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22.11.2015

16:16 Uhr

Immobilien

Makler war gestern

VonKathrin Witsch

Mit flotten Sprüchen versuchen Start-ups Immobilienmaklern den Job streitig zu machen. Seit es das Bestellerprinzip gibt, müssen sie um ihr Überleben kämpfen. Doch wo finden Wohnungssuchende den besten Deal?

Tür auf und Geld kassieren – so läuft das Immobiliengeschäft für Makler nicht mehr. Sie müssen sich der Konkurrenz von innovativen Start-ups stellen. IMAGO

Immobilienmakler

Tür auf und Geld kassieren – so läuft das Immobiliengeschäft für Makler nicht mehr. Sie müssen sich der Konkurrenz von innovativen Start-ups stellen.

FrankfurtIm Bruchteil einer Sekunde fliegen die Zahlen über den Bildschirm. Es ist zwar nur eine Simulation, aber die Summe ist real. Erst bei 866,6 Millionen Euro bleibt der Zähler stehen. So viel haben deutsche Immobilienmakler 2014 an Provisionen eingenommen – allein durch den Verkauf von Eigentumswohnungen. Verkauft wurden dabei 64343 Immobilien, das macht dann rund 13.468 Euro an Provisionseinnahmen pro Wohnung.

Der Urheber dieser Rechnung möchte beeindrucken – das Ganze ist eine Werbeaktion der Immobilienplattform Vendomo. Unter dem neunstelligen Betrag der Makler-Einnahmen läuft ein zweiter Zähler, der das Ganze mit einem Festpreis für die Vermittlungsleistung pro Immobilie gegenrechnet. Bei 2900 Euro pro verkaufter Immobilie hätten Makler im gleichen Zeitraum nur 187 Millionen Provision erhalten. Oder anders gerechnet: Alle Käufer zusammen hätten rund eine Dreiviertel-Milliarde Euro Maklergebühren gespart.

Was Mieter und Vermieter über das Bestellerprinzip wissen müssen

Um was geht es beim Bestellerprinzip für Makler?

Bislang kann ein Vermieter oder Immobilienverkäufer einen oder mehrere Makler mit der Vermittlung beauftragen, zahlen musste aber regelmäßig nur der Mieter bzw. der Käufer. Das Bestellerprinzip besagt vereinfacht, dass künftig derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt hat. Vorerst findet dieses Prinzip jedoch auf dem Mietmarkt Anwendung. Für Immobilienkäufer und -verkäufer bleibt alles beim alten.

Warum ändert die Bundesregierung die bisherigen Regeln?

Viele Mieter empfinden die bisherige Regelung als ungerecht. Sie müssen einen Makler bezahlen, von dessen Dienstleistung sie kaum profitieren. Aus Ihrer Sicht sind in der bislang gängigen Praxis horrende Beträge für ein oder zwei Wohnungs- bzw. Hausbesichtigungen fällig, wenn es zum Vertrag kommt. Die eigentliche Vermittlungsleistung eines Maklers ist aber vor allem für den Auftraggeber hilfreich, weil sie ihm viel Aufwand erspart. Bezahlen muss sie jedoch der Mieter.

Gab es vor der Gesetzesnovelle gar kein Bestellerprinzip?

Wenn Wohnungssuchende einen Makler mit der Suche nach einer geeigneten Immobilie beauftragt haben, mussten sie auch vor der Gesetzesnovelle schon die Maklerkosten übernehmen. Oftmals anzutreffen ist auch die provisionsfreie Vermittlung von Neubauten, weil der Bauträger die Vermittlung durch eigenes Personal oder aber die Maklerkosten für einen externen Makler übernahm. Allerdings ist dann davon auszugehen, dass diese Kosten in den aufgerufenen Preisen für Häuser und Wohnungen einkalkuliert sind.

Wo ist das Bestellerprinzip für Immobilienmakler geregelt?

Das Bestellerprinzip ist im Rahmen des Mietrechtsnovellierungsgesetz (MietNovG) geregelt, das unter anderem auch die Mietpreisbremse einführt.

Ab wann gilt das Bestellerprinzip?

Das Gesetz tritt am 1. Juni 2015 in Kraft. Ab diesem Stichtag bezahlt grundsätzlich derjenige den Makler, der ihn beauftragt hat. Die Regelung ist auf den Mietmarkt beschränkt. Der Immobilienverband IVD, in dem etwa 6000 Makler organisiert sind, fordert noch eine Übergangsfrist. Umstritten ist etwa, wie mit Makleraufträgen umgegangen werden muss, die vor Inkrafttreten des Gesetzes vergeben wurden.

