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30.01.2010

14:00 Uhr

Flughafen Tegel

Der Wandel zum Industriepark

VonChristian Hunziker

Voraussichtlich im Herbst 2011 wird der Berliner Flughafen Tegel geschlossen. Auf dem Airport-Gelände will das Land dann ab 2012 Unternehmen ansiedeln, Wohnungen sind nur im Randbereich geplant. In welcher Form das Gelände in Tegel entwickelt und vermarktet wird, ist noch offen.

Deutschlands viertgrößter Flughafen Berlin-Tegel wird voraussichtlich 2011 geschlossen. Dann sollen Unternehmen auf dem Gelände ansiedeln. Chr. v. Polentz/transitfoto.de

Deutschlands viertgrößter Flughafen Berlin-Tegel wird voraussichtlich 2011 geschlossen. Dann sollen Unternehmen auf dem Gelände ansiedeln.

BERLIN. Der Berliner Senat hat den Weg für die künftige Nutzung des Flughafens Tegel frei gemacht. "Wir planen einen Forschungs- und Industriestandort für Zukunftstechnologien", sagt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Die planerischen Voraussetzungen dafür soll die Änderung des Flächennutzungplans schaffen, die der Senat in der vergangenen Woche eingeleitet hat.

Mit dieser Festlegung reagiert die Landesregierung auf die Kritik, sie habe sich zu spät um ein Nachnutzungskonzept für den bereits 2008 vom Netz genommenen Flughafen Tempelhof gekümmert. Der 460 Hektar große Airport in Tegel wird voraussichtlich im Herbst 2011 geschlossen werden, wenn der neue Großflughafen Berlin Brandenburg International seinen Betrieb aufnehmen wird

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Laut Reiner Nagel, Leiter der Abteilung Stadtplanung in der Senatsverwaltung, sollen auf dem jetzigen Flughafengelände in Tegel rund 240 Hektar Bruttobauland geschaffen werden; der Rest bleibt Grünfläche. Dabei will der Senat einen Großteil des Baulands als GI-Flächen ausweisen, also als Flächen, auf denen lärmintensives Gewerbe und Verkehrsbewegungen rund um die Uhr erlaubt sind. Nur in den Randbereichen soll auch Wohnnutzung zulässig sein. Als Ausgangspunkt der Entwicklung ist das bestehende Terminal-Sechseck vorgesehen.

Auf Zustimmung stößt der Plan des Senats bei der Wirtschaft. "Berlin muss sich wieder verstärkt als Industriestandort profilieren", verlangt Jochen Brückmann, Bereichsleiter Infrastruktur und Stadtplanung bei der IHK Berlin. Nach der Wende hatte Berlin eine massive Deindustrialisierung erlebt. Das konnte auch das 1992 aufgelegte, so genannte Industrieflächensicherungsprogramm nicht verhindern, mit dem der Senat versuchte, produzierendes Gewerbe in der Stadt zu halten. Heute gibt es nach Untersuchungen der IHK jedoch wieder einen Mangel an großen, zusammenhängenden Industrieflächen in Innenstadtnähe, was die Ansiedlung oder Expansion etwa von Solarbetrieben oder Unternehmen der Elektromobilität erschwere.

Konkurrenz zu bestehenden Arealen

Um eine Konkurrenzsituation zu anderen Berliner Industriegebieten zu vermeiden, spricht sich Brückmann für ein übergreifendes Management aus. "Berlin verträgt mehrere technologieorientierte Areale nebeneinander", sagt auch Peter Strunk, Kommunikationschef des Technologieparks Adlershof, in dem sich in den vergangenen Jahren einige Solarunternehmen angesiedelt haben. Wichtig sei jedoch, den jeweiligen Arealen unterschiedliche Profile zu geben.

In welcher Form das Gelände in Tegel entwickelt und vermarktet wird, ist noch offen. Das Areal gehört zu zwei Dritteln dem Bund und zu einem Drittel dem Land Berlin. Denkbar ist laut Behördenvertreter Nagel ein gemeinsames Vorgehen ebenso wie die Zusammenführung des Eigentums in der Hand von Bund oder Land. Auf jeden Fall, gibt Sven Stricker, Berliner Niederlassungsleiter des Immobilienberatungsunternehmens BNP Paribas Real Estate, zu bedenken, "sollte man sich bei der Entwicklung Zeit lassen" - denn es sei ja nicht so, dass Berlin Mangel an Flächen irgendwelcher Art habe.

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