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29.08.2016

14:07 Uhr

Immobilien in Frankfurt

Eine Stadt will hoch hinaus

VonMatthias Streit

Deutschlands Bankenmetropole ist ein teures Pflaster für Immobilienkäufer. Und nach dem Brexit dürften die Preise weiter steigen. Wo schon jetzt bis zu 19.000 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen gezahlt werden.

Investoren am Immobilienmarkt möchten von einem Schub durch den Brexit profitieren. dpa

Frankfurter Skyline

Investoren am Immobilienmarkt möchten von einem Schub durch den Brexit profitieren.

FrankfurtWer wissen will, wohin sich der Wohnimmobilienmarkt der Mainmetropole bewegt, muss sich nur das Bauprojekt „Grand Tower“ im Europaviertel anschauen. 172 Meter hoch soll der Wohnturm werden. 401 Wohnungen entstehen hier bis 2019. Noch ist keine Wohnung fertig. Doch mehr als die Hälfe davon ist schon verkauft.

„Wir haben innerhalb von drei Monaten 240 Wohnungen verkauft. Und die große Nachfrage hält weiter an“, sagt Thomas Zabel, Geschäftsführer von Zabel Property Management, der die Wohnungen exklusiv vertreibt. Normalerweise betrage die Vertriebszeit für solch ein Projekt etwa drei Jahre. Doch diese werde sich verkürzen, schätzt Zabel. Und: „Die Preise werden noch während der Bauzeit steigen.“ Er erwartet dies in vier bis fünf Schritten. Frankfurts Wohnimmobilienmarkt will offenbar hoch hinaus – sowohl was die Gebäude als auch die Preise betrifft.

Wer im „Grand Tower“ kaufen will, muss mit 5.700 Euro pro Quadratmeter in den unteren bis zu 19.000 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen in den oberen Geschossen rechnen. Dabei ist das Projekt längst nicht das einzige seiner Art. Das Immobilienmarktforschungsinstitut Bulwiengesa zählt in Frankfurt 16 Wohntürme mit insgesamt 2.400 Wohnungen, die zwischen 2010 und 2018 entstanden sind oder entstehen werden.

Verlockend sind dabei nicht unbedingt die Renditen, die bei Bestandswohnungen laut den Analysen von Dr. Lübke & Kelber im Schnitt bei 2,7 Prozent liegen. Wichtig ist in Zeiten von Niedrigzinsen eine sichere Geldanlage. „Frankfurt am Main zeichnet sich durch ein hohes Preisniveau aus, das aus einer großen Nachfrage nach Wohnraum und einem zu knappen Angebot resultiert“, sagt Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei Immobilienscout24.

Deutschlands Mietmarkt: Auf dem Land gibt's mehr fürs Geld

Zwei Quadratmeter mehr

Rund 95 Quadratmeter groß ist eine Wohnung, die sich die Deutschen im Schnitt für ein Viertel ihres Haushaltseinkommens leisten können. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Entgegen den Hiobsbotschaften, die regelmäßig über steigende Mieten aus großen Städten gemeldet werden, sind das zwei Quadratmeter mehr als noch vor sechs Jahren.

Wie entwickelt sich der Mietmarkt?

Die Mieten sind laut IW in den vergangenen sechs Jahren um 10,2 Prozent gestiegen. Besonders dramatisch ist die Zunahme in Berlin mit 26 Prozent, in München mit 14 Prozent, in Köln mit 13 Prozent und in Hamburg mit zwölf Prozent. Allerdings liegt die Durchschnittsmiete nur in 20 der 402 Kreise über neun Euro je Quadratmeter, deutschlandweit zahlt man im Schnitt 6,90 Euro. Bezogen auf die Einkommen gibt das IW Entwarnung: Weil diese im gleichen Zeitraum um 11,5 Prozent stiegen, können sich die Menschen vielerorts größere Wohnungen leisten.

Warum steigen die Mieten aktuell?

