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29.12.2014

14:26 Uhr

Immobilien 2015

Wo der Kauf noch lohnt

VonJens Hagen

In vielen Metropolen brechen Kaufpreise und Mieten alle Rekorde – wenn überhaupt noch interessante Objekte inseriert werden. Banker, Bestandshalter und andere Immobilienprofis sagen, ob die Rally 2015 weitergeht.

Ausländische Käufer bevorzugen Quartiere in den Metropolen. Getty Images

Ausländische Käufer bevorzugen Quartiere in den Metropolen.

DüsseldorfGerade zu Weihnachten rücken die Krisen der Welt wieder ins Bewusstsein der Menschen. Die Unruhen und Spannungen in der Ukraine, im Irak und in Syrien. Der Konfrontationskurs Wladimir Putins mit dem Westen und die drohende Wirtschaftskrise in Russland. Die Deflation in Japan. Die bislang ungelöste Wachstumskrise in der Eurozone und die politische Unsicherheit in Griechenland.

Aus Sicht der deutschen Immobilienbranche sind diese Krisen gut fürs Geschäft. Nach einer Analyse des Instituts der deutsche Wirtschaft (IW) sollen „die weltweiten Unsicherheiten die Nachfrage nach deutschen Immobilien steigern“. Das gelte vor allem für Wohnimmobilien: 47 Prozent der von IW befragten Unternehmen rechnen mit einem krisenbedingt positiven Nachfrageeffekt. „Der deutsche Immobilienmarkt wird immer noch als sicherer Hafen eingestuft, in den die Investoren in unsicheren Zeiten flüchten“, erklären die Analysten des IW.

Der Ankerplatz auf dem deutschen Immobilienmarkt ist allerdings ziemlich teuer geworden. Laut IW sind die Kaufpreise für Bestandswohnungen deutschlandweit seit 2010 um 19 Prozent gestiegen. München (plus 44 Prozent), Berlin (plus 39 Prozent) und Hamburg (plus 37 Prozent) führen die Liste der Metropolen an.

Steigen angesichts solch kräftiger Zuwächse Preise und Mieten weiter an? Lohnt angesichts solcher Zuwächse der Kauf auch im nächsten Jahr oder droht eine Preisblase? Handelsblatt Online hat knapp ein Dutzend Banker, Bestandshalter und Marktbeobachter zu ihren Markterwartungen für Wohnimmobilien befragt. Die Antworten der Immobilienprofis zeigen, womit Käufer, Eigenheim-Besitzer und Mieter im nächsten Jahr rechnen müssen.

Immobilienrenditen privater Anleger

Negative Rendite

6,9 Prozent
Erklärung: 6,9 Prozent aller privaten Anleger haben im Jahr 2012 mit Immobilieninvestitionen eine negative Bruttorendite erzielt. Alle hierauf folgenden Werte beziehen sich auf das Jahr 2012. Quelle: DIW, SOEP-Panel.

Keine Rendite

35,8 Prozent

Bis 2,0 Prozent Rendite

14,7 Prozent

2,1 bis 4,0 Prozent Rendite

20 Prozent

4,1 bis 6,0 Prozent Rendite

10,7 Prozent

6,1 bis 8,0 Prozent Rendite

6,2 Prozent

Über 8,0 Prozent Rendite

5,5 Prozent

Wie wird sich der Markt entwickeln und welche Trends gibt es?

Die meisten Befragten gehen positiv ins neue Jahr, der Boom der vergangenen Jahre dürfte sich aber verlangsamen. „Wir rechnen weiterhin mit steigenden Mieten und vor allem steigenden Kaufpreisen“, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer des Marktforschers Empirica. „Allerdings werden die Zuwächse jetzt kleiner, mit Ausnahme von Berlin.“

Trotz der hohen Preissteigerungen der vergangenen fünf Jahre in den Metropolen ist die Deutsche Bank weiterhin optimistisch. Die höheren Preise ließen sich vor allem auf demografische Trends, die hohe Beschäftigung und ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage zurückführen.

