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23.01.2010

09:00 Uhr

Immobilien

Der alte Stromzähler kommt bald auf den Schrott

VonAnja Steinbuch

Mit neuer digitaler Technik soll der Energieverbrauch im Haushalt künftig nicht nur gemessen, sondern gesteuert werden. Bisher ist die Wohnungswirtschaft noch skeptisch und rechner mit hohen Umbaukosten. Nun wagt ein Gerätehersteller einen Pilotversuch.

Intelligente Stromzähler sollen den Energieverbrauch senken. Pressebild

Intelligente Stromzähler sollen den Energieverbrauch senken.

HAMBURG. Im neuen Jahr werden die ersten intelligenten Stromzähler ans Netz gehen. Diese digitalen sogenannten "Smart Meter" sollen künftig den Energieverbrauch steuern und die Kommunikation zwischen Stromversorgern und ihren Kunden verbessern. Gleichzeitig helfen sie, externe Stromquellen wie Photovoltaikanlagen in das Einspeise- Erfassungssystem zu integrieren.

Das Ziel: Bis 2014 sollen alle herkömmlichen analogen Zähler aus deutschen Kellern verschwunden sein. Für die Wohnungswirtschaft eine einschneidende Veränderung: Denn die neuen Zähler werden zwar die Nebenkosten senken, die Umstellung ist aber für die Branche zunächst aufwendig und teuer.

Das Kernstück der neuen, bedarfsgerechten Energieversorgung, den elektronischen Zähler, müssen Vermieter nachrüsten. Dieser erfasst alle Verbrauchsdaten eines Haushaltes - Gas, Strom und Wasser - und führt sie in einer "Kommunikationsbox" zusammen. Diese leitet die Daten über eine DSL- oder eine Mobilfunk-Leitung in die Rechenzentren der Energieversorger. Damit ist die Grundlage für das geplante digitale Stromnetz gelegt, genannt "Smart Grid". Dieses regelt automatisch die Einspeisung und Entnahme von Strom.

Der Vorteil für den Verbraucher: Via Internet kann er den Energieverbrauch im 15-Minuten-Takt kontrollieren und durch gezieltes An- und Ausschalten von Geräten Stromfresser ausfindig machen.

Die Informationstechnik dafür ist bereits da: T-Systems, IBM, Cisco und andere Anbieter haben Lösungen entwickelt, die diese Symbiose zwischen Energie- und Informationstechnik schaffen. Die Liberalisierung des Strommarktes sei dafür Voraussetzung, erläutert Tamara Schenk, Smart-Grid-Expertin bei T-Systems: "Der Trend zu dezentraler Stromerzeugung führt künftig zu einer Mischung aus zentraler und dezentraler Stromerzeugung und Einspeisung. Das bedeutet neben schwankendem Energieverbrauch wie bisher nun auch schwankende Energieerzeugung, wie sie bei einer Solaranlage auftritt." T-Systems hat dafür nach eigenen Angaben eine massenmarktfähige Lösung. In einem Pilotprojekt in Friedrichshafen kommt das System bereits zum Einsatz. "Smart Metering ist außerdem ein wichtiger Teil eines neuen Energieversorgungssystems, bei dem der Verbraucher Einfluss nimmt und Energie sparen kann", erklärt Schenk. Unterstützt werde dieses System durch energiesparendes Bauen oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Ingrid Vogler, Technik-Expertin beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) sieht für ihre Branche Probleme bei der praktischen Umsetzung: "Unsere Geschosswohnungen sind dafür nicht ausgestattet." Vogler denkt dabei primär an Waschmaschinen und Geschirrspüler. Diese Geräte haben einen hohen Energiebedarf. Wer billigen Nachtstrom beziehen kann, betreibt sie bereits jetzt in der Nacht. Und er hat dann womöglich Ärger mit den Nachbarn, die der Lärm dieser Geräte im Schlaf stört.

Ferner ist Vogler skeptisch, ob Smart Grid den Datenschutz gewährleistet. "Die Wohnungsbranche steht dieser neuen Technik eher zurückhaltend gegenüber", resümiert sie.

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