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Immobilien

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Auch Wohnungseigentum wird immer unerschwinglicher

Jacopo Mingazzini, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro, ist einer jener, die überzeugt sind: Bleiben die Zinsen niedrig und der Zuzug in die Großstädte erhalten, steigen auch die Preise. „Natürlich gefallen die Preisanstiege nicht jedem“, sagt Mingazzini. Doch Fakt sei nun einmal: „Es passiert deutlich zu wenig, um allein den zusätzlichen Wohnungsbedarf durch den Zuzug in die Städte abzufedern.“

Statt allzu vieler Worte will er lieber Zahlen sprechen lassen, die er aus seinem jüngsten Wohneigentumsreport referiert: Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr 2017 um sieben Prozent gesunken, die Genehmigungen für Nachverdichtungen sei um ein Viertel gefallen. Die Folge: „Wir sind weit davon entfernt, die Wohnungsnot zu lindern. Die Enge nimmt zu.“ Ausdruck findet dies in zwei Zahlen: Die Umsätze auf dem Eigentumsmarkt schossen im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf den Rekordwert von rund 31 Milliarden Euro, während die Anzahl der Käufe in den 82 untersuchten Großstädten seit 2012 bei etwa 135.000 veräußerten Wohnimmobilien stagnieren.

Was Mingazzini nicht sagt, andere aber seit Monaten kritisieren: Mit den steigenden Preisen sinkt die Erschwinglichkeit von Wohnraum in den Städten. Obwohl die Niedrigzinsen auch private Käufer in Scharen in den Immobilienmarkt treiben, stagniert die Quote für selbstgenutztes Wohneigentum in Deutschland nach wie vor bei 45 Prozent. In Europa schneiden nur die Schweizer schlechter ab.

Die höchsten Preise für Immobilien

Platz 15 Potsdam

238.333 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Quelle: Accentro für das Jahr 2016, basierend auf Gutachterausschüssen

Platz 14 Ingolstadt

246.266 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 13 Wiesbaden

249.531 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 12 Berlin

250.215 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 11 Freiburg

250.624 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 10 Regensburg

252.993 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 9 Mainz

254.251 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 8 Heidelberg

258.817 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 7 Köln

260.034 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 6 Ulm

291.519 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 5 Düsseldorf

294.774 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 4 Stuttgart

295.505 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 3 Hamburg

354.667 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 2 Frankfurt a. M.

370.446 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Platz 1 München

422.176 Euro Umsatz je Verkauf einer Immobilie im Schnitt.

Eine Ursache dafür dürfte auch in den hohen Preisen liegen. Im Durchschnitt zahlten Käufer in Berlin oder Köln 2016 rund ein Fünftel mehr für eine Eigentumswohnung als im Jahr zuvor. In Berlin berappten Käufer im Durchschnitt 266.712 Euro, in Köln 259.571 Euro, wie eine Auswertung der Gutachterausschüsse zeigt, die das Maklerhaus von Poll jüngst aufgearbeitet hat.

Tatsächlich gibt es vorsichtige Anzeichen einer Nachfragesättigung in den Großstädten – nicht, dass die Nachfrage fällt, sondern vielmehr, dass nicht mehr jeder Preis bezahlt wird. In Hamburg stiegen die Preise nur noch leicht. Beim Spitzenreiter München ist der durchschnittliche Verkaufspreis im vergangenen Jahr sogar gesunken, und zwar um ein Prozent auf 422.176 Euro.

Ein Zeichen, dass die Obergrenze nun erreicht ist oder gar eine Trendwende bevorsteht? Mitnichten, meint Mingazzini. „Die dynamischen Preissteigerungen der vergangen Jahre werden in den Top-Sieben-Städten sicher zurückgehen. Ich glaube aber nicht, dass wir an Obergrenzen stoßen.“

Ohnehin lässt sich beim Immobilienmarkt nur schwer über Durchschnitte sprechen, zu verschieden sind die einzelnen Standorte. Gerade die Städte im Osten Deutschlands holen rasant auf. Mit Erfurt, Leipzig und Rostock dominierten drei ostdeutsche Städte die Verkaufsentwicklungen im Zehn-Jahres-Rückblick, heißt es im Report. Seit 2006 hat sich die Zahl der jährlich verkauften Wohnungen in Leipzig auf zuletzt 4.900 nahezu verdoppelt.

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Während die Politik noch nach Lösungen für die zunehmende Anspannung auf den Wohnimmobilienmärkten in den Großstädten sucht, schimpft Mingazzini über eine zu niedrige Zahl von Baugenehmigungen. In Berlin wiederum, dem wichtigsten Markt für Neubauwohnungen, speziell aber in Friedrichshain-Kreuzberg, herrsche ein regelrecht „investorenfeindliches“ Klima, wo sich Bauträger durch immer neue Milieuschutzmaßnahmen „gegängelt“ fühlen. Die Folge: Der Wohnungsmangel könne nicht gelindert werden. Immer mehr Bauträger wandern ins Umland ab.

Dort finden auch Wohnungssuchende noch bezahlbareren Wohnraum. Das jedoch ist nur eine bedingte Entschärfung des Problems. Wer weiter in der Großstadt arbeitet, muss eben länger pendeln. Schließlich werden sich auch die Märkte im Umfeld anpassen. Die mögliche Folge beschreibt Tobias Just, Immobilienökonom der Universität Regensburg im Handelsblatt-Interview: „In vielen Umlandgemeinden dürften die Preise stärker steigen als in den Großstädten selbst. Schon heute sehen wir, dass wieder mehr Menschen in den Speckgürtel abwandern, weil die Kernstädte zu teuer wurden.“

Kommentare (6)

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Anno Nymicus

13.09.2017, 16:25 Uhr

Und was sagt wohl Mutti dazu?

Richtig: Nix.

... und dann wird wieder gejammert "alles wird immer brutaler, fieser, rücksichtsloser und unmenschlicher".
Falsch!
Das ist genau das Gegenteil von unmenschlich - radikales, brutales Verhalten ist das natürlichste Verhalten überhaupt, wenn man merkt dass man gerade mit Kind und Kegel absäuft.

Und Mutti?
Sagt weiterhin nix.

Herr Chris Koeh

13.09.2017, 16:47 Uhr

DIE IMMOBILIE IST ZUM SPEKULATIONSOBJEKT VERKOMMEN!!!
Wer eine Immobilie länger als 10 Jahre hält und dann verkauft, darf den Gewinn STEUERFREI behalten.
Wer sich an einem Unternehmen beteiligt, zum Beispiel Aktien kauft, muss die Kursgewinne versteuern. Obwohl man mit so einer Beteiligung dazu beiträgt, dass Arbeitsplätze, Patente und Technologien in Deutschland bleiben.
WIE SOLLEN DIE MIETEN BEZAHLT WERDEN, WENN IN DEN NÄCHSTEN JAHREN EINE GROSSE ANZAHL VON ARBEITSPLÄTZEN ABWANDERT?

Frau Edelgard Kah

13.09.2017, 17:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Streit,

kennen Sie Google? Dann geben Sie dort einmal die Stichworte "Wohngeld" oder "Wohngeldrechner" ein.

Ich verstehe das ganze Gejammere über unbezahlbare Mieten nicht. Wir haben seit Jahrzehnten ein sozialpolitisches Gesetz, das bei sozial Schwachen einen Teil der Miete übernimmt. Mag sein, dass es den jüngsten rasanten Anstieg der Mieten zu wenig berücksichtigt. Aber einen solchen Mangel zu beseitigen, dürfte kein gesetzgeberisches Kunststück sein.

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