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09.04.2015

10:25 Uhr

Immobilien-Lagen

Das große Immobilien-Monopoly

VonJens Hagen

Monopoly kennt jedes Kind. Auch für Immobilienkäufer kann das Spiel interessant sein, die Regional-Editionen zeigen die besten und die schlechtesten Lagen der Stadt. Was Immobilienkäufer von Monopoly lernen können.

Spieler können einiges über den Immobilienmarkt lernen. Imago

Monopoly

Spieler können einiges über den Immobilienmarkt lernen.

DüsseldorfManchmal lohnt ein spielerischer Blick zurück, um aktuelle Marktentwicklungen besser beurteilen zu können. Begeistert von den sozialreformerischen Ideen ihrer Zeit entwickelte die Stenotypistin Elizabeth Magie das Brettspiel „Landlord's Game“, für das sie im Jahr 1904 das Patent erhielt. Die Erfinderin des Vorläufers des aktuellen Monopoly-Spiels hatte vor allem eine Intention: Die Spieler sollten bei ihrem kurzweiligem Zeitvertreib die negativen Seiten eines ungebändigten Kapitalismus erfahren.

Unabhängig von der eigenen Arbeitsleistung wachsen ohne staatliche Regularien die privaten Vermögen der Reichen ins unermessliche, während Menschen ohne solchen Besitz die Armut und Verelendung droht. Im aktuellen Monopoly-Spiel bedeutet das: Derjenige, der die meisten Grundstücke und Immobilien besitzt, beendet als reicher Gewinner das Spiel, während ein Mitspieler nach dem anderen verarmt und ausscheidet.

Diese Parallelen zur ökonomischen Realität machen das Spiel heute so aktuell wie lange nicht. Zwar kann in Deutschland von einem zügellosen Kapitalismus wie zur Jahrhundertwende keine Rede sein. Trotzdem sorgt die Geldflut der Europäischen Zentralbank hierzulande für ein reales Immobilien-Monopoly. Die niedrigen Zinsen machen Baugeld günstig. Mangels anderer sicherer und rentabler Anlagemöglichkeiten investieren Anleger in Immobilien.

Die Folge ist ein Boom am Immobilienmarkt. Preise und Mieten steigen seit Jahren. Wer wenig Geld hat, kann sich die Mieten in begehrten Innenstadtlagen nicht mehr leisten. In den begehrtesten Lagen der Metropolen, die im Monopoly-Spiel der Parkstraße oder Schlossallee entsprechen würden, werden Preise aufgerufen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. In den Top-Adressen von Berlin, München oder Hamburg zahlen Käufer von Luxusobjekten fünfstellige Eurobeträge für den Quadratmeter. Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellt sich die Frage: Können Immobilienkäufer und Mieter von den Strategien der Monopoly-Spieler lernen?

Das sind die Monopoly-Lagen der Top-7-Städte

Spielerische Analyse

In den Regionalausgaben des Gesellschaftsspiels Monopoly werden Top- und Flop-Lagen der Städte ausgewiesen. Das Immobilienportal Immobilienscout 24 analysierte Kaufpreise und Mieten in den städtischen Lagen, die den „Monopoly-Lagen“ Schlossallee, Parkstraße und Badstraße vergleichbar sind. Schlossallee und Parkstraße sind Top-Lagen, die Badstraße die schlechteste Lage bei Monopoly.

Berlin

Pariser Platz (entspricht in der Monopoly-Regionalausgabe der Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter*: 6525 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter*: 17,24 Euro

Unter den Linden (entspricht in der Monopoly-Regionalausgabe der Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 5444 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 13,52 Euro

Kottbusser Tor (entspricht in der Monopoly-Regionalausgabe der Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 1995 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 7,40 Euro
*Preise inklusive Neubau

Hamburg

Schöne Aussicht (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 10.313 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 22,93 Euro

Elbchaussee (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 7591 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 19,84 Euro

Große Freiheit (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 2082 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 10,31 Euro

Köln

Kölner Dom (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 6146 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 13,03 Euro

Hohe Straße (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 4474 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 10,60 Euro

Messe Köln (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 2154 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 8,20 Euro

Düsseldorf

Königsallee (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 6553 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 17,95 Euro

Festwiese (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 5123 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 13,61 Euro

Unterbilk (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 2527 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 9,34 Euro

Stuttgart

Königsstraße (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 5524 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 15,45 Euro

Schlossplatz (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 5457 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 12,11 Euro

Jahnstraße (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 3332 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 9,80 Euro

München

Maximilianstraße (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 10.462 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 19,09 Euro

Brienner Straße (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 9551 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 18,03 Euro

Platzl (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 7759 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 14,70 Euro

Frankfurt am Main

Römerberg (= Schlossallee):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 7644 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 15,17 Euro

Zeil (= Parkstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 5879 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 12,95 Euro

Konstablerwache (= Badstraße):
Kaufpreis pro Quadratmeter: 3332 Euro
Mietpreis pro Quadratmeter: 10,60 Euro

In Deutschland gibt es mittlerweile 180 regionale Ausgaben des Spiels. In jeder Städte-Ausgabe werden die bekannten Monopoly-Straßen durch die regionalen Lagen ersetzt. „Die besten und schlechtesten Lagen ermitteln wir durch Umfragen über unsere lokalen Medienpartner, über eigens geschaltete Facebook-Seiten und durch das eigene Besichtigen der Städte“, erklärt eine Sprecherin des Verlags Winning Moves, der die Regionalausgaben vertreibt. In diesem Jahr soll das Millionste Spiel verkauft werden.

Man könnte also sagen: Die Monopoly-Lagen entsprechen der subjektiven Wahrnehmung der Bürger. In der Regionalausgabe in Berlin ist der Pariser Platz die Schlossallee. In der Tat ist dieses Gebiet eine absolute Top-Lage in der Hauptstadt. Direkt am Brandenburger Tor gelegen, residieren hier die amerikanische Botschaft und das Adlon. Laut Internetportal Immobilienscout 24, das für Handelsblatt Online Durchschnittspreise- und mieten und Kaufpreise für die Monopoly-Ausgaben der sieben größten Städte analysierte, zahlen Käufer hier mehr als 6500 Euro pro Quadratmeter, wenn überhaupt eine Wohnung frei wird.

Kommentare (5)

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Herr Dirk Toedte

09.04.2015, 11:04 Uhr

Das Kottbusser Tor schreibt sich mit zwei "t".

Account gelöscht!

09.04.2015, 11:05 Uhr

Man(n) muss halt auch flexibel sein. Nachdem in meinem Umkreis (fast) alle interessanten Objekte vergriffen sind, wurde mir zum Beispiel jüngst eine 150 qm große Wohnung im Town-Haus-Stil in Kölner Best-Lage für 5.300 €/qm angeboten. Im Vergleich zu meiner Home-Zone geradezu geschenkt.

Nur eine Möglichkeit seine überschüssige Liquidität zu investieren, und das Immobilien-Portfolio (neben dem Aktien-Portfolio das 2. Standbein der Altersvorsorge) um den Ruhestand finanziell sorgenfrei ohne staatliche Almosen zu genießen.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Sergio Puntila

09.04.2015, 11:13 Uhr

Das verwendete Foto bereits weist auf einige Unterschiede zum Immo-Monopoly: in welche Richtung wird mit welchen Ertragserwartungen investiert?

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