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28.10.2016

15:11 Uhr

Immobilien in Deutschland

„Wir müssen vor einer Überhitzung aufpassen“

VonMatthias Streit

Die Wohnungspreise in Großstädten steigen ungebremst. Kritiker sehen bereits eine erneute Blase. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank, hält im Interview dagegen – kritisiert aber einen anhaltenden Trend.

Die Wohnungspreise in deutschen Großstädten enteilen den Mieten. Die Bundesbank warnte jüngst vor Überhitzung am Immobilienmarkt. dpa

Häuserfassaden in München

Die Wohnungspreise in deutschen Großstädten enteilen den Mieten. Die Bundesbank warnte jüngst vor Überhitzung am Immobilienmarkt.

FrankfurtStefan Bielmeier behält das große Ganze im Blick. Muss er auch. Denn als Chefvolkswirt der DZ-Bank, dem zentralen Institut der Genossenschaftsbanken, liegt es in seiner Verantwortung, den Überblick über die globalen Finanzmärkte zu wahren. Was er von Trends hält oder auch nicht, schreibt er regelmäßig auf seinem Blog. Jüngst nahm er einen neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung unter die Lupe, der die Blasenbildungen am Immobilienmarkt möglichst verhindern soll. Der Experte warnt insgesamt vor einer Marktüberhitzung, die mit hohen Risiken verbunden sei.

Herr Bielmeier, laut einem neuen Gesetzentwurf sollen die Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank im Falle einer drohenden Immobilienblase eingreifen dürfen und beispielsweise die Kreditvergabe einschränken. Woran erkennen wir denn eine Blase?
Dafür gibt es kein genaues Maß. Genau das ist ja das Schwierige. Steigende Preise allein sagen noch nichts darüber aus, ob ein Immobilienmarkt überhitzt ist. Für eine Überhitzung braucht es zum Beispiel auch einen deutlichen Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte.

Der gebürtige Schweinfurter ist seit 2010 Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ-Bank. PR

Stefan Bielmeier

Der gebürtige Schweinfurter ist seit 2010 Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ-Bank.

Ein Anstieg ist im Moment aber noch nicht zu erkennen. In der Regel finanzieren die Deutschen ihre Wohnung oder ihr Haus noch mit 20 Prozent Eigenkapital.
Auf dem Markt spielt natürlich auch das niedrige Zinsniveau eine Rolle. Das macht die Finanzierung von Immobilien erschwinglicher. Je höher die Preise aber steigen, umso stärker könnten dann die Eigenkapitalquoten sinken. Gleichzeitig könnten einige Kreditgeber aufgrund des starken Wettbewerbs bereit sein, geringere Anforderungen an die Kreditnehmer zu stellen. Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht in eine Spirale hineingeraten, die mit deutlich höheren Risiken im privaten Sektor und einer Überhitzung am Immobilienmarkt endet.

Die Bafin könnte ja künftig die Hürden für neue Kreditvergaben erhöhen.
Es ist gut, dass ein Instrument bereitgelegt wird, mit dem im Notfall eine solche Negativspirale gestoppt werden kann. Wobei die nun vorgeschlagenen Maßnahmen nur bei Neufinanzierungen greifen und nicht bei Anschlussfinanzierungen eines schon bestehenden Hauskaufes.

Preisentwicklung von Luxusimmobilien weltweit (2016)

Vancouver

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 36,4 Prozent

Die Studie vergleicht die Entwicklung der Immobilienpreise für Luxusobjekte (Top-fünf-Prozent des Markts) in 37 Großstädten weltweit. Quelle: Knight Frank

Schanghai

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 22,5 Prozent

Kapstadt

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 16,1 Prozent

Toronto

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 12,6 Prozent

Melbourne

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 11 Prozent

Paris

Die französische Hauptstadt führt die fünf Städte mit der schlechtesten Preisentwicklung an.

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 2,7 Prozent

Delhi

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 4,9 Prozent

Moskau

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 5,2 Prozent

Taipeh

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 7,7 Prozent

Hongkong

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 8,4 Prozent

Sehen Sie denn heute auf dem deutschen Immobilienmarkt Parallelen zu Blasen wie etwa in den USA oder Spanien vor acht Jahren?
Noch nicht wirklich. Bislang haben sich die Banken sehr vernünftig verhalten. Aber durch den steigenden Wettbewerbsdruck sieht man in Teilen schon langsam eine Erosion der Kreditstandards. Ein Grund dafür liegt sicherlich in den deutlich gestiegenen Preisen in einigen Großstädten.

In Frankfurt sind die Preise für Eigentumswohnungen allein im vergangenen Jahr um ein Fünftel gestiegen. In München haben sie sich seit 2004 mehr als verdoppelt. Sehen Sie dort aktuell Überhitzungen?
München, Frankfurt oder Hamburg sind die klassischen Beispiele, wo die Preise sehr stark angestiegen sind. Wir stellen auch fest, dass der Preisdruck mittlerweile auch in das Umland dieser Städte abstrahlt – bis dorthin, wo noch eine Nahverkehrsverbindung besteht. Wir dürfen bei der Debatte aber nicht vergessen, dass wir bislang keineswegs flächendeckend Überhitzungen sehen. Es gibt auch einige wirtschaftlich schwache Regionen, meist ländlich, wo wir Preisrückgänge sehen.

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