Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2010

10:00 Uhr

Immobilien

Besser auf Freiflächen in der Stadt als auf grünen Wiesen davor bauen

VonSusanne Bergius

Die Bundesregierung will den Flächenverbrauch eindämmen. Dock Kommunen, Projektentwickler und Investoren zieren sich noch.

BerlinIn Deutschland verschwinden täglich 110 bis 125 Hektar landwirtschaftliche oder artenreiche Flächen. Auf umgerechnet etwa 130 Fußballfeldern entstehen Siedlungen und Verkehrsbereiche. Dieser hohe Flächenverbrauch soll bis 2020 auf 30 ha sinken, beschloss die Bundesregierung. Weil sie über die Praxis aber nicht selbst entscheiden kann - die Planungshoheit haben die Kommunen - drängt sie diese per Gesetz zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Diese wird dadurch auch für Investoren, Projektentwickler und Grundstückseigentümer relevant.

"Man braucht einen langen Atem und muss manche Hürde überwinden, aber wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, liegen darin oft hochinteressante Geschäftschancen mit finanziellem Mehrwert für alle", berichtet Sabine Lennarz, die als Director Area Development bei der ING Real Estate Germany Eigentümer und Investoren betreut. Für Spekulanten sei das nichts.

Kommunen sind nicht gezwungen, aber sollen die zunehmenden brach liegenden Flächen wieder nutzbar machen und sich "nachverdichten" statt weiter ungehemmt nach außen zu wachsen. Laut des zum 1.1.2007 novellierten Bundesbaugesetzbuchs sollen sie sparsam und schonend mit Grund und Boden umgehen. Das ist in ihrem Eigeninteresse, sagt Paul Eldag, Prokurist der Immobilienberatungsgesellschaft Arcadis: "Sie können beträchtliche Kosten vermeiden, wenn sie keine neuen Straßen, Kanalisation, Leitungen und Schulen bauen müssen." Noch sehen sie oft nicht, welche erheblichen negativen Umweltwirkungen und enormen Folgekosten für technische und soziale Infrastrukturen sie vermeiden können, so das Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie 2009.

Auch für Investoren sind Brachflächen im Vergleich zur "Grünen Wiese" wirtschaftlicher, ergibt eine vor der Veröffentlichung stehende UBA-Studie zu Revitalisierungen von Brachen der Deutschen Bahn. "Alle untersuchten innenstadtnahen Modellflächen erzielen eine höhere Rendite", resümiert Detlef Grimski vom UBA. Vielfach sei es sowohl für Kommunen wie für Eigentümer und Investoren rentabler, Brachflächen zu beleben. "Wo der gesamtwirtschaftliche Nutzen überwiegt, haben die Gemeinden eine strategische Rolle, die Verhandlungen so führen, dass auch Investoren und Verkäufer profitieren", sagt Grimski.

Zwei Kernprobleme sind zu überwinden, denn wie sich Menschen entscheiden wird nicht allein von Fakten, sondern auch von Emotionen bestimmt. Es falle Menschen schwer, sich auf Brachflächen attraktive neue Nutzungen vorstellen zu können, sagt Prof. Herbert Klapperich, Vorstandssprecher des Kompetenzzentrums für Interdisziplinäres Flächenrecycling in Freiberg. "Mentale Altlasten müssen überwunden werden." Sie seien besonders in Ostdeutschland hoch, wo viel mehr Flächen vorhanden seien als nachgefragt würden. Im Ruhrgebiet seien die Menschen mit der weit gediehenen Beherrschbarkeit technischer Altlasten und eventuellen Nutzungseinschränkungen vertrauter. Die Zeiten sind vorbei als dort Aengevelt Immobilien in den 70ern auf Unverständnis stieß, als sie das US-Modell der "Office Parks" auf großen industriellen Konversionsflächen realisierte, bei denen für möglichst viel parkähnliche Grünflächen zwischen den Bürogebäuden gesorgt wird, was sie zu attraktiven Arbeitsorten macht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×