CMBS würden Tranchen um 500 Millionen an den Markt kommen. Das bedeute aber auch, dass die Verbriefungskosten höher sind. Der Zinsvorteil gegenüber Bankkrediten nimmt ab.

Bleibt die Frage offen: Was geschieht, wenn die neuen Anleihen nicht auf Gegenliebe stoßen? Wenn die Finanzierungslücke auf diese Weise nicht zu schließen ist? Noch geben sich die Experten gelassen. Die Vergangenheit habe gezeigt: Die Branche sei kreativ. Mit Sicherheit würden dann andere Wege der Finanzierung erschlossen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Brunowsky

14.03.2011, 21:03 Uhr

Eine hervorragende Analyse! Genau deshalb wird der bankenunabhängigen Finanzierung von Immobilien in Zukunft eine herausragende Bedeutung zukommen. Die WGF AG mit ihren Hypothekenanleihen geht hier den richtigen, innovativen Weg.
RD Brunowsky

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×