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08.10.2016

14:23 Uhr

Immobilien – Expo Real

Zum Riesling eine Currywurst

VonMatthias Streit

Auf der größten Immobilienmesse Deutschlands herrschte Hochstimmung. Die Branche weiß, dass die Preise bald wieder fallen werden. Aber so lange sie nicht weiß wann, feiert sie einfach weiter.

Partystimmung trifft Partyhunger – Rießling trifft Currywurst. Reuters

Currywurscht!

Partystimmung trifft Partyhunger – Rießling trifft Currywurst.

MünchenMan soll die Feste bekanntlich feiern wie sie fallen. Die deutsche Immobilienbranche hielt sich daran – und feierte bis zum Donnerstagabend auf der Gewerbeimmobilien Expo Real in München überaus lässig. Geld spielte fast keine Rolle. Warum auch am Ambiente sparen, wenn unter Anlagedruck stehende Versicherer und Pensionskassen dafür sorgen, dass der Rubel rollt – vom Käufer zum Verkäufer und an alle, die Dienstleistungen darum herum anbieten – Makler, Finanzierer, Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Immobilienbewerter.

An jeder Ecker tönt es nur so von „gut gefüllten Kriegskassen“. Genau genommen sind sie eher übervoll. Die Investment Manager wissen gar nicht mehr, wo sie das Geld überhaupt noch anlegen sollen, weil schlichtweg das Angebot fehlt. Der Markt läuft teilweise schon so gut, dass manchem Makler der Spaß abgeht. Derzeit gebe es „bedauerlicherweise“ keine Risiken mehr in den Großstädten. Wer ein Portfolio hochhalte, dem würde es aus den Händen gerissen. „Das hat mit Vermarktung und Kompetenz nicht mehr viel zu tun“, so dass Credo eines Geschäftsführers.

Entwicklung der Kaufpreise angebotener Eigentumswohnungen (2016)

München

1. Halbjahr 2004: 3.210 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 5.770 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 6.490 Euro/m²

Veränderung: +102 Prozent (zu 2004) / +12,5 Prozent (zu 2015)

Die Angaben sind Medianwerte - 50 Prozent der angebotenen Wohnungen sind teurer, 50 Prozent günstiger. Quelle: JLL

Frankfurt

1. Halbjahr 2004: 2.430 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.990 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 4.210 Euro/m²

Veränderung: +73 Prozent (zu 2004) / +5,5 Prozent (zu 2015)

Hamburg

1. Halbjahr 2004: 2.140 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.790 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.880 Euro/m²

Veränderung: +81 Prozent (zu 2004) / +2,3 Prozent (zu 2015)

Stuttgart

1. Halbjahr 2004: 2.200 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.340 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.900 Euro/m²

Veränderung: +77 Prozent (zu 2004) / +16,7 Prozent (zu 2015)

Düsseldorf

1. Halbjahr 2004: 1.880 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.160 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.320 Euro/m²

Veränderung: +77 Prozent (zu 2004) / +5 Prozent (zu 2015)

Berlin

1. Halbjahr 2004: 1.630 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 3.020 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.320 Euro/m²

Veränderung: +104 Prozent (zu 2004) / +10 Prozent (zu 2015)

Köln

1. Halbjahr 2004: 2.010 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 2.840 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 3.100 Euro/m²

Veränderung: +54 Prozent (zu 2004) / +9,2 Prozent (zu 2015)

Leipzig

1. Halbjahr 2004: 1.590 Euro/m²
1. Halbjahr 2015: 1.350 Euro/m²
1. Halbjahr 2016: 1.620 Euro/m²

Veränderung: +2 Prozent (zu 2004) / +20 Prozent (zu 2015)

Mitten im Geschehen waren wie immer die Vertreter in- und ausländischer Regionen - allesamt prosperierend, versteht sich. Aber wie sollten sie auffallen unter 1764 Ständen. Mit nur lokal prominenten Politikern ist dass nicht so einfach. Zeitweise schienen mehr Oberbürgermeister auf der Messe zu sein als bei einem Deutschen Städtetag.

Aber ein OB allein füllte eben keinen Messestand. Da musste schon ein wenig nachgeholfen werden. Die einen reichten fruchtigen Riesling zur trockenen Politiker-Rede. Andere setzen darauf, dass die Investoren spätestens am zweiten Tag der allenthalben gereichten raffinierten Häppchen überdrüssig waren und versuchten ihre Gesprächspartner mit einer deftigen Currywurst wohlwollend zu stimmen. Wer nicht nur alte Hasen sondern junge, vielversprechende Talente anlocken wollte, verbreitete Hipsterflair und serviert Smoothies und Fitnessdrinks.
Am Stand der RAG Immobilien konnten Geschäftspartner die letzten Unstimmigkeiten ihrer Deals am Kicker austragen. Gespielt wurde BVB gegen Bayern. Egal wie die Ergebnisse ausfielen – Lust und Frust wurden eine Halle weiter am Münchner Stand mit Weißbier begossen.


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Der deutschen Immobilienbranche kommen mehr und mehr Zweifel, ob sie vom EU-Abschied Großbritanniens profitieren kann. Im Gegenteil: So mancher fürchtet, dass die negativen Folgen des Brexits am Ende überwiegen werden.

Separees gab es zwar wie immer. Doch die dienten höchstens noch dafür, den Lärm von der Bühnenshow am Nachbarstand auf ein erträgliches Maß zu dämpfen. Ernsthafte Verhandlungen sind in einer solchen Atmosphäre kaum vorstellbar. Ohnehin waren die Deals, die im Stundentakt verkündet wurden, lange vor der Messe ausgehandelt worden.

Auf der Messe war die Gelegenheit, die Besitzwechsel zu feiern und sich wechselseitig zu versichern dass die Zinsen niedrig bleiben, Pensionskassen und Versicherer noch immer im Geld schwimmen und angesichts ihrer Risikoscheu weiterhin versuchen werden, möglichst viel davon in Beton, Steinen und Glas zu investieren. Also werden die Preise vorläufig auch nicht einbrechen. Und wenn überhaupt, dann doch eher später. Wenn das kein Grund war, die Expo Real zum Fest zu machen.

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