Was ändert sich für Mieter?

Für Mieter ist zukünftig zumindest finanziell egal, ob eine Wohnung vom Makler oder vom Vermieter selbst angeboten wird. Die Maklerprovision; auch Courtage genannt; entfällt. Derzeit wird noch rund die Hälfte der Wohnungen in Deutschland durch Makler vermittelt, schätzt der Immobilienverband IVD.

Wann müssen Mieter den Makler trotzdem bezahlen?

Ab dem 1. Juni 2015 zahlen Mieter den Makler nur noch, wenn sie ihn beauftragt haben und – wichtige Zusatzbedingung – der Makler daraufhin eine Wohnung anbietet, die niemandem sonst angeboten hat.

Was ändert sich für Vermieter?

Da für Vermieter die Beauftragung eines Maklers bisher meist kostenlos war, ihnen aber viel Aufwand, Zeit und ein strapaziertes Nervenkostüm ersparte, war für sie die Beauftragung eines Maklers bisher ohne Nachteile. Muss nun der Auftraggeber den Makler zahlen, dürften viele Vermieter auf seine Dienste verzichten und sich selbst um Inserate, Terminabsprachen, Wohnungsbesichtigungen und Vertragsvorbereitungen kümmern. Zumindest rechnet die große Mehrheit der Immobilienmakler damit, dass durch das Bestellerprinzip die Vermittlung in Eigenregie deutlich zunehmen wird.

Mit welchen Konsequenzen rechnet die Maklerbranche?

Einer Umfrage der Immobilienplattform immowelt.de zufolge rechnen 69 Prozent der Makler damit, dass sich das Bestellerprinzip negativ auf ihr Geschäft auswirken wird. Beim Immobilienportal Immobilienscout24 rechnen die Fachleute mit einem Rückgang der Aufträge durch Vermieter um 40 Prozent. Vor allem in begehrten Großstadtlagen dürften Makler Geschäft einbüßen. Dort haben sie bislang leichtes Spiel, da dort die Nachfrage von Mietern meist größer ist als das Angebot. Für Vermieter wird es dort leichter, auf eigene Faust Interessenten aufzutun und sich daher zweimal überlegen, ob sie die Maklercourtage zu zahlen bereit sind. Viele Makler dürften sich daher zunehmend auf gefragte Service-Leistungen – etwa Lageanalyse, Immobilienbewertung und Verkaufsberatung – konzentrieren.

Was ändert sich in Wohnungsanzeigen?

Insgesamt dürfte die Zahl der Suchanzeigen deutlich zunehmen. Schreckten bisher viele davor zurück, weil sich vorrangig Makler meldeten, ist das ab dem 1. Juni für die Übernahme der Maklerkosten bedeutungslos. Provisionshungrige Makler benötigen erst einen Auftrag von den Wohnungssuchenden, damit sie die Courtage verlangen können. In der Regel dürfte der Auftrag zur Wohnungsvermittlung von den Vermietern kommen.

Rund 80 Prozent ihrer Einnahmen erzielen Maklerhäuser nach Branchenschätzungen mit dem Verkauf von Wohnungen und Mietshäusern und nur 20 Prozent mit der Wohnungsvermietung. Das hilft einigen über die Runden, die Einbrüche beim Vermietungsumsatz erleben, seit das Bestellerprinzip bei der Wohnraumvermittlung gilt. Es wurde am 1. Juni eingeführt und besagt: Wer einen Makler bestellt, der muss ihn auch bezahlen. Das Gesetz ist so ausgestaltet, dass in der Praxis nahezu ausnahmslos der Vermieter Besteller ist und die Makler-Courtage zahlen muss. Deshalb versuchen nun viele Vermieter ihre Wohnungen auf eigene Faust zu vermieten.

Für findige Jungunternehmer war die, nur die Wohnungsvermietung betreffende, Gesetzesänderung allerdings das Startsignal, um mit neuen Ideen den Maklermarkt aufzumischen. Nicht Telefonate, persönliche Gespräche im Maklerbüro oder bei der Wohnungsbesichtigung vor Ort, bringen Vermieter und Mieter zusammen, sondern Algorithmen, die wie bei einer Partnerbörse testen, wer zu wem passt.

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