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10.12.2011

17:46 Uhr

Immobilien

Chinas Häusermarkt bricht ein

VonFinn Mayer-Kuckuk

Lange kannten sie nur den Trend nach oben, doch jetzt sinken erstmal die Preise für städtische Immobilien in China. Hoffnungsvolle Privatanleger wurden kalt erwischt. Auch die Konjunktur dürfte leiden.

Die Blase ist geplatzt: Renditen im chinesischen Immobiliensektor sind bereits deutlich gesunken. dpa

Die Blase ist geplatzt: Renditen im chinesischen Immobiliensektor sind bereits deutlich gesunken.

PekingDemonstrationen sind in China nicht erlaubt. Doch diese wütenden Bürger konnten sich nicht zurückhalten. „Gebt uns unser Schweiß- und Blutgeld zurück!“, skandierten die Chinesen in der Stadt Shenzhen vor einem Büro der Immobilienfirma China Vanke. Für den Erwerb einer Wohnung hatten die Menschen sehr hart gearbeitet. Und weil der Kaufpreis bei den meisten weit über ihren Verhältnissen lag, hatten sie auch noch das Ersparte von Tanten und Omas zusammengekratzt, um genug Geld zusammenzubekommen. Nun drohen ihre Träume zu zerplatzen, denn die Immobilienpreise in Shenzen sind erstmals seit Jahren rückläufig.

Im Sommer hatten die Bürger auf dem Höhepunkt der Immobilienpreisblase zugegriffen und für Wohnungen mit rund 100 Quadratmeter in mittleren Lagen Preise bezahlt, die beim 45-fachen Jahreseinkommen eines Durchschnittsverdieners lagen. Sie können nicht verstehen, dass Neukäufer in Shenzhen identische Wohnungen mittlerweile zehn Prozent billiger bekommen.

Das Beispiel zeigt: An Chinas Immobilienmarkt steigt die Unruhe. Nachdem die offizielle Statistik für wichtige Lagen bereits einen Preisrückgang anzeigt, stoßen die Anleger verstärkt Aktien von Immobilienentwicklern ab.

Chinas Immobilienmarkt

Blase

Die Preise am chinesischen Wohnungsmarkt sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Von 2005 bis 2009 haben sie sich verdreifacht. Und auch danach ging es schnell weiter aufwärts. Seitdem sind sie bislang jährlich um rund 40 Prozent gestiegen.

Gegenmittel

Aus Sorge um die Folgen der starken Preiserhöhungen am Immobilienmarkt stellte Premier Wen Jiabao kürzlich nochmal öffentlich klar: Der Markt bleibt stark reguliert.

Reaktion

In 54 Städten sind die Preise im Oktober bereits gesunken oder gleich geblieben. Seit Jahresbeginn sind die Quadratmeterpreise in Peking um 5,1 Prozent gefallen.

„Der Markt hat ganz offenbar eine Trendwende vollzogen“, sagt Fang Mian, Immobilienexperte beim Wertpapierhaus Guoxin Securities. Nach der Blase komme jetzt die Korrektur mit sinkenden Preisen in den nächsten Quartalen. Die Bank BNP Paribas rechnet im kommenden Jahr mit einem Rückgang in Höhe von zehn Prozent für Gesamtchina - eine Situation, mit der die Bürger in Shenzhen bereits heute zurechtkommen müssen.

Investoren weltweit beobachten das Geschehen an Chinas Immobilienmarkt sehr genau. Denn ein Preisrückgang würde sich stark auf die Konjunktur auswirken. Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Wachstumsträger. Endet der Boom, steigt die Arbeitslosigkeit. Dazu kommt, dass viele Unternehmen wertvolle Immobilien in ihrer Bilanz als Aktivposten verbucht haben. Wenn deren Wert schrumpft, bleibt weniger Geld für Investitionen. Nicht zuletzt fühlen sich auch die einfachen Bürger ärmer, wenn der Wert ihres Heims sinkt - das schadet dem ohnehin schwachen Konsum.

Doch es kann nicht weitergehen wie bisher. Die Immobilieninvestitionen in China sind in den vergangenen sieben Jahren jeweils um mehr als ein Drittel gestiegen. Allein in den ersten neun Monaten 2011 erreichten die neuen Anlegergelder 4400 Billionen Yuan (515 Milliarden Euro), wie aus Daten des National Bureau of Statistics hervorgeht. Nachdem im Oktober des Boomjahres 2009 die projektierte Neubaufläche im Jahresvergleich noch um 200 Prozent gewachsen ist, lag der Anstieg in diesem Oktober nur bei 2,2 Prozent.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

01.12.2011, 21:45 Uhr

Wenn die Preise bis zu 50% und mehr einbrechen wird das Ausmaß der Katastrophe auch dem letzten Chinesen klar. Dann können wir auch hier in Europa die Lichter ausmachen. Die chinesische Regierung kann ja auch nicht über Wasser gehen und wird das Disaster nicht aufhalten können. Es bleibt spannend.

AnglerU

01.12.2011, 22:31 Uhr

Liebe Redaktion,
schon in der Vergangenheit sind mir "reißerische" Überschriften über seriösen Artikeln aufgefallen. "Chinas Häusermarkt bricht ein" ist eine Überschrift, die zum einen sehr übertreibt und damit den ohnehin verschreckten Investor weiter verunsichert und zum anderen im Artikel relativiert wird. Also ,liebe Redaktion: das Handelsblatt wird von vielen Anlegern gelesen, die keine Überschriften mit starken Übertreibungen lesen wollen, hier wird zusätzlich Öl in ein bereits loderndes Feuer der Verunsicherung gegossen. Bitte näher an der Realität und ohne "Bildzeitungsstil". Das hat das Handelsblatt nicht nötig.
AnglerU

CrisisMaven

01.12.2011, 22:59 Uhr

Ist es nicht erstaunlich - dieselben "Wert"steigerungen wie in den USA und Spanien bis 2007 ... und trotzdem faselten die meisten bis vor kurzem vom chinesischen "Boom." "Boom" ist auch das lautmalerische englische Wort fuer "Knall".

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