Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2015

17:08 Uhr

Immobilien-Auktion

Für 9500 Euro geht die Wohnung weg

VonJens Hagen

Von wegen Immobilienboom und unbezahlbare Kaufpreise: Auf Immobilien-Auktionen werden Ramsch und Sanierungsfälle vom Kiosk bis zum Kloster zu Spottpreisen an den Mann gebracht. Schnäppchen sind möglich, aber: Achtung!

Gelegenheit für Schnäppchenjäger: Regelmäßig werden sanierungsbedürftige Immobilien und Grundstücke zwangsversteigert. Imago

Haus unterm Hammer

Gelegenheit für Schnäppchenjäger: Regelmäßig werden sanierungsbedürftige Immobilien und Grundstücke zwangsversteigert.

KölnEin Samstag in Köln. Die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG hat zur großen Versteigerung geladen. In der Nähe der Altstadt, wo das Kölsch schon am Vormittag fließt, und gegenüber vom Sitz des Kölner Erzbischofs, der gerade eine Lieferung frisches Obst und Gemüse erhält, kommen 62 Immobilien unter den Hammer. Verkäufer sind Privatleute, Unternehmen, Profi-Investoren, Behörden. Die meisten Käufer sind Privatleute, aber auch ein Geschäftsmann aus dem Libanon.

Im Saal des Kölner Hilton Hotels ist vom deutschen Immobilienboom zunächst nur wenig zu spüren. Angeboten werden Restposten aus Aufteilungen oder schwer Verkäufliches: B-Ware in den B-Lagen von B-Städten. Auch an C-Objekten herrscht kein Mangel, selbst ein kleines Wäldchen und ein Schrebergarten kommen unter den Hammer. Zwei bis zweieinhalb Millionen Umsatz erwartet der Auktionator an diesem regnerischen Tag.

Ein Bieter prüft die Angebote, während die Angestellte des Auktionshaus Details zu den Objekten verliest.

Blick in den Katalog

Ein Bieter prüft die Angebote, während die Angestellte des Auktionshaus Details zu den Objekten verliest.

Auf geblümten Teppich und unter Neonlicht warten die Auktionäre, honorige Herrschaften in dunklen Anzügen. Ihre Courtage liegt zwischen 7,14 Prozent und 17,85 Prozent, je nachdem wie hoch der Kaufpreis ist. Nach und nach kommen die Bieter. Darunter die Anfänger, die nur mal gucken möchten und auf ein Schnäppchen aus sind.

Aber auch die Profis, meist kleine Geschäftsmänner mit Auktionserfahrung, die schon mal mit dem einen oder anderen Deal einen guten Schnitt gemacht haben. Wofür sie bieten möchten, verraten sie niemanden, bis sie zum ersten Mal die Hand heben. Der Kleidungsstil ist lässig, Sporthemden, Jeans, ein abgewetzter Anzug. Knapp 50 Menschen sind im Raum. Die Männer einer Großfamilie begrüßen sich mit Wangenküsschen.

Immobilienrenditen privater Anleger

Negative Rendite

6,9 Prozent
Erklärung: 6,9 Prozent aller privaten Anleger haben im Jahr 2012 mit Immobilieninvestitionen eine negative Bruttorendite erzielt. Alle hierauf folgenden Werte beziehen sich auf das Jahr 2012. Quelle: DIW, SOEP-Panel.

Keine Rendite

35,8 Prozent

Bis 2,0 Prozent Rendite

14,7 Prozent

2,1 bis 4,0 Prozent Rendite

20 Prozent

4,1 bis 6,0 Prozent Rendite

10,7 Prozent

6,1 bis 8,0 Prozent Rendite

6,2 Prozent

Über 8,0 Prozent Rendite

5,5 Prozent

Zuerst kommt der Ramsch unter den Hammer. Eine junge Dame verliest die Objektbeschreibung. So schnell, das kaum einer im Saal den Inhalt verstehen dürfte. 56 Quadratmeter in Gelsenkirchen Ückendorf. Der Mieter zahlt 290 Euro Miete. Die Wohnung muss renoviert werden. Obwohl der Kaufpreis mit 8.000 Euro angesetzt ist, findet sich kein Bieter.

Warum möchte niemand eine Wohnung mit zwei Zimmern, Küche, Diele, Bad für 8.000 Euro kaufen? In den Hamburg oder München wäre so ein Preis undenkbar. Gelsenkirchen hat aber den Niedergang der Montanindustrie nie verwunden. Eine hohe Arbeitslosigkeit und Leerstände schrecken Investoren ab. Außerdem müsste der Käufer ein hübsches Sümmchen in den Gründerzeitbau investieren. „Ein Fass ohne Boden“, raunt ein Besucher. Es besteht eine Schieflage des Objekts, sagt der Auktionator.

Und weiter geht es auf der Resterampe. Wieder Gelsenkirchen, eine andere Wohnung im gleichen Haus, diesmal 9000 Euro. Der Auktionator setzt den Abstand für die Gebote runter. Der erste, der die Hand hebt, erhält für 9.500 Euro den Zuschlag. „Herzlichen Glückwunsch“, sagt der Auktionator. Beim dritten Objekt gibt es wieder keine Bieter. Es könnte ein langweiliger Tag werden. Eine Wohnung ohne Versicherungsschutz geht für 11.000 Euro weg. Ein baufälliges Kiosk ergattert der erste Mieter für 15.000 Euro. Die Mienen der Auktionatoren verfinstern sich.

Lohnt sich das Eigenheim?

Lieber mieten oder kaufen?

Lohnt sich das Eigenheim?: Lieber mieten oder kaufen?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×