Kommentare (5)

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29.12.2014, 16:19 Uhr

Kein Kauf lohnt, wenn sich - wie jetzt - ankündigt, daß die Zinsen (vorerst noch in USA, England, dann aber weltweit) steigen werden.

Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung, drücken den Ertrag der Bauherren und lassen sich nicht durch weiter ansteigende Marktpreise kompensieren.

Refinanzierungen brechen zusammen, Eigentümer müssen verkaufen.
Kein Markt für steigende Preise - ganz im Gegenteil.

Nur, wenn der Boden erreicht ist, weiß wieder mal niemand.

Herr Helmut Metz

29.12.2014, 20:17 Uhr

Die Zinsen dürfen NIE MEHR steigen - insbesondere dort nicht, wo NIEMALS getilgt wird, wie z.B. in den Niederlanden.
Die Immobilienmärkte reagieren auf Zinssteigerungen und / oder deflationäre Entwicklungen immer auch zeitverzögert (gegenüber anderen Assets wie Aktien), aber wegen der Schwere des Marktes (im doppelten Wortsinne) besonders nachhaltig!
Zudem können die Zentralbanken auf dem Immobilienmarkt nicht direkt "intervenieren" (als Befürworter eines freien Marktes bezeichne ich staatliche bzw. Zentralbank-Eingriffe sowieso auch lieber als Manipulation).
Staatsanleihen und Aktien können sie notfalls selber aufkaufen (und tun es auch) - bei Immobilien geht das nur umständlich beispielsweise über Aufkauf von MBS (bzw. ABS).
Deshalb war letztendlich ja auch das Platzen der Subprime-Bubble und der Lehman-Crash so gefährlich für das Finanzsystem.
Und wenn man sieht, welche Monster-Immobubbles (z.B. in China) weltweit noch als Zeitbombe ticken, können Sie sicher sein, dass die Zinsen nie mehr steigen dürfen - außer man will den Crash und damit die Bereinigung.

Herr Peter Klose

29.12.2014, 20:40 Uhr

Was die Renditehoffnungen der Einen ist die Verdrängung der Anderen aus ihrem Zuhause durch unbezahlbare Mietsteigerungen.
Insbesondere die Steigerungspotentiale in Berlin basieren in den Innenstadtvierteln in erheblichem Mass auf der Verdrängung der Bestandsmieter.
Die mögen das allerdings überhaupt nicht, weshalb u.a. der bisherige Bausenator Müller (SPD) schon letztes Jahr die Sperrfrist für die Eigenbedarfskündigung nach Privatisierung von drei auf zehn Jahren ausgedehnt hat.
Auch wenn das in der Praxis keine allzugrossen Auswirkungen haben dürfte, ist es doch ein erster sichtbarer Schritt der politischen Gegenwehr, insbesondere weil der damalige Bausenator mittlerweile zum regierenden Bürgermeister aufgestiegen ist und den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum zu seinem zentralen Anliegen erklärt hat.
Nicht wenige Vermieter, Makler etc. haben entsprechende Entmietungsstrategien entwickelt, nicht selten auch jenseits der juristischen Grauzone, also illegal, aber der Widerstand dagegen wächst. Nicht selten handelt es sich um Altbauten, die von den Hausbesetzern in den siebziger und achziger Jahren in harten Auseinandersetzungen mit den spekulativen Besitzern vor dem Abriss bewahrt wurden. Dieselben Leute sind jetzt die Mieter, die für die erhofften Renditen vertrieben werden müssten. Die haben entspechende Erfahrung in Widerstandsstrategien.
Also Vorsicht, wenn die Renditeträume allzu rosig ausfallen, da stehen erstmal Diejenigen dagegen, die sie aus ihrer Haushaltkasse berappen oder schlicht aus dem Weg geräumt werden sollen.

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