Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2015

12:02 Uhr

Immobilien in Deutschland

Wo die Profis jetzt zuschlagen

VonJens Hagen

Investoren stürmen den deutschen Immobilienmarkt. Erstmals seit der Finanzkrise lagen die Transaktionen oberhalb der Marke von 50 Milliarden Euro. Doch wann endet der Boom? Und wo kaufen die Profi-Investoren?

Die Hauptstadt im Fokus: Immobilieninvestoren schlagen in diesem Jahr in Berlin zu. Getty Images

Die Hauptstadt im Fokus: Immobilieninvestoren schlagen in diesem Jahr in Berlin zu.

Als die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kurz nach dem Jahreswechsel erstmals unter die Marke von 0,5 Prozent fiel, machten nicht nur sicherheitsbewusste Altersvorsorge-Sparer große Augen. Auch für Immobilieninvestoren markiert das historische Zinstief eine Zeitenwende. Noch nie war die Finanzierung von Immobilien so günstig wie jetzt.

„Die niedrigen Zinsen sorgen für Preise, die noch vor einigen Jahren undenkbar waren“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Partner der Unternehmensberatung EY Real Estate. Noch vor wenigen Jahren galten Preise, die über dem zwanzigfachen der jährlichen Bruttomiete lagen als überteuert. „Heute sehen wir Transaktionen, die über dieser Marke liegen, in Einzelfällen sogar über dem 25-Fachen der Jahresmiete“, sagt der Leiter Immobiliensektor in Deutschland, der Schweiz und Österreich bei EY (früher Ernst & Young). „Früher wäre das undenkbar gewesen, früher gab es aber auch kein Zinstief“.

Da Immobilienkredite aktuell spottbillig sind und sicherere Anlageklassen kaum noch Renditen bringen, stürzen sich die Investoren weltweit auf den deutschen Immobilienmarkt. Nach der Untersuchung „Trendbarometer Immobilien Investmentmarkt“, einer Befragung von knapp 130 Investoren wie Fonds, Banken, Versicherer oder Wohnungsverwalter, stieg das Volumen der Immobilientransaktionen im vergangenen Jahr auf 52,7 Milliarden Euro. Der Anteil an Wohnimmobilien beträgt 12,8 Milliarden Euro.

Damit stieg das Volumen erstmals seit der Finanzkrise wieder auf einen Wert von mehr als 50 Milliarden Euro. Und auch in diesem Jahr soll es nach der EY-Prognose über der Marke von 50 Milliarden Euro liegen. „Banken haben die Ängste der Finanzkrise weitgehend abgehakt“, sagt Schulz-Wulkow. „Vor allem Kredite für Wohnimmobilien gelten als besonders sicher und werden gerne vergeben“.

Diese Städte stehen 2015 im Fokus der Investoren

Die Studie

Die Unternehmensberatung EY Real Estate hat 130 Investoren zur Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes befragt. Darunter befanden sich zum Beispiel Banken, Wohnungsgesellschaften und Private-Equity-Fonds, die in den vergangenen Jahren am Immobilienmarkt in Deutschland aktiv waren. Dabei wurden die Städte ermittelt, die als Investitionsstandorte für Wohnimmobilien 2015 besonders attraktiv sind.

Berlin

Berlin wird von den Investoren als besonderes attraktiver Standort zum Kauf von Wohnimmobilien erachtet. Jeder Fünfte (21 Prozent) nennt die Stadt als seinen Favoriten für 2015.

Hamburg

Mit deutlichem Abstand folgt Hamburg. Für 14 Prozent der befragten Investoren ist die Hansestadt ein besonders attraktiver Investitionsstandort.

Köln

Köln nennen 13 Prozent der Befragten als einen Standort, wo sie investieren möchten.

München

Ebenso viele (13 Prozent) nennen München als ihren Investitionsfavoriten.

Düsseldorf

Die Hauptstadt Nordrhein-Westfalens ist für ebenfalls 13 Prozent der befragten Investoren interessant.

Frankfurt

Elf Prozent nennen Frankfurt am Main als Stadt ihrer Wahl.

Stuttgart

Stuttgart ist bei elf Prozent der Befragten eine begehrte Stadt, um in Wohnimmobilien zu investieren.

Die Investoren setzen auf das Zinstief. Vier von zehn Befragten rechnen damit, dass der Beleihungsauslauf (Quotient aus Darlehensbeträgen und Beleihungswert) bei Baugeld steigt, also die Banken mehr ins Risiko gehen. Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Zinsen, lediglich jeder fünfte mit verschärften Kreditbedingungen.

In Zeiten billigen Geldes wird die Bankenfinanzierung immer weniger zum Problem. Fast alle Investoren sehen überhöhte Preisvorstellungen des Verkäufers als den Grund, warum Verkäufe fehlschlagen. Rund sechs von zehn Investoren rechnen bei Wohnimmobilien auch in diesem Jahr mit steigenden Preisen in 1A- und 1B-Lagen.

Da die Zinsen langfristig niedrig bleiben dürften, die deutsche Konjunktur ganz gut läuft und die schlimmste Phase der Euro-Krise überstanden scheint, wagen die Immobilienprofis wieder etwas. Fast alle Investoren rechnen damit, dass der Anteil risikoreicher Investments steigt. Außerdem rechnen die Marktteilnehmer mit einer Zunahme von Investoren aus dem Ausland.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Johannes Drude

13.01.2015, 14:53 Uhr

Wobei selber denken und lesen immer noch das Wichtigste ist. Alles, was "in der Öffentlichkeit" gesagt wird, soll etwas bewirken. Mache ich ja auch. ("Mmh, schwierige Gegend/Lage" - nett und höflich sein, kaufen - mit paar lancierten Artikeln oder sogar Forumseinträgen nettes über die Gegend sagen und diesmal die guten Seiten sehen. Sagen, wie gerne man da lebt. Mit ein wenig Geschick gibt es 1-2 Jahre später einen sehr hübschen Gewinn.)
Also unbedingt über einen längeren Zeitraum die Entwicklung selber beobachten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×