Das IW spricht von einem „regelrechten Nachfrageboom“ in Ballungszentren und Universitätsstädten. Nach Berlin sind seit 2010 weitere 240.000 Menschen gezogen. Auch die hohen Mieten in München haben niemanden abgeschreckt: Dorthin zogen 140.000 Menschen. Durch die höhere Nachfrage wird Wohnraum knapper, und nicht nur die Immobilienpreise, sondern auch die Mieten steigen in diesen Gebieten.

Wie viel Geld sollte man eigentlich für die Wohnung ausgeben?

„25 Prozent des verfügbaren Einkommens sehen wir als vernünftiges Maß für eine Mietbelastung an“, sagt Ralph Henger, IW-Volkswirt mit dem Schwerpunkt Finanz- und Immobilienmärkte. „Kritisch wird es, wenn mehr als ein Drittel des Einkommens für die Miete verwendet wird.“

Wo können sich die Menschen damit am meisten Wohnraum leisten?

In ländlichen Gegenden. Am meisten Wohnfläche kann sich ein Durchschnittshaushalt im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau oder in Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) leisten, wo ein Viertel des Einkommens für 120 Quadratmeter reicht. Das zeigt die Gegenüberstellung von Wohnkosten und verfügbarem Einkommen des IW.

Wo reicht das Durchschnittseinkommen nur für kleine Wohnungen?

Das gilt vor allem für die Universitätsstädte. Dort ist nicht nur die Nachfrage hoch, die Einkommen der Studenten sind üblicherweise auch niedriger. In Trier, Freiburg, Heidelberg und Würzburg liegt die Wohnungsgröße, die die Menschen dort für 25 Prozent des Durchschnittseinkommens mieten können, bei nur 60 Quadratmetern. Ebenfalls eng wird es in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg, wo das Geld für etwa 70 Quadratmeter reicht.

Sind auch die Nebenkosten wegen höherer Strompreise gestiegen?

Nein. Laut den Berechnungen des IW sind die Nebenkosten zwischen 2010 und 2016 nur um sieben Prozent gestiegen. Grund ist der Rückgang der Heizkosten in den vergangenen beiden Jahren.

Sollte nicht die Mietpreisbremse hohen Steigerungen entgegenwirken?

Erste Studien legen nahe, dass die 2015 eingeführte Regelung bisher keine Wirkung zeigt. „Die Mietpreisbremse ist in unseren Augen klassische Symbolpolitik“, sagt Henger. „Sie wirkt – wenn überhaupt - nur schwach, und dabei nicht mal in die richtige Richtung.“ Ähnlich sieht das der Eigentümerverband Haus & Grund: „Man hat da ein ganz schlechtes Gesetz gestrickt, das vorne und hinten nicht wirkt.“ Und auch beim Mieterbund sieht man keinen Effekt. „In Großstädten und Ballungszentren sind die Preissteigerungen nicht erklärbar, wenn die Mietpreisbremse greifen würde“, sagt ein Sprecher des Mieterbunds.

Wird man sich in Zukunft in einigen Gegenden Deutschlands keine Wohnungen mehr leisten können?

Die Experten des IW gehen eher vom Gegenteil aus. „Ohne den Zuzug von Flüchtlingen im vergangenen Jahr hätte die Dynamik in Deutschland sogar nachgelassen“, sagt Henger über die Entwicklung der Mietpreise. „Die Bautätigkeit zieht an.“ Bis das allerdings Wirkung zeigt, dauert es oft drei bis fünf Jahre. Der Mieterbund nimmt zwar an, dass die Flüchtlinge sich bislang nur bedingt am Wohnungsmarkt bemerkbar machen. Laut seinen Schätzungen fehlen in Deutschland jedoch 800 000 Wohnungen. Kurzfristig sehe man keine Änderung.

