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26.08.2014

12:31 Uhr

Großsiedlungen

Betongold statt Szeneviertel

Die Großsiedlungen sind zurück. Weil Innenstadtwohnungen knapp werden, drängen wieder mehr Mieter in die lange ungeliebten Blocks am Rand vieler Großstädte. Schon gibt es Warnungen, alte Fehler nicht zu wiederholen.

Das Berliner Wohngebiet Hellersdorf. Weil Innenstadtwohnungen knapp werden, drängen wieder mehr Mieter in die lange ungeliebten Blocks am Rand vieler Großstädte. dpa

Das Berliner Wohngebiet Hellersdorf. Weil Innenstadtwohnungen knapp werden, drängen wieder mehr Mieter in die lange ungeliebten Blocks am Rand vieler Großstädte.

BerlinHeute hat Andrej Eckhardt das nicht mehr nötig. Es ist zehn Jahre her, dass seine Inserate Aufsehen erregten: Junge Paare wohnen ein Jahr mietfrei! „Wir hatten elf Prozent Leerstand“, sagt der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte im Berliner Plattenbau-Viertel Hellersdorf. Heute betont Eckhardt: „Wir machen keine Sonderaktionen mehr.“ Die Mieter kommen auch ohne Werbegags. „Letztes Jahr hatten wir einen richtigen Run.“

Das ist nicht nur in Berlin so. Ob Köln, Hamburg, München, Leipzig - in den Hochhausvierteln rund um die deutschen Großstädte gibt es immer weniger freie Wohnungen. Aktionen mit Windel-Abos für Familien und Fahrräder zum Einzug oder Wellness-Wochenenden für alte Mieter sind dort meist Geschichte. Während in schrumpfenden Städten in Ost wie West die Abrissbirne noch in Zehntausende Wohnungen einschlagen soll, planen andere schon Neubauten zwischen 60er-Jahre-Wohnblöcken.

„Die Großsiedlungen erleben vielerorts eine Renaissance“, heißt es beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Die Vermieter sprechen von einem Imagewandel der Quartiere, von denen viele lange Zeit als soziale Brennpunkte verschrien waren.

Denn allein in den sieben größten Städten stieg die Bevölkerungszahl laut Bundesbauministerium seit 2007 um rund 330 000. Der Wohnungsbau hält nicht Schritt. In manchen Szenevierteln stehen Mietinteressenten bei Besichtigungen Schlange bis auf die Straße. Und die, die sich die angesagten Quartiere nicht leisten können, weichen aus.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

Beispiel Berlin: Die Hauptstadt wuchs allein im vergangenen Jahr um 48 000 Einwohner. In zehn Jahren sank die Leerstandsquote in den 700 000 öffentlichen und Genossenschaftswohnungen von 5,4 Prozent auf 2 Prozent, wie der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen mitteilt. Seine Mitglieder halten viele Wohnungen in Großsiedlungen.

Kommentare (5)

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Herr Josef Schmidt

26.08.2014, 12:45 Uhr

Wenn ich sehe welche Schrottimmobilien als Betongold verkauft werden da kann ich nur drüber lachen. Angst und Gier ist ein schlechter Anlageberater.

Herr Rene Weiß

26.08.2014, 13:48 Uhr

„Es muss eine sozialverträgliche Mischung da sein"

Was ne Parole! Kein normaler Steuerzahler will in Ghettos ziehen, um diesen "sozial zu durchmischen".
Ist doch Schwachsinn, den Politiker fordern. Ich möchte in NRW Frau Kraft und Frau Löhrmann man mal in einem "sozial durchmischten" 30-ig-Geschosser wohnen sehen...wie auch die ganzen Gewerkschafts- und Mieterbundfunktionäre.

Herr Rene Weiß

26.08.2014, 13:50 Uhr

Da Innenstädte nur begrenzt groß sind (was in der Natur der Sache liegt), kann Mietpreisbremsen hoch 10 beschließen. Es wird immer nur ein kleiner elitärer Teil dort wohnen können. Und wenn Wohnraum kostenlos wäre, würde der Arbeitslose auch nicht zum Zug kommen.

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