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12.08.2012

09:19 Uhr

Immobilien

Kaufen, auch wenn es teuer ist

VonReiner Reichel

Die Immobilienpreise steigen und steigen. Viele Anleger fragen sich, ob Häuser und Eigentumswohnungen in Deutschland mittlerweile zu teuer sind. Es gebe noch lange keine Preisblase, behaupten Experten.

Neubauten in Frankfurt am Main. dapd

Neubauten in Frankfurt am Main.

DüsseldorfEs wird nicht billiger, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Darin sind sich die Experten einig. Die Landesbausparkassen (LBS) erwarten im laufenden Jahr einen Anstieg von zwei bis 3,5 Prozent und nennen den "moderat". Die Nachfrage wachse. "Bei überwiegend rückläufigem Angebot steigen damit zwangsläufig die Preise", sagt LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. Das wäre ein geringeres Plus als in den vergangenen zwei Jahren, für die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Preissteigerungen von bis zu 4,5 Prozent jährlich in der Fläche, aber an Orten wie Berlin, Hamburg und München von acht bis neun Prozent allein im vergangenen Jahr festgestellt hat. Vor allem bei Wohnungen im Bestand schnellen die Preise in diesen Städten hoch. Immobilienscout, eine Internetplattform für Immobilienangebote, wertet regelmäßig die Angebote aus. Das Ergebnis: Verkäufer von Eigentumswohnungen verlangten in diesen Städten in den Monaten April bis Juni zwischen 4,1 und 3,6 Prozent mehr als im Vorquartal.

Wo ein Haus mit 140 qm am meisten kostet

Rottach Egern

780.000 Euro

Icking

790.000 Euro

Spiekeroog

795.000 Euro

Sylt

810.000 Euro

Kampen

860.000 Euro

Gräfelfing

885.000 Euro

Grünwald

945.000 Euro

Pullach

975.000 Euro

Wenningstedt-Braderup

1.000.000 Euro

Tegernsee

1.200.000 Euro

Quelle: Für die aktuelle Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Durchschnittshaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982.

Ist es angesichts solcher Steigerungsraten nicht längst zu spät zum Wohnraumkauf? Die Experten bleiben optimistisch. Wer Häuser und Wohnungen kauft, sollte nicht auf die Preissprünge binnen Jahresfrist schauen, sondern langfristig denken, rät Harald Simons, Vorstand des Immobilienmarktforschers Empirica. Deshalb empfiehlt er, die Preisentwicklung über mehrere Jahre zu verfolgen. Dann fallen Ausreißer nach oben oder unten in einem Jahr nicht ins Gewicht.
Zwar lassen sich Steigerungsraten der Vergangenheit nicht in die Zukunft fortschreiben. Aber: Dass Städte wie Gelsenkirchen, Hof und Salzgitter plötzlich einen Bevölkerungszustrom erleben, der Wohnungen und Einfamilienhäuser knapp und teuer macht, ist nicht anzunehmen. Eher schon, dass der Wert von Immobilienbesitz in Metropolen steigt, wenn dort die Bevölkerung permanent wächst und der Wohnungsbau nicht mithält. In Berlin würden jährlich 10 000 neue Wohnungen gebraucht, aber nur 3 000 gebaut, gibt Andreas Schulten, Vorstand des Beratungsfirma Bulwien-Gesa, ein Beispiel und empfiehlt: "Es ist auch jetzt noch sinnvoll, in den großen deutschen Metropolen wie Berlin in Wohnraum zu investieren, weil die Preise dort langfristig steigen werden."

Eine Auffassung, die Michael Kiefer, Leiter Immobilienmarktforschung bei Immobilienscout, teilt. Nach seiner Meinung wird sich daran auch nichts ändern, wenn sich als Folge der Euro-Schuldenkrise die Konjunktur in Deutschland verschlechtert und damit die Arbeitsplätze wieder weniger sicher sind: "Eine Verschärfung der Euro-Krise wird die Menschen eher noch stärker ins Immobilieninvestment treiben als bisher." Speziell in den urbanen städtischen Lagen könne die leicht anspringende Neubautätigkeit den Bedarf immer noch bei weitem nicht decken, argumentiert er weiter.

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

12.08.2012, 09:38 Uhr

Blase? Ach was, 200.000,- EUR für 45 qm in Berlin-Lichtenberg zzgl. Grunderwerbssteuer, Notar, etc sind doch völlig normal.

Moika

12.08.2012, 09:50 Uhr

Immobilienbesitz war zumindest in der Vergangenheit eine sichere Kapitalanlage und vor allem auch Altersabsicherung.

Wenn ich mir heute aber die Nebenkosten ansehe, die regelmäßog jährlich anfallen und mittlerweile die Größenordnung einer zumindest "kleinen Miete" haben, bin ich mir nicht mehr so sicher.

Die auch zukünftig anhaltende Bevölkerungsabnahme vor allem z.B. in Ballungsgebieten NRW's wird den Markt irgendwann derartig sättigen, daß von steigenden Preisennur noch geträumt werden kann. Im Wohnungsmarkt treten diese Effekte zum großen Teil schon auf: der Leerstand vergrößert sich ständig...

Eine andere Frage ist, ob sich der Kauf einer Immobilie ab einem bestimmten Preis ökonomisch generell noch rechnet. Aber zu oft treten derartige Überlegungen meist in den Hintergrund, weil der ideelle Gedanke beim Erwerb von Eigentum zu stark im Vordergrung stehen. Häufig ein Fehler, der sehr teuer werden kann.

Tom-Ka_KR

12.08.2012, 10:00 Uhr

Blase hin, Blase her! - Die zahlreichen Artikel in allen Medien und das alltägliche Geschwätz zum Thema Immobilie und Blase signalisieren meines Erachtens, dass die Zeit zum Ausstieg aus Steinen und Beton möglicherweise gekommen ist. Die Preise sind recht hoch und potentielle Käufer schauen beim Kauf nicht so genau hin, wie noch vor ein paar Jahren. Geld ist auch noch billig zu haben. Also weg mit den Steinen und rein in z.B. Rohstoffe und Aktien von Unternehmen mit Geschäftsmodell.

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