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17.01.2014

06:29 Uhr

Immobilien

„Beim Bau treffen Profis auf Amateure“

VonJens Hagen

Auf zahlreichen Großbaustellen wie dem Berliner Flughafen regiert das Chaos. Im Interview verrät der Immobilienprofi Mario Bacher, warum so viel schiefgeht und was private Bauherren von den Megapannen lernen können.

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf. Getty Images

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf.

Herr Bacher, früher galt Deutschland als führend bei der Abwicklung von Großbaustellen. Heute versinken Projekte wie der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie im Chaos. Geht beim Bau heute mehr schief als früher?
Ja, das ist eindeutig so. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Bauen viel komplexer geworden ist. Nehmen wir nur mal ein Büro als Beispiel. Früher reichten eine Heizung, ein Lichtschalter und eine Steckdose. Heute müssen es Klimaanlagen, Brandmeldeanlagen, Bewegungsmelder, flexible Wandsysteme, eine anspruchsvolle IT-Technik und vieles mehr sein.

Ist die Aufgabe ein großes Gebäude zu bauen nicht mehr zu bewältigen?
Das würde ich nicht sagen. Aber die Organisation ist wesentlich anspruchsvoller. Sie dürfen nicht vergessen: Sie bauen jedes Mal einen Prototyp. Eine Serienproduktion etwa wie in der Autoindustrie ist nicht Standard.

Mario Bacher ist Partner bei Ernst&Young. Der Bauingenieur betreute unter anderen den Bau von Flughäfen, Kraftwerken oder Industriehallen. PR

Mario Bacher ist Partner bei Ernst&Young. Der Bauingenieur betreute unter anderen den Bau von Flughäfen, Kraftwerken oder Industriehallen.

Sind die Planer damit überfordert?
Manchmal schon. Ein Hauptfehler bei Großbaustellen von Unternehmen ist etwa eine schlechte Zusammenstellung der Projektteams. Es werden oft nicht die Besten genommen, sondern die, die gerade verfügbar sind. Außerdem haben nicht alle Fachleute die notwenigen „Macher-Qualitäten“. Ein funktionierendes Team ist aber absolut entscheidend für den Erfolg.

Muss letztlich nicht immer einer die Verantwortung übernehmen?
Moderne Bauten entstehen nur, wenn verschiedenste Fachleute zusammenarbeiten. Ich betreute mal ein Projekt, das ein einzelner „Sonnenkönig“ leitete. Alles musste über seinen Schreibtisch. Die Fülle an Informationen überforderte den Mann völlig, obwohl er rund um die Uhr arbeitete. Das Projekt geriet in eine absolute Schieflage, nach einem dreiviertel Jahr musste es neu gestartet werden. Die Zeit der Helden im Bau ist vorbei.

Diese Städte bieten die höchsten Renditen

Lukrative Geldanlage

Nach einer Analyse der Immobilienberatung Wüest & Partner unter 81 Standorten bieten vor allem kleiner, so genannte B-Städte die höchsten Anfangsrenditen, die das Verhältnis von anfänglichen Mieteinahmen zum investierten Kapital abbilden.

1. Halle an der Saale

Der Vergleich startet mit den renditeträchtigsten Standorten. Es folgen die Daten zu Halle an der Saale.

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,9 % (10,0 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 4,6 (4,5)

Einwohner: 233.705

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 5,33 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 12,8 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -0,9 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -3,0 %

Haushaltsprognose (2013-2028): -7,6 %

2. Hagen

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,9 % (9,9 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 4,3 (3,7)

Einwohner: 187.447

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 4,89 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 10,8 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -4,2 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -2,2 %

Haushaltsprognose (2013-2028): -3,6 %

3. Chemnitz

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,9 % (9,9 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 4,5 (4,3)

Einwohner: 243.173

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 4,88 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 10,9 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -1,0 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -2,8 %

Haushaltsprognose (2013-2028): -9,6 %

4. Recklinghausen

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,8 % (9,5 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 2,9 (3,0)

Einwohner: 117.672

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 5,07 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 11,1 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -3,2 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -0,9 %

Haushaltsprognose (2013-2028): 3,9 %

5. Hildesheim

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,7 % (10,0 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 3,2 (2,9)

Einwohner: 102.584

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 5,28 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 8,2 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -0,6 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -2,5 %

