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26.08.2012

11:40 Uhr

Immobilien-Anlagen

Die Senioren-Rendite

VonChristian Hunziker

Die deutsche Bevölkerung altert im Eiltempo. Damit steigt auch die Nachfrage an Seniorenwohnungen. Fondsanbieter sehen hier ein enormes Investitionspotenzial. Und das können auch private Anleger für sich nutzen.

Senioren an der Ostsee. Die Deutschen werden immer älter. dpa

Senioren an der Ostsee. Die Deutschen werden immer älter.

BerlinDer demografische Wandel soll ein Problem sein? Das sehen immer mehr Immobilienentwickler und Investoren ganz anders: Die Alterung der Gesellschaft betrachten sie als Chance - denn erstens müssen die Wohnungen älterer Menschen an deren besondere Anforderungen angepasst werden, um möglichst lange ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Zweitens wird aber auch der Bedarf an zeitgemäßen Pflegeheimen steigen. Damit verbunden ist ein enormes Investitionspotenzial: Laut einer Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) ist lediglich gut ein Prozent aller Wohnungen in Deutschland barrierearm. Und die Beratungsunternehmen Ottenströer und W&P kommen in ihrem "Pflegeheim-Atlas Deutschland 2012" zu dem Schluss, dass bis 2030 nicht weniger als 320 000 neue Pflegeheimplätze benötigt werden.

Die damit verbundenen Investmentchancen können auch private Anleger nutzen. Der Fondsinitiator Hamburg Trust beispielsweise hat einen geschlossenen Fonds aufgelegt, der in die Seniorenresidenz Charlottenhof in Esslingen investiert. Diese Anlage des Betreuten Wohnens befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Pflegeheims. "Eine solche Kombination aus Wohnanlage und Pflegeheim halten wir konzeptionell für sehr sinnvoll", erläutert Lutz Wiemer, Geschäftsführer von Hamburg Trust. "Denn das Pflegeheim sichert eine Reihe von Dienstleistungen, die die Mieter der Wohnanlage modular abrufen können. Zudem müssen sie, wenn sie pflegebedürftig werden, nicht noch einmal umziehen."

Demografie

Seniorenanteil

Laut Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) steigt die Zahl der über 80-jährigen Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2030 von 4,1 auf 6,4 Millionen. 2050 werden es voraussichtlich 10 Millionen sein.

Wohnungen

Dem KDA zufolge leben 93 Prozent der Menschen im Alter von über 65 Jahren in einer ganz normalen Wohnung. Bei denjenigen, die den 90. Geburtstag bereits gefeiert haben, führen immer noch zwei Drittel ihren eigenen Haushalt. Allerdings gibt es in Deutschland nur etwa 500 000 weitgehend barrierefreie Wohnungen. Laut KDA sollte diese Zahl bis 2020 auf drei Millionen steigen.

Pflegeheime

Dem Pflegeheim-Atlas von Ottenströer und W&P Immobilienberatung zufolge benötigt Deutschland bis 2030 zusätzlich gut 320 000 stationäre Pflegeplätze. Besonders groß ist der Zusatzbedarf in Nordrhein-Westfalen (57 000 Plätze), Bayern (50 000 Plätze) und Berlin (16 000 Plätze).

Hinzu kommt ein weiterer aus Anlegersicht nicht unwesentlicher Vorteil, wie Wiemer ausführt: Pflegeheime haben eine höhere Rendite als normale Wohnimmobilien - entsprechend steigt die Verzinsung des Gesamtinvestments. Andere Investoren konzentrieren sich deshalb gleich ganz auf stationäre Pflegeeinrichtungen. "Durch den demografischen Wandel wächst das Kundenpotenzial für Pflegeheime rasant", begründet dies Felix von Braun, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Pflegeheim Fonds (DPF) AG, die einen geschlossenen Fonds mit einem Pflegeheim in Herkenrath, einem Ortsteil von Bergisch Gladbach bei Köln, im Vertrieb hat. Außerdem, so von Braun, sei die häusliche Pflege durch Angehörige stark rückläufig. Und da viele Pflegeeinrichtungen nicht mehr zeitgemäßen Standards entsprächen, ergebe sich ein erheblicher Ersatzbedarf.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Dennoch bieten Pflegeheime Anlegern keine absolute Sicherheit. In den Jahren 2009 und 2010 waren die bestehenden Einrichtungen im Durchschnitt lediglich zu 86,6 Prozent ausgelastet. Hinzu kommt: Der Erfolg eines Heims steht und fällt mit der Qualität des Betreibers. "Es ist wie beim Hotel", beschreibt Christoph Zaborowski, Geschäftsführer der W&P Immobilienberatung, die Analogie zwischen den beiden Nutzungskonzepten. "Ich habe zwar schnell einen langfristigen Mietvertrag, bin aber hundertprozentig abhängig vom Betreiber."

Erfahrene Investoren prüfen deshalb die Wettbewerbssituation am jeweiligen Standort und die Erfahrung des Betreibers sehr genau, bevor sie sich engagieren. Der Berliner Initiator DPF hält für den Fall, dass der Betreiber ausfallen sollte, sogar ein Interimsmanagement vor.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.08.2012, 12:46 Uhr

Auf auf ihr dummen Schafe.... kauft mehr Fonds und Aktien.....
Der Verlust eures Geldes ist euch gewiss....

Smitheros

26.08.2012, 13:23 Uhr

Ah ja .. Senioren Heime, nette Idee war schon vor 15 Jahren im Gespräch, nur gibts da ein Problem wer soll die Alten versorgen ? Hier in Oberbayern sind Pflegekräfte derart Mangelware, das hier nicht mal mehr die Krankenhaus Versorgung gewährleistet ist. Abgesehen davon explodieren hier gerade die Gehälter. Seniorenparks sind bereits überholt, nach meiner Einschätzung (haben Pflegedienst) wird alles wieder auf Mehrgenerationen Häuser hinauslaufen. Die Jungen können sich die Häuser nicht mehr leisten (wir wohnen ca. 5 km von Icking entfernt s.o.) und die Pflegeheime sind zu teuer. Also werden Jung und Alt wahrscheinlich zusammenziehen. Diese Entwicklung beobachte ich bereits seit mehreren Jahren in unserem Patienten Bestand.

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