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04.07.2012

10:59 Uhr

Hausverwalter

„Die Zeche zahlen die Eigentümer“

VonJens Hagen

Unter den Hausverwaltern tummeln sich viele schwarze Schafe. Im Interview verrät ein Branchenkenner, wie unseriöse Anbieter tricksen, wann Eigentümer für Fehler zahlen müssen und wie sie se riöse Dienstleister erkennen.

Michael Wintzer ist Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau Immobilien PR

Michael Wintzer ist Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau Immobilien

Herr Wintzer, der Immobilienmarkt in Deutschland boomt, Käufer zahlen Mondpreise und auch Mieten und Nebenkosten steigen in den Metropolen rasant. Hausverwalter müssten jetzt das Geschäft ihres Lebens machen…
…tun sie aber nicht. Viele der 25.000 Gesellschaften strecken sich zur Decke. Vor allem in den großen Metropolen herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Viele klassische kleine Betriebe tun sich aktuell schwer.

Warum profitieren die Objektpfleger nicht vom Boom?
Es fehlt an klaren Spielregeln. Jeder darf sich Immobilienverwalter nennen, dazu bedarf es keiner Ausbildung. Das Marktvolumen bleibt annähernd gleich, die Neubauquote steigt kaum. Und nach spätestens fünf Jahren werden die Aufträge neu ausgeschrieben.

Konkurrenz belebt das Geschäft.
Das stimmt, in unserer Branche ist der Wettbewerb in einigen Regionen mittlerweile aber ruinös. Das ist auch zum Nachteil vieler Kunden.

Profitieren Eigentümer nicht von den sinkenden Kosten?

Nur auf den ersten Blick. Einige Anbieter offerieren ihre Dienstleistung schon für monatlich zehn Euro pro Wohnung. Übliche Objekte mit etwa 100 Wohnungen kann ein mittelständischer Verwalter aber nur seriös betreuen, wenn er mindestens 15 bis 18 Euro erhält.

Wie können die Preisbrecher überleben?
Nur indem sie ihre Kosten und damit auch ihre Leistung anpassen. Das ist aber zum Schaden des Objekts und der Eigentümer.

Nennen Sie Beispiele.
Oft schlampen Verwalter aus Zeitnot bei der Überwachung der Instandhaltung. Die Folgen sind fatal. Der Wert der Immobilie sinkt und Reparaturen werden teurer. Bei modernen, wärmegedämmten Häusern müssen die Außenfassaden etwa alle zehn bis zwölf Jahre ausgebessert und gestrichen werden. Wenn der Verwalter das einige Jahre lang schleifen lässt, kann zum Beispiel Wasser in die Dämmung gelangen. Dann drohen Wärmebrücken, Schimmel, morsche Fenster und eine aufwendige Sanierung.

Kommentare (10)

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goldeneye

04.07.2012, 12:57 Uhr

Hausverwalter!!!! Heikles Thema!! Muss mich aufgrund von Überstimmung eines Mehrheitseigentümers, der zu allem Übel noch mit dem Hausverwalter "befreundet" ist, schon seit 5 Jahren anwaltlich/gerichtlich herumbalgen! HV sitzt 15o km weit entfernt! Seit gut 3 Jahren nicht mehr aufgetaucht! Die einzige Möglichkeit die bleibt - ANFECHTUNGSKLAGEN!!! bislang 5 von 6 Klagen gewonnen. Die 6. wurde erst vor 5 Wochen eingereicht. Keine schöne Sache, aber keine andere Wahl! Der HV gehört, ebenfalls zu denjenigen, die sich um nichts kümmern und vor allen Dingen BESSERWISSER sind! Wäre interessant, wenn es eine Art "Rote Liste" geben würde!

VERWALTUNG.de

04.07.2012, 13:19 Uhr

Die Überschrift ist falsch, der Inhalt zumeist richtig.
Es ist ein Berufsbild, das einen Kaufmann, Juristen und technisch versierten Fachmann mit multikuturellen Fähigkeiten sucht. Diese Ausbildung gibt es in Deutschland nicht. Alle Ausbildungen als Immobilienkaufmann, Facilitymanager, etc. decken nur einen Teil ab.
Dagegen steht der Markt mit ruinösem Verdrängungswettbewerb. Eine Lobby aus Berufverbänden preist sich selbst und suggeriert Zuverlässigkeit und Qualität. Weit gefehlt ! Ich kenne zahlose Verwalter mit und ohne Lobbyanschluss, die ihre Objekte nicht kennen, falsch abrechnen, nach dem Gusto der Verwaltungbeiräte rechtswidrige Beschlüsse generieren und jenseits von 300' EUR liegen.
Schuldig ist allein der Wohnungseigentümer. Wer glaubt, das man für den Preis einer Pizza im Monat die vermeintlich größte Investition im Leben erhalten und verwalten kann, sollte auf den Campingplatz umziehen. Das sind jedoch 97% aller WE.
Ich verwalte nichts unter 20 EUR netto, weil gute Arbeit gutes Geld kosten muss. Unsere Kunden wissen was es bedeutet jährlich und pünktlich eine rechssichere Abrechnung ohne einen Cent Differenz mit allen Steuerbescheiden zu erhalten. Sie bekommen ständig optimierte Energie- und Versorgerkonditionen und haben im Notfall auch am 24. Dezember um 18:00 Uhr die Garantie (!) für sofortige Hilfe. 365 Tage, 24 Stunden. Vergaben laufen stests ohne Provisionen, Angebote von Schmiergeldern führen zur dauerhaften Sperre der Anbieter. Dazu kommt vieles mehr, was der Eigentümer nicht sieht. Es gleicht einem Eisberg, bei der nur die Spitze für den Eigentümer sichtbar wird. In der Regel sparen neue Gemeinschaften in den ersten 5 Jahren bis zu 30% der bisherigen Gesamtkosten, weil wir die optimieren.
Es gibt viele Misswirtschaftsverwalter für scheinbar billiges Geld. Wir sind zu arm uns das Billige zu leisten!
Fair play auf allen Seiten.

VERWALTUNG.de

04.07.2012, 14:24 Uhr

Nachtrag:
Die Folge des Preiskampfes nach dem Motto "Geiz ist Geil" ist natürlich eine Abwärtsspirale bei den Eigentümern und den Verwaltern. Der Verwalter kann leicht aussteigen, der Eigentümer merkt es jedoch meist viel zu spät und verliert sein Kapital.
Hinzu kommt ein chaotisches und gefährliches Spiel des Gesetzgebers, der ständig neue Gesetze mit der heißen Nadel strickt und dabei selbt nicht bemerkt, welchem Mist er macht! Die Last wird auf den Verwaltern abgewälzt und das will man natürlich als "Service für lau".

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Die Eigentümer und Eigentümerverbände sollten endlich aufwachen und die Spreu vom Weizen trennen. Dazu sollten 60% aller Gesetze auf den Sondermüll.
Die fiktive Generierung neuer Berufsbilder ist Nonsens.
In anderen Ländern ist es ein UNI-Studium. Also nichts für die dünnbrettbohrer FH-Studiengänge.
Die Immobilienverbände sind an der Mißwirtschaft selbst beteilgt und fördern "Kooperationen" zu Kabelgesellschaften und großen Energieabrechnungsfirmen. PPP's kommen als Kraken hinzu.
Hier liegt die Wurzel allen Übels.
Der freie und Familienbetrieb ist in der Regel besser als der Abkömmling der Lobby.
Eigentümer mögen bitte nicht auf die Größe und Zahl der Zertikate schauen. Menschliche Fähigkeiten sind gefragt bei der Auswahl des Verwalters.

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