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09.07.2012

16:13 Uhr

Gebäudesanierung

Energiewende droht Mieten hochzutreiben

Das Herzstück der Energiewende könnte für Mieter fatal werden: Zwar sinkt durch Sanierungen der Heizbedarf. Doch weil das Dämmen nicht vorankommt, sollen Mietrechte gekappt werden - mit Folgen für die Mietpreise.

Dank Gebäudesanierung sinken die Heizkosten, doch die Mieten könnten steigen. dpa

Dank Gebäudesanierung sinken die Heizkosten, doch die Mieten könnten steigen.

BerlinDie schöne neue Energiewelt sieht für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre schwarz-gelbe Koalition so aus: Die Deutschen dämmen ihre Wände und tauschen zugige Fenster aus, die Energiekosten sinken um bis zu 75 Prozent. Und der Mieter zahlt zwar höhere Kaltmieten, kommt aber bei der Warmmiete auf plus/minus null. Die Realität könnte anders aussehen. Der Mieterbund berichtet von zunehmenden Zwangsumzügen, weil die Kosten für energetische Gebäudesanierungen einseitig auf die Mieter umgelegt würden.

„Den Mietern ist nicht geholfen, wenn sie die Heizkosten bezahlen können, aber dafür die Mieten nicht mehr“, sagte Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Naturschutzbund (NABU) und dem Naturschutzring (DNR) unterstützt die Mieterlobby die von der Regierung gewünschte Sanierungsoffensive. Aber sie fürchtet eine massive Schieflage bei der Kostenverteilung, zumal die Mieten in Städten wie Berlin ohnehin stark steigen.

Checkliste: So dämmen Sie richtig

Materialien

Wie dick der zu verlegende Dämmstoff sein muss, hängt sowohl von der Bodenbeschaffenheit als auch vom eingesetzten Material ab. In Frage kommen verschiedene Materialien, wie etwa auf natürlicher Basis wie Flachs, Kork oder Mineralwolle. Polysterol/EPS-Dämmstoffe haben zwar eine hohe Dämmwirkung, belasten allerdings die Umwelt. In der Regel erfüllen Hausbesitzer die gesetzlichen Vorgaben, wer eine Dämmschicht von 16 Zentimetern auf die oberste Geschossdecke aufbringt.

Ausführung

Bevor gedämmt wird, sind mögliche Schwachstellen wie Wände und Rohre aufzuspüren, die Decke durchstoßen. Denn wenn diese nicht abgedichtet werden, entgeht warme Luft aus darunterliegenden Wohnungen. Trifft sie auf dem Dachboden auf kältere Luftschichten, bildet sich Kondenswasser - und kann Schimmel verursachen.

Der komplette Deckenaufbau muss luftdicht sein, weshalb im Einzelfall zu prüfen ist, ob nachträglich eine Dampfbremsfolie an der richtigen Stelle eingebaut werden soll. Bei der Planung empfiehlt es sich deshalb, einen Energieberater zu Rate zu ziehen. Damit die Dämmung ihre optimale Wirkung entfalten kann, muss sie zudem fachgerecht verlegt werden. Wer Bauschäden und Wärmelecks vermeiden will, sollte die Verlegearbeiten einer Fachfirma übertragen.

Kosten

Die Kosten für die Isolierung der obersten Geschossdecke liegen etwa bei 20 bis 35 Euro pro Quadratmeter.

Förderung

Vorbildlichen Sanierern winken Fördergelder der KfW-Bankengruppe: Eine Finanzspritze von 5 der förderfähigen Kosten bis zu 2500 Euro pro Wohneinheit gibt es, wenn die gesetzlichen Mindestvorgaben für die Dämmstärken übertroffen werden. Außerdem muss die Dämmung durch eine Fachfirma verlegt werden. Nicht zuletzt muss ein Sachverständiger die Stärke des verbauten Materials sowie dessen fachgerechten Einbau bestätigen.

Alternative Dachdämmung

Wenn der Speicher in absehbarer Zeit ausgebaut und als Wohnung genutzt werden soll, erlaubt die Energieeinsparverordnung, das Dach statt der Geschossdecke zu dämmen. Das gilt auch, wenn die Dacheindeckung ohnehin erneuert werden muss.

Eine wärmende Mütze fürs Haus ist sinnvoll, aber stets aufwändiger und teurer als die Decken-Dämmung. Außerdem muss der Wärmeschutz an Giebeln und Dachfenstern mit auf dem Programm stehen, damit hier nicht weiterhin Energie ungenutzt herausgeblasen wird.

