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14.05.2014

10:40 Uhr

Geschlossene Immobilienfonds

Schlammschlacht bei Fondsanbieter

VonJens Hagen

Ein Immobilienfonds-Anbieter soll ein dubioses Geschäftsmodell betrieben haben. Um den Vorwurf zu entkräften, geht die Firma gegen Ex-Mitarbeiter vor. Wissenschaftler sollen Whistleblower entlarven.

Die Fondsgesellschaft Fairvesta will Geld mit dem Weiterverkauf von Immobilien verdienen. Ob das immer klappt ist nach einem Bericht der WirtschaftsWoche jedoch zweifelhaft. dpa

Die Fondsgesellschaft Fairvesta will Geld mit dem Weiterverkauf von Immobilien verdienen. Ob das immer klappt ist nach einem Bericht der WirtschaftsWoche jedoch zweifelhaft.

DüsseldorfAuf der Internetseite präsentiert sich das Immobilien- und Beteiligungsunternehmen Fairvesta im besten Licht. Die Erfolgsgeschichte sei beeindruckend, liest man da. „Mittlerweile hat Fairvesta das Vertrauen von über 13.000 Anlegern gewinnen können und über 800 Millionen Euro Assets under Management – ausschließlich schulden- und lastenfreie Immobilien“, schreibt das Unternehmen.

Hinter den Kulissen brodelt es aber gewaltig. Ein Bericht der WirtschaftsWoche, die im gleichen Verlag wie das Handelsblatt erscheint, warf den Verdacht auf ein dubioses Geschäftsmodell auf. Das Unternehmen wehrt sich dies. Dabei geht Fairvesta gegen die eigene, ehemalige Mitarbeiter vor.

In einer aktuellen Pressemitteilung erklärt das Unternehmen, dass der Ursprung aller Vorwürfe „anonym veröffentlichte Falschbehauptungen im Internet“ seien. Fairvesta habe eine Kölner Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet. Damit nicht genug: Das Unternehmen habe zusätzlich „einen anerkannten Sprachwissenschaftler beauftragt, die Inhalte und Formulierungen mit Textproben ehemaliger Mitarbeiter zu vergleichen, um Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gegen den oder die zunächst unbekannten Täter durchzusetzen.“

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Die Recherchen der Linguisten verliefen laut Fairvesta erfolgreich. „Die Analyse von Hunderten von Seiten ist eindeutig“,  schreibt Jan Olaf Hansen, Leiter Marketing & PR bei Fairvesta. Laut eines noch nicht rechtskräftigen Urteils soll der ehemalige Presssprecher Michael Oehme nachteilige Texte ins Netz gestellt haben. „Die Vorwürfe sind aberwitzig, meine Rechtsanwältin hat bereits Berufung eingereicht“, sagt Michael Oehme, der für die Schweizer Kommunikationsberatung CapitalPR arbeitet.

Weitere ehemalige Mitarbeiter von Fairvesta müssen ebenfalls mit juristischem Gegenwind rechnen. Laut Fairvesta wird gegen eine ehemalige Mitarbeiterin ermittelt. „Fairvesta kann belegen, dass diese Person Zugang zu vertraulichen Unterlagen hatte und diese über Monate hinweg an Außenstehende Dritte und einen Mitbewerber sowie die Presse weitergeleitet hat“, schreibt Hansen. Nach der Kündigung der Mitarbeiterin seien nach seinen Schilderungen „Dokumente ins Internet gelangt“. „Die so erschaffene angebliche „Story“ wurde so dann unter anderem gerade den Medien besonders aufbereitet und „mundgerecht“ angeboten“, schreibt Hansen.

Eine solche Hatz auf Ex-Mitarbeiter, bei der Sprachwissenschaftler angebliche Whistleblower entlarven sollen, gehört nicht nur in der Fondsbranche kaum zum Tagesgeschäft. Fairvesta wehrt sich trotzdem gegen den Vorwurf, Kritiker „mundtot“ zu machen. Das Unternehmen gehe „juristisch einwandfrei – gegen rechtswidrige und illegale Machenschaften vor.“  

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