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27.01.2010

10:20 Uhr

Fremdes Geld

Investoren zieht es nach Deutschland

VonReiner Reichel

Ausländische Gesellschaften kaufen Immobilien bevorzugt in großen Volkswirtschaften. Besonders der deutsche Immobilienmarkt gerät ins Blickfeld ausländischer Anleger. Und Private-Equite-Fonds haben hohe Summen eingesammelt.

Finanzinvestoren legen ihr Geld verstärkt in deutschen Immobilien an. Pressebild

Finanzinvestoren legen ihr Geld verstärkt in deutschen Immobilien an.

HB FRANKFURT. "Die Investmentströme konzentrieren sich wieder auf die großen Volkswirtschaften", sagte Andreas Quint, Deutschland-Chef des weltweit tätigen Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle (JLL), gestern auf der Immobilienkonferenz Cimmit in Frankfurt. "Deutschland wird überproportional vom Interesse ausländischer Investoren profitieren", ergänzte er.

Für Quint ist die Konzentration auf die starken Wirtschaftsnationen eine Reaktion auf die Immobilienkrise. In den Jahren 2004 bis 2007, also vor Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftsprobleme, hatten Finanzinvestoren auch in die Immobilienmärkte sich schnell entwickelnder Länder, beispielsweise in Osteuropa, hohe Summen gepumpt. In diesen Ländern werden die Immobilienmärkte nun länger leiden als in den entwickelten Industriestaaten.

Nach Zahlen von JLL betrug im Jahr 2007 der Ausländeranteil an knapp 60 Mrd. Euro Gewerbeimmobilienumsatz rund 80 Prozent. Am 2009 auf gut zehn Mrd. Euro geschrumpften Umsatz betrug der Anteil nur noch zehn Prozent. In diesem Jahr werde der Ausländeranteil an erwarteten gut zwölf Mrd. Euro Investitionsvolumen wieder steigen, meint Quint.

Zu den ausländischen Akteuren, die es nach Deutschland zieht, zählt Quint auch Private-Equity-Fonds. Sie hätten hohe Summen eingesammelt, um sie möglichst dicht am wirtschaftlichen Tiefpunkt in Deutschland zu investieren. Für diese Fonds wird es laut Quint angesichts steigender Preise in Deutschland nun Zeit zu kaufen. Dagegen ist Barbara Knoflach, Vorstandschefin der SEB Asset Management (SEB AM), skeptisch: "Private-Equity-Fonds werden in den nächsten zwei Jahren keine große Rolle spielen." Die SEB AM verwaltet Immobilien- und Immobilienaktienfonds.

Da die Finanzinvestoren viele der in den Boomjahren erworbenen Immobilien zugleich verkaufen werden, sind sich Knoflach und Quint darin einig, dass sie im Jahr 2010 per Saldo zu den Nettoverkäufern auf dem deutschen Immobilienmarkt gehören werden.

Eine Barriere für die Fonds ist inzwischen der Zugang zu Fremdkapital. In den Boomjahren finanzierten die Banken Käufe von Private-Equity-Gesellschaften bis zu 100 Prozent. Das war letztendlich nur möglich, weil sie die Kredite verbrieften und dadurch die Risiken daraus an die Anleihekäufer weitergaben. Der Markt für durch Gewerbeimmobilien besicherte Anleihen, CMBS genannt, hat sich noch immer nicht erholt. Deswegen können Banken ihre Immobilienkredite nicht verbriefen.

Beleihungen oberhalb 70 Prozent würden schwierig, sagte Frank Pörschke, Vorstandssprecher des Immobilienfinanzierers Eurohypo in Frankfurt. Thomas Veit, Vorstand der Landesbank Berlin, kann sich zwar vorstellen, über 70 Prozent hinauszugehen. Dafür müssten aber Zins und Tilgung aus sicherem Cash-Flow geleistet werden können. Georg Jewgrafow, Leiter Immobilienbereich bei der BayernLB, schaut nicht nur auf die Kapitaldienstfähigkeit, sondern auch auf den Immobiliensachverstand des Kreditnehmers - in der Vergangenheit ein Schwachpunkt bei Private-Equity-Gesellschaften.

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