Die Mieten sind 2015 um rund fünf Prozent gestiegen. Die Kaufpreise legten mit sechs Prozent etwas mehr zu. Das ist zwar ein geringerer Anstieg als etwa in Berlin. Doch erstens ist in Frankfurt das Preisniveau bereits deutlich höher als in der Hauptstadt. Und zweitens schöpfen Investoren wie Lobbyisten der Stadt durch den Brexit neue Hoffnungen.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

29.08.2016, 14:33 Uhr

Im Energiewende Deutschland sollte man sich genau überlegen, ob man seinen zukünftigen Lebensmittelpunkt in einer Großstadt-Metropole sucht und leben will.
Man sollte hier immer im Hinterkopf behalten, dass Großstädte auch große Stromverbraucher sind und unser Stromnetz durch die Energiewende (Wind, Sonne und politischer/wirtschafticher Zwangsinsolvenz der Kohle, Gas und Kernkraft) immer weniger Strom bei steigender Stromnachfrage zur Verfügung steht. Um das Stromnetz stabil zu halten, wird man in Zukunft nicht umherkommen große Stromverbraucher abzuwerfen...also vom Stromnetz zu nehmen. Da würde sich z.b. Hamburg anbieten oder eben auch Frankfurt oder auch das Rhein-Main Gebiet...Offenbach usw.
Nur so wird man in Zukunft unser Stromnetz noch von einen Gesamtausfall (flächenddeckenden Deutschland Stromausfall) schützen können. Die Energiewende (EEG) hat den Stromnetzparasiten sog. Erneuerbare Energie groß gemacht...der Wirt in Form von unseren Kraftwerkmixpark (Kohle, Gas und Uran) wird durch diesen Parasiten (EEG) immer mehr geschwächt und somit auch sein Kreislauf in Form unseres Stromnetzes. Um den Kreislauf/Stromnetz jetzt stabil zu halten müssen einzelne Großstromverbraucher Zentren unseres Volkswirtschaftlichen Körper abgeschalten werden. Wie eben Großstädte mit viel Stromverbrauch.

Herr Thomas Behrends

29.08.2016, 14:47 Uhr

@ Herr Marc Hofmann

Na, ob das was Sie schreiben empirisch nachweisbar ist, bleibt dahin gestellt.

Es geht in diesem Artikel aber primär um das astronomisch hohe Miet- und Kaufpreisniveau der Stadt Frankfurt und da muss man konstatieren, dass man für viel Geld relativ wenig Lebensqualität geboten bekommt, betrachtet man allein mal nur die unzähligen Baustellen sowie den Lärm und Dreck, der beim Bau produziert wird.

Mich zieht es jedenfalls nicht nach Bankfurt.

Ich hätte es, wenn ich im Rhein-Main-Gebiet wohnen würde, so gemacht wie viele Frankfurter; schon vor 20 Jahren zogen etliche Weitsichtige in den schönen Rheingau, wo man sich erholen und ein gutes Glas Riesling oder Spätburgunder genießen kann.

Die Bahnfahrt nach Frankfurt/Main dauert mit der VIA-Bahn von Rüdesheim ca. eine Stunde.

Besser kann man es nicht treffen, es sei denn, man will auf der A66 und A5 im Stau stehen ...

Account gelöscht!

29.08.2016, 15:00 Uhr

@Thomas Behrends
Empirisch ist das schon längst geklärt. Man kann nicht gegen die Physik und die Naturgewalten eine marktfeindliche Energiewende (sog. Erneuerbare Energiensystem) durchdrücken. Um das Stromnetz in Zukunft stabil zu halten wird man sehr schnell sehr große Mengen an Strombezugsquellen (Stromverbraucher) vom Nezt nehmen müssen. Dies ist nur über die Abschaltung von Großstädten bzw. stromintensiven Ballungsräumen zu erreichen.
Man hat also in Zukunft die Wahl...opfert man dieser politischen und markt- und physikfeindlichen Energiewende eine Großstadt bzw. Ballungsraum oder halb bzw. ganz Deutschland. Man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera....Tote wird es so oder so geben. Und die Zivilisation wie wir Sie heute noch genießen dürfen gehört dann auch der Vergangheit an. Dank politisch erzwungen Kernkraftausstieg, CO2 Ausstieg und einer marktfeindlichen/physikfeindlichen Energiewende/EEG. Danke!

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