Unternehmererklärung

Die EnEV 2009 verpflichtet nicht nur den Immobilieneigentümer, sondern auch den Handwerker, die Richtwerte der EnEV einzuhalten. Als Nachweis dient die so genannte Unternehmererklärung, die der Handwerker nach Beendigung der Arbeiten aushändigen sollte.

Ein Beispiel, welchen Einfluss die hohen Energiekosten für Mieter haben: Der Verbrauch in Wohnhäusern ging 2011 dank des milden Winters zwar um 18 Prozent zurück. Die Heizkosten für ölgeheizte Häuser kletterten aber wegen eines starken Ölpreisanstiegs trotzdem, für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl betrugen sie dem Mieterbund zufolge durchschnittlich 890 Euro (+40 Euro im Vergleich zu 2010).

65 Prozent der Fassaden gelten in Deutschland als ungedämmt und rund 60 Prozent der Fenster als zu schlecht isoliert. Die Heiz- und Energiekosten seien seit 1995 um 173 Prozent gestiegen, die Kaltmieten hingegen nur um 24 Prozent, verweist Helmut Röscheisen, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings, auf ein stark gestiegenes Energie-Armutsrisiko. Denn die Heizkosten sind das eine: Nach Schätzungen des Bundes der Energieverbraucher sind über eine halbe Million Bürger inzwischen von Stromabschaltungen betroffen.

Die Bundesregierung versucht nun händeringend, beim Energiesparen voranzukommen. Aber sie schafft es bisher nicht, die Sanierungsrate bei Gebäuden wie geplant von ein auf zwei Prozent pro Jahr zu verdoppeln, das wären laut NABU rund 70 Millionen Quadratmeter pro Jahr. 40 Prozent der Energie wird in Gebäuden verbraucht. Weniger Verbrauch senkt den Bedarf an Kraftwerken, Stromnetzen und Windparks.

Kommentare (16)

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uli-uli

09.07.2012, 16:28 Uhr

Und wieder einmal will jeder etwas Anderes obwohl doch alle vorgeben das Gleiche zu wollen. Also Klimaerwärmung scheint eine bewiesene Tatsache. Wohngebäude verschwenden diese Energie. Also müssen diese gedämmt werden ( mit VWS Dämmsystemen deren Umweltbilanz mehr als nur zweifelhaft ist; das Zeug wird auch aus Öl hergestellt und in 50 Jahren müssen Milliarden m² von dem Zeug dann als Sondermüll entsorgt werden ).Dennoch scheint an der Dämmung kein Weg vorbeizugehen. Das Gesetz zwingt nun den Vermieter zu dämmen, die Mieter wollen das aber nicht ( voll ) bezahlen, wobei klar ist, daß einige es wirklich nicht einfach werden bezahlen können. Kann dann die Konsequenz sein, daß der Vermieter es zahlen muß? Welche Anreize hat ein Vermieter überhaupt noch, wenn die Rechtsprechung sich immer auf die Seite der Mieter schlägt? Also muß ein Gesetz her welches den Vermieter zwingt zu dämmen aber ihm nicht erlaubt die Kosten dafür auf die Mieter voll umzulegen. Ausweg somit wieder nur das Steuerrecht mit seiner 5 millionenstens Ausnahmeregelung: Die Kosten der Dämmung sind nur zu 50 % auf den Mieter umlegbar ( = 5,5 % der Gesamtsumme geteilt durch 12 ) undbewirken somit bis zu ca. 1,50 Euro mehr Miete je m², und die restlichen 50 % darf der Vermieter dann verteilt auf 5 Jahre als Sonderabschreibung geltend machen, so einfach ist das, denn auch die höhere Miete müsste er ja mit dem persönlichen Steuersatz versteuern, nun also nur 50 % davon und der Rest geht über Abschreibung die den persönlichen Steuersatz wieder senkt.

Liebe Grüße

Uli Henkl

HugoDrax

09.07.2012, 16:55 Uhr

Na da fangen wir doch gleich mal bei den öffentlichen
Gebäuden an. Z.b. Rathäuser........

HD

vandale

09.07.2012, 17:14 Uhr

Erfrischend an dieser Dämmpflicht ist, dass es gem. älterer Vorhersagen des IPCC bereits keine kalten schneereichen Winter mehr geben soll. In Kürze soll gem. der Aussagen der Klimaschwindler hier ein Klima analog Norditaliens herrschen. Dann stellt sich die Frage warum man die Gebäude analog einer Polarregion isolieren soll.

Meine persönliche Vermutung ist dass die Politiker so intelligent sind ihrem eigenen Oekoschwindel keinen Glauben zu schenken.

Vandale

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