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01.04.2014

10:29 Uhr

Immobilien

Makler im Kreuzfeuer

VonJens Hagen

Die Regierung will Immobilienmaklern das Geschäft stutzen. Die Masse applaudiert und überschüttet den Berufsstand mit Hohn und Spott. Die Makler sehen sich dagegen als Sündenbock. Wie ein Streit eskaliert.

Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik. Getty Images

Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik.

Wenn eine Berufsgruppe, um deren Image es nicht gerade zum Besten bestellt ist, von der Regierung einen auf den Deckel bekommt, dann ist die Freude groß. Im Zuge der Mietpreisbremse sind die Immobilienmakler dran.

Künftig soll das Bestellerprinzip gelten. „Mieter und Vermieter selbst entscheiden, ob sie einen Makler engagieren wollen und ihn dann auch bezahlen oder nicht“, sagt Jan-Marco Luczak, Immobilienexperte der CDU. „Wir wollen, dass das Prinzip der Marktwirtschaft auch für Wohnungsmakler gilt“. Wohnungsmakler sollen sich dem „Preis und Qualitätswettbewerb“ stellen.

Die Branche trifft das Gesetz hart. Im Gesetzentwurf rechnet das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz jedes Jahr mit einer Einsparung der Maklercourtage in Höhe von mehr als 570 Millionen Euro (Gesetzesentwurf zur Mietpreisbremse zum Download.). „Entlassungen oder sogar Insolvenzen sind die Folge, vor allem, wenn das Kerngeschäft in der Vermietung liegt“, sagt Christian Osthus, Bereichsleiter Recht beim Immobilienverband Deutschland (IVD), der auch die Makler vertritt. „Man kann davon ausgehen, dass es insgesamt zu Umsatzverlusten von 50 Prozent kommt“.

Die Ängste der Makler sorgen für große Schadenfreude in weiten Teilen der Bevölkerung. Das Dossier von Handelsblatt Online gibt einen Einblick in die Diskussion über Immobilienmakler. Die folgenden Seiten zeigen die Häme der Masse, die harsche Kritik der Mieterschützer, den Trotz der Immobilienlobby und die Geschäftsidee eines Unternehmers, der Immobilien ohne Makler vermittelt. Auch eine Maklerin meldet sich zu Wort.

So funktioniet die Mietpreisbremse

Obergrenze

Der 40-seitige Gesetzesentwurf von Justizminister Heiko Maas sieht vor, dass in gefragten Wohnlagen die Mieten bei Wiedervermietung nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen. Bislang können Eigentümer die Miethöhe beim Abschluss neuer Verträge praktisch frei festlegen.

Neubau

Neu errichtete und umfassend modernisierte Wohnungen sollen bei Erstvermietung von der Mietpreisbegrenzung ausgenommen sein.

Hohe Mieten

Wenn die bisherige Miete höher als die Vergleichsmiete war, soll der Vermieter diese Miete weiter verlangen können. Spätere Mieterhöhungen sind ebenfalls möglich; hier greifen dann die Regelungen für Mieterhöhungen bei bestehenden Verträgen in angespannten Wohnlagen: maximal 15 Prozent in drei Jahren.

Modernisierungen

Bei kleineren Modernisierungen können bislang bis zu elf Prozent der Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Diese Regelung will der Bundesjustizminister aber in einem zweiten Schritt verschärfen.

Staffelmieten

Hier muss jeder Betrag bei Fälligkeit auf Wirksamkeit überprüft werden.

Auswahl der Regionen

Die Länder sollen ermächtigt werden, Gebiete mit knappen Wohnungsmärkten auszuweisen. Bislang ist noch nicht klar, nach welchen Kriterien das geschehen soll.

Makler

Die Maklergebühr soll künftig vom Vermieter getragen werden.

Die Häme

Die Nachricht, dass es für Makler bei der Mietpreisbremse ärger kommt als gedacht, sorgte für große Freude. Handelsblatt Online hatte gemeldet, dass wegen einer juristischen Spitzfindigkeit im Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz Makler fast nur noch von Vermietern bestellt werden können. Die zusätzlichen Umsatzeinbrüche wären immens. „Makler sind für mich das allerallerletzte“, sagt ein Kommentator auf der Seite. „Denen den Garaus zu machen - alleine die Vorstellung bereitet mir unbändige Freude“.

Der Grund für die Abscheu sind häufig Klischees über den Berufsstand. „Völlig ungelernte Hilfsarbeiter im Anzug, mit Rolex und Oberklassewagen - und dann ganz, ganz wichtig“, schreibt der Kommentator. Vor allem der vermeintliche Wohlstand der Berufsgruppe wird kritisch beäugt. „In meiner Stadt besitzen alle Makler bis zu zehn Häuser. Sie könnten sofort ihren Maklerjob aufgeben und von ihrem Eigentum leben“, schreibt ein weiterer Leser. Eine befreundete Arzthelferin soll zur Maklerin umgesattelt haben. „Sie hat ohne Ausbildung innerhalb weniger Jahre Millionen verdient“.

Ein Leser berichtet von einem Besuch im Büro eines Maklers. An der Wand hing eine „spaßige Zeichnung“ die mit folgendem Kommentar versehen war: „Mit monatlich einer Immobilie, nährt der Makler sich und die Familie.“ Der Leser musste zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer an dem Makler abführen. „Das Lachen blieb mir im Halse stecken“, schreibt der Leser. „Nach der Ankündigung des neuen Gesetzes habe ich wieder ein freundliches Lächeln im Gesicht“.

Kommentare (31)

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01.04.2014, 10:44 Uhr

Die Vergütung der Makler steht kaum noch in Relation zur Leistung. Es ist ja nicht so, dass der Makler in einer Großstadt tagelange Recherchearbeit für den Provisionszahler=Mieter/Käufer liefern muss. Wenn ich als Kleinfamilie eine 3-4 Zimmerwohnung in mittlerer Lage erwerben möchte, dann bekommt der Makler bei knapp 5,95% Provision zwischen 20.000-50.000 Euro dafür, dass er mir 1-2mal die Türe zum Objekt aufschließt. Details bekomme ich vom Verkäufer. Man könnte diese 2-5 Stunden Arbeit ja auch mit einem Honorar von z.B. 50,-/Std. angemessen vergüten.

Mittlerweile gibt es ja sogar Konstellationen, wo der Makler Teil/Angestellter des Verkäufers (z.B. Immofirma) ist - da fragt man sich dann, welche Interessen vertreten werden.

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01.04.2014, 10:57 Uhr

Angemessene Vergütungen wird es nie geben. Man sehe die Künstler, Sportler, Manager, Experten und Politiker. Man sollte die Verpflichtung und Ersatzpflicht für Experten und Politiker einführen! Den Schaden, den Sie vorsätzlich anrichten ist immens.

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01.04.2014, 11:02 Uhr

Gemessen daran, daß ein Makler tatsächlich nicht für das, was er so vermakelt, in Regreß genommen werden kann, ist so ein Honorar schon horrend. Leid tun mir eigentlich nur die Menschen, die gezwungen sind oder werden, in solch teuere Gegenden zu ziehen. Da ist ja stellenweise das Pendeln günstiger...

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