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16.07.2015

12:01 Uhr

Immobilien

Die Angst vor der Heuschreckensteuer

VonJens Hagen, Reiner Reichel

Wenn ein Bundesland die Grunderwerbsteuer anhebt, dann ist das keine Schlagzeile mehr wert – außer sie soll gleich auf 19 Prozent hochschießen. Wo der Fiskus beim Immobilienkauf zuschlägt.

Heuschrecke mit Geldscheinen: Die Koalition in Bremen hat sich darauf geeinigt, die Grunderwerbssteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Damit wolle Sie Private-Equity-Gesellschaften abschrecken, Immobilien zu kaufen.

Heuschrecken

Heuschrecke mit Geldscheinen: Die Koalition in Bremen hat sich darauf geeinigt, die Grunderwerbssteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Damit wolle Sie Private-Equity-Gesellschaften abschrecken, Immobilien zu kaufen.

Frankfurt/DüsseldorfEigentlich galt Bremen bislang nicht gerade als das Mekka für Immobilienspekulationen. Im Vergleich zu Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München stiegen die Kaufpreise und Mieten eher moderat. Im vergangenen Jahr legten die Mieten um 0,3 Prozent zu, Wohnungen verteuerten sich um 1,5 Prozent, zeigt eine Statistik des Analysehauses F+B Forschung und Beratung.

Trotzdem sorgt die hübsche Hansestadt derzeit für kräftigen Wirbel in der Immobilienbranche. Grund dafür ist der Koalitionsvertrag, auf den sich die neue Landesregierung aus SPD und Grünen am vergangenen Wochenende einigte. Ab Zeile 1713, im Unterpunkt „Soziale Stadtentwicklung“ heißt es: „Wohnungen sind kein Spekulationsobjekt.“

Um mögliche und echte Spekulanten abzuschrecken, wird nicht nur die Mietpreisbremse bis Ende des Jahres eingeführt. „Bremen wird prüfen, eine ‚Heuschreckensteuer‘ einzuführen, um den Grunderwerb durch Immobilienheuschrecken stark zu beschneiden“, heißt in den Plänen. Als „Heuschrecken“ beschimpfte erstmals vor zehn Jahren der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Private-Equity-Gesellschaften wegen ihrer sehr ambitionierten Renditevorstellungen bei gleichzeitig sehr kurzem Anlagezeitraum.

Konkret haben sich die Koalitionäre in Bremen darauf geeinigt, die Grunderwerbsteuer für Käufer von Objekten mit mehr als 50 Wohneinheiten von derzeit fünf Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Die Grünen unterstützen den Vorstoß der SPD. „Wir haben die gleichen Probleme wie in anderen Städten“, sagt Ralph Saxe, Landesvorstandssprecher der Bremer Grünen. „Investoren kaufen in großem Maßstab Wohnungen auf.“ Das sei nicht immer im Interesse der Mieter. Die „Heuschreckensteuer“ müsse allerdings noch rechtlich geprüft und in ein Gesetz gegossen werden. Zuvor werden die verschiedenen Interessengruppen angehört.

Wo Immobilienkäufer bluten müssen

Grunderwerbssteuer

Bei einem Immobilienkauf wird eine Grunderwerbssteuer fällig, die von den Bundesländern festgelegt wird. In den vergangenen Jahren haben viele Länder die Steuern erhöht. Quelle: Qualitypool.

Sachsen

Grunderwerbssteuer: 3,5 Prozent

Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 5.250 €

Quelle: Qualitypool

Bayern

3,5 Prozent
Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 5.250 €

Hamburg

4,5 Prozent
Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 6.750 €

Thüringen

5,0 Prozent
Erhöhung im April 2011

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Rheinland-Pfalz

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: März 2012

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Niedersachsen

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Mecklenburg-Vorpommern

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: Juli 2012

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Brandenburg

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Juli 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Bremen

5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Grundwerwerbssteuer von 19 Prozent bei Kauf von mehr als 50 Wohneinheiten wird geprüft.

