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12.12.2013

14:45 Uhr

Hauskauf

Wie Immobilienbesitzer das Zinstief nutzen

VonJens Hagen

Die niedrigen Zinsen machen den Kauf von Immobilien attraktiv. Wer aber nur auf das günstigste Angebot achtet, zahlt später drauf. Mit welchen Krediten Bauherren, Käufer, Finanzierer und Modernisierer gut wegkommen.

Ein eigenes Haus ist der Traum vieler Deutscher. Doch das will auch in Zeiten niedriger Zinsen gut finanziert sein. dpa

Ein eigenes Haus ist der Traum vieler Deutscher. Doch das will auch in Zeiten niedriger Zinsen gut finanziert sein.

DüsseldorfSoviel ist nach der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erst einmal sicher: Mario Draghi hält Kurs. Beim letzten Zinsentscheid betonte der Italiener seine „Erwartung, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden”. Erst im vergangenen Monat hatte die EZB für viele überraschend die Leitzinsen gesenkt. Die schwache Wirtschaft in der Euro-Zone und Inflationsraten von 1,1 bis 1,3 Prozent zementieren den Zinskurs der Notenbanker.

Viele Immobilienbesitzer freuten sich zuletzt zu früh. Die letzte Leitzinssenkung ging weitgehend spurlos an den Baugeld-Konditionen vorbei. Durchschnittlich um zwei Promille sanken die Sätze für Baufinanzierungen von 40 Banken seit der letzten EZB-Sitzung im vergangenen Monat. Im Mai dieses Jahres lag der durchschnittliche Zins für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung noch bei 2,3 Prozent, 0,3 Prozentpunkte unter dem aktuellen Schnitt.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Die Sätze für Baugeld richten sich nach den Renditen für langfristige Anleihen und Pfandbriefe. Nach einem Hypothekenkommentar des Baugeld-Vermittlers Interhyp sorgten zwischenzeitlich Spekulationen über eine straffere Geldpolitik in den USA für steigende Zinsen für Immobilienkredite. Enorme Ausschläge nach oben oder unten seien aber erst einmal nicht zu erwarten. Im historischen Vergleich liegen die Sätze ohnehin auf niedrigem Niveau.

Auch wenn die Baugeld-Konditionen nicht mehr auf dem absoluten Tiefpunkt sind, so sind die Zeiten dennoch rosig für Investitionen in Immobilien. „Durch die niedrigen Zinsen können im Prinzip Einkommensklassen Immobilieneigentum finanzieren, die bei einem Zinsniveau von fünf Prozent kein Darlehen bedienen könnten“, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp.

Wer die Risiken des Zinstiefs kennt, kann sich mit der richtigen Strategie den Traum von einer Immobilie günstig erfüllen. Handelsblatt Online zeigt in Kooperation mit der FMH-Finanzberatung die besten Kreditstrategien. Und welche Kredite beim Hausbau, dem Kauf von Bestandsobjekten, bei Modernisierung und der Anschlussfinanzierung taugen.


Kommentare (6)

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norbert

12.12.2013, 15:59 Uhr

Eine Zinsbindung von 15 Jahren hat höchstwahrscheinlich irgendeinen Haken.
Keine Bank kann die Zinsen in zehn Jahren kalkulieren, und ich kan mir nicht vorstellen, daß sie so ein Risiko eingeht.

luxpower

12.12.2013, 16:27 Uhr

Ich habe seit 2 Jahren eine Hypothek auf der Basis des 3-Monats-Libor. Z. Zt zahle ich 1,18 % Zinsen p.a., dafür aber mit einer hohen Tilgung 4 %. Dies werde ich noch die nächsten 1-2 Jahren weiterführen, und dann umswitchen in ein längerfristiges Darlehen.

Gast

12.12.2013, 17:27 Uhr

Ich habe 2012 eine Zinsbindung von 30 Jahren bei einer Tilgung von 2,5% vereinbart. Es gibt keinen Haken, außer, dass ich das Geld natürlich nicht für 2,x bekommen habe. Dafür blicke ich sehr entspannt auf 2023 und 2028, wenn die Zinsbindung der Finanzierungen auslaufen, die mir die hiesige Sparkasse angeboten hat. Die "cleveren" Häuslebauer müssen dann nämlich alle verkaufen, weil sie sich die Raten nicht mehr leisten können.

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