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18.12.2012

18:10 Uhr

IHK-Lehrgang

So werde ich Immobilien-Makler

VonInge Hufschlag

Die Immobilienbranche boomt und jeder will etwas vom Kuchen haben. Doch ein Makler hat es gar nicht so leicht. Wie man zwischen Zierfischen und Zwangsversteigerung überleben kann, zeigt ein IHK-Zertifizierungslehrgang.

Wie man ein guter Makler wird, kann man bei der IHK lernen. dapd

Wie man ein guter Makler wird, kann man bei der IHK lernen.

Ein grauer schneematschiger Winter-Samstagmorgen, an dem man am liebsten im Bett bleiben möchte. So sieht das gute Dutzend von Leuten zwischen Mitte 20 bis Ende 60 auch aus, das in der Düsseldorfer Bahnhofsgegend neuen Zielen zustrebt. Nahziel: das IHK-Bildungszentrum. Fernziel: Makler werden, mitkassieren im boomenden Immobiliengeschäft. Die entsprechenden Finessen und Formularvordrucke gibt’s im „Zertifikatslehrgang für Immobilienmakler“. Dauert ca. 10 Wochen, montags von 17.30 bis 20.45 Uhr, samstags von 9. bis 16.30 Uhr.

Wo ein Haus mit 140 qm am meisten kostet

Harlaching (München)

1.089.100 Euro

Tegernsee (Miesbach)

1.165.900 Euro

Frauenkopf (Stuttgart)

1.178.500 Euro

Schwabing (München)

1.381.600 Euro

Oberkassel (Düsseldorf)

1.396.600 Euro

Hoheluft-Ost (Hamburg)

1.435.400 Euro

Harvestehude (Hamburg)

1.459.700 Euro

Haidhausen (München)

1.469.300 Euro

Lehel (München)

1.509.400 Euro

Neuhausen (München)

1.520.500 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Früher hieß es mal: Wer nichts wird, wird Wirt. Die Erfahrung hat gezeigt: Wird meist doch nichts. Deshalb heißt’s heute: Das makeln wir schon. Die IHK, indem sie an Berechtigte, die zum Beispiel schon lange arbeitssuchend sind, Bildungs-Gutscheine verteilt. Dann kostet der rund 1000 Euro teure Kurs nur noch die Hälfte. Die Lehrgänge sind rasch ausgebucht.

Die meisten, die künftig mitmakeln wollen, kommen aus ganz anderen Berufen. Und kleineren Städten. In Metropolen wie Düsseldorf ist der Kuchen längst verteilt, die Rosinen rausgepickt. Aber auf dem Land, da läuft vielleicht noch was. Versprechen sich viele. Da ist der fesche junge Mann mit Migrationshintergrund, dessen Vater die Geduld mit dem ewig Studierenden verloren hat. Der soll jetzt lieber bei ihm einsteigen. Papa makelt nämlich schon. Mit Erfolg.

Deshalb macht sich Sohnemann erst mal keine Sorgen, sieht alles ganz locker und samstags manchmal so aus, als ob er gerade aus der Disco kommt. Anders die allein erziehende Mutter vom linken unteren Niederrhein mit der langen Anfahrt auf Winterreifen. Deren Sportgeschäft läuft nicht so richtig, deshalb will sie jetzt „was anderes“ machen. Möchte auch die penible Kultur-Schaffende, deren anspruchsvolle Ausbildung mit ihrer derzeitigen Assistententätigkeit nicht in Einklang zu bringen ist. Makeln statt Mobbing? Einer züchtet Zierfische. Will er auch weiter machen. Aber nicht nur. Zierfische vermehren sich ja praktisch von selbst und mit ihnen der Gewinn.

Wo ein Haus mit 140 qm am günstigsten ist

Pennewitz (Ilm-Kreis)

45.620 Euro

Burgwalde (Eichsfeld)

43.523 Euro

Bechstedt (Saalfeld-Rudolstadt)

51.859 Euro

Gerterode (Eichsfeld)

39.939 Euro

Schäplitz (Kreis Stendal)

38.018 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Schlieben (Elbe-Elster)

38.516 Euro

Wehnde (Eichsfeld)

55.695 Euro

Oberhain (Saalfeld-Rudolstadt)

50.511 Euro

Ringleben (Kyffhäuserkreis)

36.524 Euro

Schwobfeld (Eichsfeld)

47.336 Euro

So soll’s auch beim zweiten Bein sein, den Zwangsversteigerungen. Das Konzept: billige Butzen erstehen, mit den Kumpels schön herrichten, dann teuer vermieten oder verkaufen. Der Mann weiß eigentlich schon, wo der Hammer hängt, und wo man zuschlägt, ihm fehlt nur noch der seriöse professionelle Anstrich. Auf IHK-Papier. Wie dem ehrgeizigen mittelalten Pärchen, das auch schon „länger nebenbei in Immobilien macht“. Oder der junge Kerl, der schon „einiges ausprobiert“ hat und sich einen Job in dem Immobilienbüro versprochen hat, in dem er mal aushelfen durfte. Hat aber nicht geklappt. Aber mit so einem Schein von der IHK, da ist man doch automatisch wer. Oder?

Kommentare (7)

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Kowalski

18.12.2012, 18:55 Uhr

Zitat:"Früher hieß es mal: Wer nichts wird, wird Wirt." ja und wer gar nichts wird, wird Bahnhofs-Wirt. Und ist auch dieses nicht gelungen, macht man in Immobilien und Versicherungen...... Man sollte diese kleine Weisheit schon vollständig zitieren, denn besonders die Immobilienbranche ist von "Glücksrittern" durchsetzt, die alles andere als Seriös sind.

Sicher_Dicker

18.12.2012, 22:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Max-Otto

19.12.2012, 04:11 Uhr

Wer neuerdings solche Artikel kritzelt, wie das Handelsblatt nun verschiedentlich über Immobilienmakler, braucht sich nicht zu wundern, wenn er solche niveaulosen Kommentare wie Sicher_Dicker oder Kowalski erhält.

Wann begreift die Handelsblatt-Chefredaktion, daß guter Journalismus gute Fachkenntnis,tiefgreifendes Nachsinnen und ebenso tiefgründiges Rechercheren bedarfs?!!.

Inzwischen sind zu viele Polemikerartikel auf Bildzeitungsniveau hier mit an Bord gekommen. Raus mit diesen Redakteuren/innen-diesen endlich die rote Karte zeigen.

>>Zeit wieder gehobenen Journalismus zu betreiben!.<<

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