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18.12.2014

19:52 Uhr

Immobilien

„Ein Verdrängungsinstrument für Mieter“

VonNiklas Dopheide, Jens Hagen

Die Regierung fördert 2015 die energetische Sanierung von Immobilien mit Steuervorteilen. Ein Immobilienprofi erklärt, warum das für Eigentümer und Mieter teuer werden kann und wie sich wirklich sparen lässt.

Geldregen für die Bausparer? Die Finanzaufsicht macht den Weg zur Provisionsabgabe frei. Imago

Geldregen für die Bausparer? Die Finanzaufsicht macht den Weg zur Provisionsabgabe frei.

DüsseldorfThomas Herr ist promovierter Architekt. Seit vielen Jahren ist er in der Branche tätig. Als Geschäftsführer von Valteq, einem Beratungsunternehmen für Immobilien, hat er einen guten Einblick in den Markt. Valteq unterstützt seine Kunden auch bei der Instandhaltung von Immobilien. Zu den Kompetenzen zählen auch der energetische Umbau von Gebäuden. Jedes dritte Dax-Unternehmen holt sich in diesem Bereich Rat bei Valteq. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht der Immobilienprofi Klartext: Die energetische Sanierung vieler Immobilien rechnet sich nicht und wird als „Verdrängungsinstrument“ für klamme Mieter eingesetzt.

Herr Herr im nächsten Jahr soll es Steuererleichterungen für energetische Gebäudesanierungen geben. Welche Auswirkungen hat der „Aktionsplan Energieeffizienz“ für private Immobilienbesitzer und Mieter?
Ich denke nicht, dass dieser Plan, so wie er aktuell diskutiert wird, eine große Veränderung für den Markt von privaten Wohnimmobilien bringt. Es werden jetzt nicht plötzlich alle Eigenheimbesitzer ihr Häuschen dämmen. Gewerbliche Investoren allerdings könnten die zahlreichen Förderungen von Energieeffizienz für Mieterhöhungen instrumentalisieren.

Würde das sehr viele Mieter treffen?
Nein. Wenn man sich die Eigentümerstruktur in Deutschland anschaut, fällt auf, dass 75 Prozent der Wohnimmobilien nicht professionell verwaltet werden, sondern in der Hand von Privatleuten ist.

Thomas Herr ist Geschäftsführer von Valteq.

Thomas Herr ist Geschäftsführer von Valteq.

Ab dem nächsten Jahr sollen Investitionen in energetische Sanierungen steuerlich absetzbar werden. Schon jetzt gibt es zahlreiche Vorschriften und weitere Förderungen, etwa günstige KfW-Darlehen. Wird 2015 das Jahr der Häusle-Dämmer?
Es wird im neuen Jahr keinen Boom geben, dazu ist heute schon zu viel Aktivität am Markt. Selbst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ titelte mit dem Schlagwort „Volksverdämmung“. Oft werden auch völlig unsinnige Baumaßnahmen durchgeführt. Dahinter steckt auch Kalkül. Bei der energetischen Sanierung spielt die gesetzliche Möglichkeit zur Mieterhöhung eine wichtige Rolle, vor allem bei weniger seriösen Bestandshaltern und Spekulanten. Aber mittlerweile gibt es eine Gegenbewegung.

Energetische Häuser

Kaufkriterium

Die Energiebilanz der Häuser ist für Kaufinteressenten sehr wichtig. Der energetische Zustand ist für 88 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen Umfrage der wichtigste Kaufgrund. Quelle: Interhyp, Immobilienscout24

Energetische Ausstattung

Die Umfrage ergab, dass Kaufinteressenten bei der Ausstattung, vor allem auf moderne Heizungsanlagen und Fenster mit doppelter Verglasung achten. Bei 75 Prozent der Probanden traf dies zu.

Energieausweis

Der Energieausweis sollte für Transparenz des energetischen Zustands sorgen. Allerdings finden ihn 75 Prozent nicht aussagekräftig.

Kosten

Gerade weil der energetische Zustand eine wichtige Rolle spielt und der Energieausweis intransparent ist, rechnen viele Käufer mit Folgekosten wegen der energetischen Sanierung. Für 57 Prozent also über die Hälfte der Befragten ist das der Fall.

Eine Volksbewegung gegen Styropor und Glaswolle?
Nun ja, in gewisser Weise kann man das vielleicht so bezeichnen. Nach einer jahrelangen Diskussion hat sich mittlerweile eine Lobby herausgebildet, die sich gegen die Verschärfung von energetischen Vorgaben bei Immobilien wehrt. Das hat seinen Ursprung darin, dass die resultierenden Mieterhöhungen zunehmend als soziales Problem erkannt werden. Energetische Sanierungen können missbräuchlich als Verdrängungsinstrument eingesetzt werden.

Erklären sie mal genauer, was mit dem „Verdrängungsinstrument“ gemeint ist.
Wenn ich jetzt in einem Bestand Wohnungen zum Preis von 450 bis 600 Euro pro Quadratmeter saniere und die Hälfte davon energetisch wirksam ist, dann könnte ich eine für die maximal 11-prozentige Mieterhöhung relevante Modernisierungsumlage von 250 Euro ansetzen. Das bedeutet: Bei einer einfachen Wohnlage, in der ein Mieter vorher 5,00 Euro pro Quadratmeter Miete zahlte, darf der Vermieter dann 7,50 Euro verlangen. Das ist eine Mieterhöhung  von 50 Prozent. Das können sich viele nicht leisten.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

18.12.2014, 20:52 Uhr

Grundsätzlich wird die Ökoreligion als Argument gebraucht um von der Politik Subventionen zu Lasten der Menschen für sinnlose, umweltschädliche Solarzellen, Windmühlen, Lebensmittelverbrennung (Sprit/Strom), aber auch um eine absurde Isolierung der Gebäude zu rechtfertigen die Gebäuden jenseits des Polarkreises gut stehen würde.

Gem. dieser Religion sollte sich das Klima in den kommenden Jahren signifikant erwärmen so dass eine solche Isolierung keinen Sinn ergibt.

Offensichtlich sind Sachargumente nicht gefragt wenn es um Religion geht.

Herr Holger Narrog

18.12.2014, 20:55 Uhr

Interessant ist das bei dieser Form der Subventionierung der Gebäudesanierung über einen höheren Mietzins die sozialistischen Interessen der ökosozialistischen Regierung, günstige Mieten und die ökologischen Vision im Konflikt stehen.

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