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05.05.2014

16:08 Uhr

Immobilien

Mietpreisbremse ärgert Investoren

VonJens Hagen

ExklusivEigentlich sollte die Mietpreisbremse den Mietern in Metropolen helfen. Das Gegenteil ist der Fall, Immobilienprofis fahren ihre Investitionen zurück. Der Zeitplan gerät in Gefahr. Womit Mieter rechnen müssen.

Investoren denken um Weil die Zinsen historisch niedrig sind und es nur wenige sichere Investitionsmöglichkeiten gibt, parken immer mehr Anleger ihr Geld in Betongold. Besonders in Toplagen – also in Metropolen wie München oder Hamburg, aber auch in Unistädten wie Regensburg oder Freiburg – fällt es ihnen inzwischen schwer, hohe Renditen zu erzielen. Deshalb rücken Lagen aus der zweiten Reihe, so genannte „B-Städte“, zunehmend in den Fokus von Investoren. Dort sind die Immobilien noch vergleichsweise günstig und die Mieten steigen. Aber ein Run auf die Häuser bleibt noch aus. Die Vermögensberatungsgesellschaft Feri hat die Chancen und die Risiken für Investitionen in Immobilien von B-Städten untersucht. Sie zeigt, was es zu beachten gibt, wenn man Häuser und Wohnungen außerhalb boomender Großstädte kaufen möchte. Getty Images

Investoren denken um
Weil die Zinsen historisch niedrig sind und es nur wenige sichere Investitionsmöglichkeiten gibt, parken immer mehr Anleger ihr Geld in Betongold. Besonders in Toplagen – also in Metropolen wie München oder Hamburg, aber auch in Unistädten wie Regensburg oder Freiburg – fällt es ihnen inzwischen schwer, hohe Renditen zu erzielen. Deshalb rücken Lagen aus der zweiten Reihe, so genannte „B-Städte“, zunehmend in den Fokus von Investoren. Dort sind die Immobilien noch vergleichsweise günstig und die Mieten steigen. Aber ein Run auf die Häuser bleibt noch aus. Die Vermögensberatungsgesellschaft Feri hat die Chancen und die Risiken für Investitionen in Immobilien von B-Städten untersucht. Sie zeigt, was es zu beachten gibt, wenn man Häuser und Wohnungen außerhalb boomender Großstädte kaufen möchte.

DüsseldorfIm Wahlkampf war die Mietpreisbremse noch eines der publikumswirksamsten Projekte der SPD. Damit sie jetzt nicht floppt, legt sich Heiko Maas nun ordentlich ins Zeug. „Wohnungen sollen auch in Ballungsräumen bezahlbar bleiben“, sagt der Bundesjustizminister. „Deswegen darf die Miete bei Wiedervermietungen nicht über zehn Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden.“

Nach zum Teil vernichtender Kritik aus der Immobilienbranche, der Opposition und des Koalitionspartners, geht Maas bei seinem Renommierprojekt in den Verteidigungsmodus über. Das Projekt ist auch für ihn persönlich wichtig. Sein Ministerium setzt die Mietpreisbremse um. Schafft es Maas nicht, daraus einen Erfolg zu machen, verspielt er Ansehen und Aufstiegschancen. „Wir wollen die Preisbremse nur in Ballungsräumen anwenden - zunächst auf fünf Jahre begrenzt“, beschwichtigt Maas. Sie soll auch nicht bei Neubauten und Neuvermietungen greifen. „Das ist nicht zu viel, sondern eine sehr ausgewogene Regelung.“

Die Auswirkungen der Mietpreisbremse

Wie wird sich Mietpreisbremse auf Wohninvestmentmarkt auswirken?

Leichte Investitionsrückgänge: 50 Prozent
Keine Auswirkungen: 30 Prozent
Starke Investitionsrückgänge: 20 Prozent
Steigende Investitionen: 0 Prozent
Umfrage des Bankhauses Ellwanger&Geiger unter 36 Immobilien AGs.

