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08.05.2013

18:20 Uhr

Hochverschuldeter Konzern

IVG-Aktionäre müssen fast mit Totalverlust rechnen

Der Immobilienkonzern will bis Mitte August eine Lösung mit Aktionären, Banken und Gläubigern finden. Für die IVG-Anleger könnte dies bittere Einschnitte bedeuten. Bei JP Morgan hat man die Hoffnung schon aufgegeben.

Auch der Büro- und Hotelkomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen ist Grund für die Misere der IVG. Das Gebäude wurde mit Schulden finanziert und konnte die Erwartungen nie erfüllen. dpa

Auch der Büro- und Hotelkomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen ist Grund für die Misere der IVG. Das Gebäude wurde mit Schulden finanziert und konnte die Erwartungen nie erfüllen.

FrankfurtDer hoch verschuldete Bonner Immobilienkonzern IVG will bis Mitte August einen Ausweg aus seiner existenzbedrohenden Lage finden. Der Vorstand arbeite an einem Paket von Maßnahmen, das die IVG wieder handlungsfähig machen solle, teilte das Unternehmen im Zwischenbericht am Mittwoch mit. Dabei solle mit Aktionären, Banken und Anleihegläubigern eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werden. Darüber wolle die IVG in den nächsten Wochen mit allen Parteien sprechen. Ein Konzept soll bis zu der auf den 14. August verschobenen Hauptversammlung vorliegen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte aus Finanzkreisen erfahren, dass die IVG dabei vor allem von den Aktionären und Hybridkapital-Gläubigern harte Einschnitte verlangen will. Sie könnten nach der Umschuldung jeweils mit nur einem einstelligen Aktienanteil an der IVG abgespeist werden. Die vorrangig besicherten Kreditgeber – inzwischen zum Großteil Hedgefonds – sollen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug eine klare Mehrheit der IVG-Aktien erhalten. Insgesamt könne die Verschuldung damit um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden. Die Pläne sind unter den Kapitalgebern jedoch stark umstritten.

Auch die Analysten der Investmentbank J.P. Morgan haben die Hoffnung aufgegeben, dass den Aktionären selbst im besten Fall etwas von ihrem Einsatz bleiben wird. Sie senkten das Kursziel für das im SDax notierte IVG-Papier auf einen Cent. „Nichts übrig für die normalen Aktionäre“, titelte Analyst Tim Leckie. „Zu hohe Verschuldung, zu viel Expansion und eine belastende Kostenstruktur.“ Ein IVG-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. Börsianer sind kaum optimistischer: Die Aktie brach am Mittwoch um weitere 28 Prozent auf 40 Cent ein.

Gescheiterte offene Immobilienfonds

Kanam US Grundinvest

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 55 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 478 Mio. €

Anteilspreis: 8,01 €

Kurs Börse Hamburg: 5,41 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -32,5 %

Ankündigung der Auflösung: 30.09.10

Degi Europa

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 845 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1681 Mio. €

Anteilspreis: 32,33 €

Kurs Börse Hamburg: 20,80 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -35,7 %

Ankündigung der Auflösung: 22.10.10

Morgan Stanley P2 Value

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 647 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1671 Mio. €

Anteilspreis: 20,93 €

Kurs Börse Hamburg: 11,02 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -47,3 %

Ankündigung der Auflösung: 26.10.10

TMW Weltfonds

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 673 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 1006 Mio. €

Anteilspreis: 43,95 €

Kurs Börse Hamburg: 25,30 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -42,4 %

Ankündigung der Auflösung: 31.05.11

Axa Immoselect

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 2463 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 3609 Mio. €

Anteilspreis: 51,14 €

Kurs Börse Hamburg: 29,45 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -42,4 %

Ankündigung der Auflösung: 19.10.11

Degi International

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 1563 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 2503 Mio. €

Anteilspreis: 43,51 €

Kurs Börse Hamburg: 30,35 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -30,2 %

Ankündigung der Auflösung: 25.10.11

Kanam Grundinvest

Status: in Auflösung

Volumen aktuell: 3924 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 4622 Mio. €

Anteilspreis: 54,85 €

Kurs Börse Hamburg: 34,70 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -36,7 %

Ankündigung der Auflösung: 29.02.12

SEB Immoinvest

Status: eingefroren

Volumen aktuell: 6336 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 6212 Mio. €

Anteilspreis: 54,46 €

Kurs Börse Hamburg: 36,75

Kursabschlag vom Anteilspreis: -32,5 %

CS Euroreal

Status: eingefroren

Volumen aktuell: 6000 Mio. €

Volumen 31.10.2008: 6537 Mio. €

Anteilspreis: 57,80 €

Kurs Börse Hamburg: 42,09 €

Kursabschlag vom Anteilspreis: -27,2 %

Quellen

BVI, Thomson Reuters, HB Research

Die IVG war Ende März mit 4,2 Milliarden Euro verschuldet, 3,8 Milliarden davon entfallen auf Bankverbindlichkeiten. Eine der beiden erstrangig besicherten Anleihen im Volumen von 1,33 Milliarden Euro ist von den ursprünglichen Bank-Gläubigern zum großen Teil mit Abschlägen von bis zu 20 Prozent an Hedgefonds verkauft worden, wie Insider sagten. Hedgefonds sind oft darauf erpicht, Schulden in Aktien zu tauschen und so zum Eigentümer einer Gesellschaft zu werden.

Die Verschuldungsquote (LTV) der IVG ist mit 72 Prozent nach eigener Einschätzung viel zu hoch. In diesem Jahr müssten nach Firmenangaben Bankschulden von 734 Millionen, 2014 weitere 1,87 Milliarden Euro refinanziert werden. Der Konzern hatte sich in der Finanzkrise mit teuren Projektentwicklungen verhoben – etwa dem Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen –, die mit Schulden finanziert wurden und die Erwartungen nie erfüllten. Als die Objekte drastisch an Wert verloren, wurde es eng.

Auch im ersten Quartal schrieb die IVG tiefrote Zahlen. Der Verlust von 45,1 (viertes Quartal: minus 75,7) Millionen Euro war vor allem auf Abschreibungen auf Immobilien zurückzuführen, weil sich diese als weniger werthaltig entpuppten als gedacht. So musste die IVG dem Versicherungskonzern Allianz massive Mietzugeständnisse für einen 51.000 Quadratmeter großen Bürokomplex am Frankfurter Mainufer machen. Die Allianz hatte mit Wegzug gedroht, verlängerte nach den Zugeständnissen aber um 16-1/2 Jahre. Allein das habe zu einer Wertberichtigung von 21,3 Millionen Euro geführt, erklärte die IVG. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel wegen der Wertverluste mit 20,2 (plus 16,2) Millionen Euro ebenfalls negativ aus. 12,8 Prozent der Flächen bei der IVG stehen leer. Auch „The Squaire“ ist zu schlecht vermietet, um weiterverkauft werden zu können.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Verunsicherung

10.05.2013, 13:36 Uhr

Noch ein Grund mehr die Allianz zu meiden!

Schlaubi

16.05.2013, 15:28 Uhr

Das war doch schon vor über nem Jahr abzusehen. Selbst schuld, wer da noch Aktien gekauft hat.

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