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06.06.2013

14:10 Uhr

Hintergrund

Immobilienwerte peppen MDax auf

Der MDax bietet mehr als nur Aktien von Anlagen- oder Maschinenbauern: Sechs von 50 MDax-Titeln kommen aus der Immobilienbranche – und es könnten noch mehr werden. Experten freuen sich über die neue Vielfalt.

Kurstafel der Deutschen Börse in Frankfurt: Im MDax tummeln sich immer mehr Immobilien-Konzerne. dpa

Kurstafel der Deutschen Börse in Frankfurt: Im MDax tummeln sich immer mehr Immobilien-Konzerne.

FrankfurtDer als Industrie-Index bekannte MDax hat längst mehr zu bieten als klassische Anlagen- und Maschinenbauer: Mit dem Aufstieg des Börsenneulings LEG rückt Ende Juni bereits der sechste Immobilienkonzern in den Nebenwerteindex vor. Für Markt-Experte Klaus Stabel von ICF ist das ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung: „Die Preise für Häuser und Wohnungen sind die Höhe gegangen und entsprechend haben auch Immobilienwerte stark aufgewertet.“

Schon ohne die LEG machen Immobilienwerte von der Gewichtung her mehr als sieben Prozent des 50 Werte umfassenden MDax aus. Für LBBW-Index-Experte Uwe Streich ist dies eine positive Entwicklung. „Anders als der Solar-Hype im TecDax sind Immobilien keine Mode-Erscheinung, sondern sogar eher als Stabilisator für den Index zu sehen.“ Durch den Boom in der Solarbranche hatten es bis 2007 immer mehr Unternehmen in den Technologieindex geschafft, so dass sie in der Spitze rund ein Drittel des TecDax ausmachten. Es folgte die Krise für diesen Industriezweig und viele Unternehmen gerieten in Schieflage. Im TecDax gehalten haben sich nur SMA Solar.

Eine vergleichbare Entwicklung droht den Immo-Werten im MDax laut Streich nicht. „Immobilien sind in der Regel eine Anker-Branche.“ Die zuletzt wegen finanzieller Probleme in die Schlagzeilen geratene IVG sieht er als Ausnahme an. „Schwarze Schafe gibt es überall“, sagt der Experte. IVG hatte sich in der Finanzkrise mit teuren Projektentwicklungen verhoben. Der einstige MDax-Wert schreibt wegen immer neuer Abwertungen Verluste und kämpft um seine Existenz. Per Ende Juni fliegt IVG sogar aus dem Kleinwerteindex SDax. Die Aktie kostet derzeit noch 33 Cent. Zu den Hochzeiten im Jahr 2007 wurden die IVG-Papiere zu knapp 35 Euro gehandelt.

Fakten zum Dax

Fakt 1

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung“ fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Fakt 2

Dem Dax gehören die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse an.

Fakt 3

Der Dax wird als Performance-Index berechnet und unterscheidet sich so wesentlich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Fakt 4

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Fakt 5

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse eine Rangliste für Börsenumsatz und Marktkapitalisierung. Diese dient auch dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Fakt 6

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Fakt 7

Zur Dax-Familie zählen für die Nebenwerte der MDax und für die Kleinwerte der SDax, denen je 50 Werte angehören. Zudem gibt es den TecDax mit 30 Technologieaktien.

Fakt 8

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt vier Mal im Jahr: im März, Juni, September, Dezember. Dabei überprüft er vor allem die Zusammensetzung der übrigen Indizes.

Fakt 9

Der Dax wird auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr sekündlich berechnet. Danach gibt es einen L-Dax, der die Kursentwicklung an der bis 20.00 Uhr offenen Parkettbörse abbildet.

Vor der LEG hatten sich schon Deutsche Wohnen, GSW Immobilien, TAG Immobilien, Gagfah sowie der Shopping-Mall-Investor Deutsche Euroshop in die zweite Börsenliga unterhalb des Dax vorgearbeitet. Bald könnte sich mit der Deutschen Annington ein weiterer Wert zu ihnen gesellen. Sollte sich Deutschlands größter Wohnungskonzern wie erwartet aufs Parkett trauen, wäre auch dieser ein MDax-Kandidat, sagt Stabel. Insider erwarten die Erstnotiz Anfang Juli.

Die steigende Präsenz von Immobilienwerten könnte den MDax sogar für einen breiteren Investorenpool attraktiver machen. Einer Studie von Ernst & Young Real Estate zufolge wollen etliche Versicherer ihre Anlagen in Immobilien erhöhen. Angesichts der niedrigen Zinsen erwirtschaften sie mit ihrer traditionell auf Anleihen ausgerichteten Anlagestrategie zu wenig Rendite und suchen nach Alternativen.

Trotz des steigenden Anteils von Immobilienwerten wird der MDax aber ein Industrie-Index bleiben, sind die Experten überzeugt. „Der Kern des MDax ist weiter im Industrie- und Maschinenbausektor angesiedelt. Die Unternehmen sind zwar nicht ganz so groß wie die Blue-Chips im Dax, aber in ihrer Nische sind sie oft Weltmarktführer, und außerdem sehr gut vernetzt in Asien“, sagt Streich. Reine Industriewerte wie der Anlagenbauer Gea oder Triebwerkshersteller MTU Aero Engines machen immerhin gut ein Viertel des Index aus. Chemie- und Pharmawerte kommen auf knapp 15 Prozent, Finanzwerte auf fünf Prozent.

Von

rtr

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