Wo erwarten Sie Investitionsrückgänge?

In den Top-7-Standorten*: 70 Prozent
In Ballungsräumen abseits der Top-7: 20 Prozent
Keine Rückgänge: 30 Prozent

*(Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Düsseldorf)

Wegen der Mietpreisbremse werden Investoren...

... weniger investieren als zuvor: 80 Prozent
... genauso viel investieren wie zuvor: 20 Prozent
... mehr investieren als zuvor: 0 Prozent

Ob das Projekt für Maas gut ausgeht, bleibt abzuwarten. Der Koalitionspartner mahnt bereits handwerkliche Fehler an und warnt, dass der Zeitplan in Gefahr sei. Und eine Umfrage, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt, zeigt, dass die Mietpreisbremse genau das Gegenteil dessen bewirken könnte, was sich Maas und die Kollegen aus Regierung und Ministerium erhoffen.

Die Privatbank Ellwanger & Geiger befragte die zehn führenden börsennotierten Immobiliengesellschaften in Deutschland, die mehrere hunderttausend Wohnungen in Deutschland stellen. „Die Zielgruppe gilt als Frühindikator im Wohnungsmarkt, weil sie besonders wendig auf Veränderungen im Markt reagiert“, sagt Helmut Kurz, Initiator der Studie beim Stuttgarter Bankhaus.

70 Prozent der Befragten erwarten Rückgänge bei den Investitionen auf dem Wohnungsmarkt. Betroffen sind vor allem die Regionen, in denen die Mietpreisbremse mit größter Wahrscheinlichkeit eingeführt wird. Acht von zehn Befragten erwarten einen Rückgang der Investitionen in den Top-7-Standorten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Köln und Düsseldorf.

Laut neuestem Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz soll bei Bestandsobjekten in solchen „angespannten Wohnungsmärkten“ die Miete bei einer wiedervermieteten Wohnung nur maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. „Die Mietpreisbremse ist in der jetzigen Form schlicht kontraproduktiv“, sagt Kurz (Gesetzesentwurf zur Mietpreisbremse zum Download).

Kommentare (23)

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05.05.2014, 13:14 Uhr

Es ist typisch für die sozialistische Idee, "den Markt" als Problem zu sehen und deshalb mit Gesetzen in den Markt eingreifen zu wollen.

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Es ist genau der freie Markt und die freie Preisbildung, die einen Ausgleich herbeiführt: Steigen die Preise sorgen einerseits Investoren für mehr Angebot, anderseits weicht ein Teil der Mieter/Käufer auf andere Gegenden aus.

Wenn man die Marktmechanismen nun staatlich verhindert, verschärft man das Problem, verschlechtert die Lage.

Account gelöscht!

05.05.2014, 13:19 Uhr

Mietpreisbremse? In Berlin waren es die Politiker, die den sozialen Wohnungsbau abschafften. Die staatlichen Wohnungsbaugesellschaften ließen sofort die Mieten explodieren ( DEGEWO verdreifachen). Ich zog daraufhin aus. Aktuelle erhöhen wieder die Mieten um 3%. Bedeutet Bremse jetzt: Explodieren lassen wie bei den Energiekosten??

Account gelöscht!

05.05.2014, 13:32 Uhr

Die SOZIS kennen leider nur die Planwirtschaft, dabei müßten sie doch wissen, dass jeder Eingriff in den Markt zum Scheitern verurteilt ist.

Man muß kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Mieten jetzt erst recht (und das bundesweit, nicht nur in München & Co)explodieren werden; neben der Exlosion der Strompreise, wogegen die SPD ebenfalls nichts unternimmt, wird es jetzt für die Mieter recht unbehaglich.

Die Quittung erhält die SPD für ihr bürgerfeindliches mit-regieren bereits am 25. Mai; einmal looser, immer looser.

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