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05.06.2014

12:54 Uhr

Gastbeitrag

Wohnungsbau ja – aber bitte nicht bei mir

VonJürgen Michael Schick

Wohnraum ist knapp, die Mieten schießen in die Höhe, Kaufpreise steigen: Dennoch verwehren sich viele Großstädter der Idee, freie Flächen in den Innenstädten zu bebauen. Die Politik müsste die Bürger besser informieren.

Die Berliner Bürger stimmten gegen eine Bebauung des Areals des ehemaligen Innenstadt-Flughafens Tempelhof. AFP

Die Berliner Bürger stimmten gegen eine Bebauung des Areals des ehemaligen Innenstadt-Flughafens Tempelhof.

Wohnraum wird immer knapper, Wohnungsmieten und -kaufpreise steigen, die Wohnungssuche in der Stadt wird zur Odyssee – doch bei dem Vorschlag, auf einem kleinen Teilstück einer 300 Hektar großen Rasenfläche in der Innenstadt Wohnungen zu bauen, gehen die Bürger auf die Barrikaden. Unvorstellbar? Nicht in Berlin.

Am 25. Mai entschieden die Hauptstädter in einem Volksbegehren über die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Der Berliner Senat wollte auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof eine neue Bibliothek sowie Wohnungen und Gewerbeflächen errichten lassen. Eine Bürgerinitiative trat mit einem Gesetzentwurf dagegen an. Er sieht vor, das Feld in seiner jetzigen Form zu belassen – mit Erfolg. Knapp 65 Prozent der Berliner sprachen sich dagegen aus, das Tempelhofer Feld auch nur teilweise zu bebauen.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Das Ergebnis des Volksentscheids bildet eine Denkweise ab, die bei den Bewohnern der deutschen Großstädte auf dem Vormarsch zu sein scheint: Wir brauchen neue Wohnungen – aber nicht vor meiner Haustür. Die meisten Bewohner Berlins, Münchens und Hamburgs sprechen sich zwar theoretisch dafür aus, dass mehr Wohnungen gebaut werden sollen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Wenn es aber darum geht, dass Grünflächen verschwinden und das Stadtbild verändert werden soll – wie es bei Großprojekten nun einmal der Fall ist – ist es mit der Zustimmung nicht mehr weit her.

Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Menschen ihre Städte, so wie sie sie kennen, bewahren möchten. Historisch gewachsene Stadtbilder und grüne Ruheoasen müssen erhalten bleiben. Das Problem dabei: Unter einem angespannten Wohnungsmarkt leiden in erster Linie die Zuzügler. Da diese noch nicht in der jeweiligen Stadt leben, können sie an Volksentscheiden oder Befragungen nicht teilnehmen. Die Menschen, die sich einbringen, haben bereits eine Wohnung in Berlin, Hamburg oder München und damit komplett andere Interessen als Neu-Bürger der jeweiligen Metropole.

Kommentare (6)

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05.06.2014, 13:23 Uhr

Aufgrund seiner Position für den IVD ist natürlich bei Herrn Schick eine gewisse Voreingenommenheit zu erwarten gewesen. Schade auch, dass er die Bürger offensichtlich als unmündig betrachtet, die offensichtlich nur kurzsichtige und egoistische Entscheidungen treffen. Aber 65% Gegenstimmen ist schon ein gewaltiges Votum. Übrigens eines, dass die 1% Zuzügler p.a. nicht hätte wesentlich beeinflussen können. Das Tempelhofer Feld ist eines der letzten großen Freiflächen und sicherlich wären die Berliner ziemlich dumm, dieses als sein letztes großes Projekt dem Herrn Wowereit zukommen zu lassen. Ich finde es auch anmaßend, dass HErr Schick meint, dass ein informieren und erklären des Projektes seitens der Projektentwickler ausreichen muiss für eine Zusage seitens der Bürger. Die Zusage gibts nur für ein ÜBERZEUGENDES Konzept und nicht ein derart 0815 zusammengestelltes für maximalen Ertrag. Was soll den überhaupt ein Gewerbegebiet auf dem Feld, wenn es so wenig Wohnraum gibt und es das Primärziel der Bebauung sein sollte?

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05.06.2014, 13:48 Uhr

Deutschland hat eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, rund doppelt so hoch wie die in Frankreich.

Es ist natürlich ein Tabu, mal darüber zu diskutieren, ob unsere Politik nicht auch das Bevölkerungswachstum mal überwachen sollte. Die Prognosen mit angeblilch nur noch 50 Mio Deutschen im Jahr 2050 werden sich nämlich genauso als Trugschluss erweisen wie alle anderen langfristigen Prognosen - schon jetzt wundern sich ja einige, dass Deutschland nicht mehr schrumpft.

Es wird eines Tages zu eng werden, hoffentlich erlebe ich das nicht mehr.

Wir wollen alles: mehr Kinder, mehr Fachkräfte aus dem Ausland, bessere medizinische Versorgung und dadurch eine längere Lebenserwartung, also später sterben (und es wird der Forschung in spätestens 100 Jahren gelungen sein, den Alterungsprozess aufzuhalten - jede Wette).

Nur:

Wohin mit uns allen?

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05.06.2014, 14:04 Uhr

"Es gilt, das Engagement der Bürger in die richtigen Bahnen zu lenken. Dazu ist es notwendig, die Bürger umfassend zu informieren."

"In richtige Bahnen lenken" und "informieren" heißt natürlich: Gehirnwäsche, bis die Bürgermeinung der Bauwirtschaft genehm ist.

Nebenbei: Freiflächen sind dazu da, das Stadtklima zumindest erträglich hinsichtlich Erwärmung und Schadstoffen zu machen.

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