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01.08.2014

19:20 Uhr

Immobilien der Herrscher

Diktator sucht Käufer

Verlassen, zugewachsen und voller Graffiti: So verkauft ein Makler die Villa des Ex-Diktators Salazar. Der einstige Prunkbau ist kein Einzelfall. Diktatoren mussten während Revolutionen öfter ihre Domizile verlassen.

António de Oliveira Salazar war bis 1968 Diktator in Portugal. Seine Villa wird nun für 5,5 Millionen Euro verkauft.

António de Oliveira Salazar war bis 1968 Diktator in Portugal. Seine Villa wird nun für 5,5 Millionen Euro verkauft.

LissabonDie frühere Villa des langjährigen portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar steht zum Verkauf: Für das unweit vom Zentrum Lissabons gelegene Grundstück mit dem Haus verlangt eine Maklerfirma 5,5 Millionen Euro. Salazar hatte die Villa von 1933 bis 1937 bewohnt, dann zog er in den Palast São Bento um, der auch heute noch als Regierungssitz dient.

Salazars alte Villa ist inzwischen verfallen, die Fassade verschmiert. Ein Baum streckt seine Äste durch kaputte Fenster, im Mauerwerk nisten Vögel. Dennoch sehen die Makler wegen der Lage des mehr als 1400 Quadratmeter großen Grundstücks „enormes Potenzial“.

Luxuriöser Zufluchtsort der libyschen Rebellen: der Abdu-Ismail-Palast.

Luxuriöser Zufluchtsort der libyschen Rebellen: der Abdu-Ismail-Palast.

Salazar regierte Portugal und seine Kolonien bis 1968 mit eiserner Hand, zwei Jahre später starb er im Alter von 81 Jahren. Die Nelkenrevolution im April 1974 beendete schließlich die Diktatur.

Verlassene Häuser und leere Paläste ehemaliger Herrscher sind keine Seltenheit. Bei vielen Revolutionen mussten Diktatoren ihre Prunkbauten fluchtartig verlassen.

So wurde beispielsweise der Abdu-Ismail-Palast in Libyen zur Notunterkunft für Flüchtlinge. Zuvor diente der Palast dem Regime des Diktators Muammar al-Gaddafi, der 2011 gestürzt wurde. Weltweit sind die Besitztümer Gaddafis noch verteilt und die Eigentumsrechte sind nicht vollständig geklärt. In München steht seit Jahren eine Acht-Millionen-Villa leer, deren Zukunft immer noch ungewiss ist – sie soll eventuell noch als Konsulat dienen.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Auch in London diente eine Gadaffi-Villa eine Zeit lang Rebellen und Demonstranten als Zuhause. Mittlerweile hat die libysche Regierung das Haus mit Staatsgeldern zurückgekauft. Die Luxus-Villa konnte man zuvor für 12.000 Euro pro Woche mieten.

Zahlreiche Immobilien in Monaco und Frankreich ließ auch der tunesische Diktator Ben Ali zurück, als er nach Saudi-Arabien flüchtete. Allerdings gibt es an der teuren französischen Riviera häufig keine Namensschilder und die Immobilienmakler halten auch dicht. Somit ist immer noch ungeklärt, welche Häuser und Appartments genau Ben Ali und seiner Familie gehören.

Doch selbst wenn die Herkunft einiger Immobilien geklärt ist: Nur Milliardäre, die bereit sind 50.000 Euro pro Quadratmeter zu zahlen, könnten sich die Domizile der Herrscher leisten. Schließlich ist Monaco der teuerste Ort der Welt.

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