Haushaltsprognose (2013-2028): 1,5 %

6. Remscheid

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,1 % (9,5 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 4,0 (3,7)

Einwohner: 109.596

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 5,37 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 9,6 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -4,6 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -3,1 %

Haushaltsprognose (2013-2028): -2,5 %

7. Mönchengladbach

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 9,6 % (9,5 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 3,7 (3,4)

Einwohner: 164.244

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 5,06 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 13,9 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -3,4 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): -1,1 %

Haushaltsprognose (2013-2028): -0,3 %

8. Kiel

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 8,1 % (9,5 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 2,9 (2,8)

Einwohner: 242.041

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 6,73 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 10,3 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): 2,8 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): 1,9 %

Haushaltsprognose (2013-2028): 3,7 %

9. Würzburg

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 8,0 % (8,2 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 3,3 (2,0)

Einwohner: 133.808

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 8,18 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 5,0 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): -0,8 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): 3,4 %

Haushaltsprognose (2013-2028): 4,3 %

10. Oldenburg

Anfangsrendite beim Immobilienkauf 2013 (2006): 7,5 % (7,5 %)

Weitere Kennzahlen:

Risiko-Index 2013 (2006): 2,2 (1,9)

Einwohner: 162.481

Medianmieten (Euro/qm/Monat): 7,26 Euro

Arbeitslosenquote (Januar 2013): 8,5 %

Bevölkerungsentwicklung (2006-2011): 2,2 %

Entwicklung der Haushalte (2008-2013): 3,1 %

Haushaltsprognose (2013-2028): 14,3 %

Ist die öffentliche Hand ein schlechterer Bauherr als ein Unternehmen?
Das ist sicherlich sehr oft so. Ein Hauptgrund sind die strikten Vorgaben. Großprojekte müssen beispielsweise europaweit ausgeschrieben werden. Dann ist es für die Verantwortlichen sehr schwer, nicht das billigste sondern das beste Angebot zu nehmen.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

17.01.2014, 08:27 Uhr

Viele, viele, viele Worte ....Substanz? ....Fehlanzeige, Herr Bacher!

Kardinaler Missstand: Persönliche und unmittelbare Haftung existiert weder in der öffentlichen Hand noch bei den politisch Verantwortlichen. Den Tatbestand der Steuerverschwendung einführen, gekoppelt mit der Suspendierung von Dienststellung und/oder Mandat bereits während gerichtlicher Untersuchungen.

Dabei ist die Sache ganz einfach:
1. präzises Pflichtenheft mit Haftungs(Bank)bürgschaft (doppeltes Projekt Volumen) seitens des Verfassers für die Vollständigkeit des Pflichtenhefts; Abschließend deadline für Einflussmöglichkeiten von Verwaltung und Politik!
2. Generalunternehmer mit Vertragserfüllungsbürgschaft (doppeltes Projekt Volumen)

Ihre Argumente sind "typisch deutsch"!
Denken Sie immer daran, das Empire State Building wurde schon 1930-1931 innerhalb 18 Monaten errichtet!

Ingo

17.01.2014, 09:41 Uhr

Interessantes Gespräch, vor allem die Aussage, dass Projektteams häufig nicht nach Kompetenzmerkmalen zusammengestellt werden. Wenn ich mir die Schlamperei und die Pannen auf dem BBI vor Augen halte frage ich mich wieviel Frechheit ein Herr Schwarz besitzen muss, nachdem das Projekt unter seiner Leitung komplett aus dem Ruder gelaufen ist auch noch auf eine Abfindung in Millionenhöhe zu klagen. Diese Mentalität macht mich fassungslos!

Architekt

17.01.2014, 10:04 Uhr

Zitat: Herr Bacher, früher galt Deutschland als führend bei der Abwicklung von Großbaustellen. Heute versinken Projekte wie der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie im Chaos. Geht beim Bau heute mehr schief als früher?
Ja, das ist eindeutig so. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Bauen viel komplexer geworden ist. .........

Zwei Zeilen von Herrn Bacher gelesen und schon kann man sich vor die Stirn schlagen.
Zum Glück ist das nicht so, denn dann wäre man nicht in der Lage, Großbaustellen überhaupt durchzuziehen. Nicht in Deutschland und nicht weltweit.

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