Baden-Württemberg

5 Prozent
Letzte Erhöhung: November 2011

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Hessen

6 Prozent
Letzte Erhöhung: August 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.000 €

Berlin

6 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.000 €

Saarland

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Nordrhein-Westfalen

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Schleswig-Holstein

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Teil dieser Interessengruppen sind Beratungsunternehmen wie Dr. Lübke & Kelber. Geschäftsführer Ulrich Jacke hat sein Urteil bereits gefällt: „Eine wirkliche Schnapsidee und ein falsches Signal auch für andere Landesregierungen.“ Investoren würden sich vor Einführung der Steuer vermehrt von ihren Beständen in Bremen trennen, denn die Preiseinbußen aufgrund der Heuschreckensteuer könnten bis zu 14 Prozent betragen, ist Jacke überzeugt. Er fürchtet darüber hinaus, dass neue Anleger Bremen gleich fernbleiben würden.

Mit Blick auf den auch in Bremen knappen Wohnraum warnt Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim Wirtschaftsforschungszentrum IW Köln: „Investoren aus einem Markt zu treiben ist ein gefährliches Spiel.“ Im Übrigen sei das Vorurteil falsch, dass allein Heuschrecken für Missstände auf Wohnungsmärkten verantwortlich seien.

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Kommentare (16)

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Herr Jens Rehmann

16.07.2015, 12:13 Uhr

Sachsen-Anhalt kommt wohl im Handelsblatt nicht mehr vor?

Herr Joachim Luckner

16.07.2015, 12:39 Uhr

Wer ist John Galt

Wenn man sich die angeführte Liste der Gemeinden vor Augen führt, welche hier extrem an der Steuerschraube drehen, dann muss sich niemand wundern, dass In NRW langsam nichts mehr geht. Jeder schlaue Investor wird um diese Regionen einen großen Bogen machen.
Außerdem zeigen diese Pläne, dass die Akteure wirklich keine Ahnung von der Materie haben. Zum einen gibt es Umgeheungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist angeführt - Handel mit Gesellschaftsanteilen-, und zum anderen dürfte damit der gesetzgeberische Gestaltungsspielraum nicht mehr eigehalten sein. Die Sache deutet doch auf eine Verfassungswidrigkeit hin - Stichwort unzulässige Ungleichbehandlung.
Auch ist das Thema Grundsteuer nicht durchdacht. Man trifft in weiten Teilen auch die Mieter über die Betriebskosten, oder hat man vor, die Umlagefähigkeit der Grundsteuer auf den Mieter auch gleich abzuschaffen. Vielleicht wäre es hilfreich, diese Herrschaften nochmals in die Hochphase der der DDR-"Wohnungswirtschaft" zu versetzen. Dort war schlussendlich auch niemand mehr daran interessiert, als vermieter tätig zu sein. Das Ergebnis spürt man ja heute finanziell noch.

Für Interessierte kann ich nur das Werk von Ayn Rand - DER STREIK - im Original "Atlas Shrugged" - empfehlen. Dort ist dargestellt, wo das geplante Verhalten hinführt. Es wird mal wieder eine neue Stufe der Regulierung in Richtung Chaos angeschoben.

Herr Jürgen Bertram

16.07.2015, 12:45 Uhr

typisch grün-sozialistischer Wahnsinn

Die gewerblichen Marktteilnehmer können die Kosten sowieso absetzen. Die fallen da nicht in's Gewicht. Da wird also nicht das Geringste "verbessert"

Wer letztendlich wieder mal mehr zahlt ist Otto Normalverbraucher. Für den wird's teurer.

Aber der Staat braucht das Geld für die EUDSSR, für Griechenland, für eine bunte Republik, für Willkommenskultur uvm. - da zahlt man doch gerne.

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