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29.06.2016

15:43 Uhr

Immobilien nach dem Brexit

„Wir sind froh, dass wir nicht gekauft haben“

VonReiner Reichel

Der Entscheidung für den Brexit hat eine Schockwelle durch die Immobilienwirtschaft geschickt. Gebäude müssen abgewertet werden, Anlegern offener Immobilienfonds drohen Renditeeinbußen.

Passanten vor der Skyline der britischen Hauptstadt. AFP; Files; Francois Guillot

Gebäude in London

Passanten vor der Skyline der britischen Hauptstadt.

HamburgDie Immobilienbranche ist vom britischen Abschied aus der Europäischen Union überrascht worden – das ist der einhellige Tenor auf der Handelsblatt Jahrestagung Immobilienwirtschaft am Mittwoch in Hamburg. Der Brexit trifft auch Privatanleger, die in den vergangenen Monaten in offenen Immobilienfonds ein Mittel gegen Nullrenditen bei Sparanlagen gesehen hatten und Milliarden investiert haben.

Immobilien in Großbritannien müssten von den Fonds abgewertet werden. „Zehn Prozent werden es sein“, sagt Frank Pörschke, Deutschland-Chef des Immobiliendienstleisters JLL. Offene Immobilienfonds für Kleinanleger haben rund acht Milliarden Euro in Großbritannien investiert, weit überwiegend in London. Für sie bedeutet der Brexit also einen zumindest zeitweisen Wertverlust von etwa 800 Millionen Euro.

Wer jüngst Objekte geprüft hat, kann durchatmen, wenn er nicht zugeschlagen hat. „Wir haben uns Projekte in London angesehen, die noch nicht vermietet waren“, so Frank Billand, Manager beim Fondsanbieter Union Investment Real Estate der Volks- und Raiffeisenbanken. „Wir sind froh, dass wir sie nicht gekauft haben.“

So verteilt sich das Vermögen auf deutsche Haushalte

5. Perzentil – ärmste fünf Prozent

Bruttovermögen: 100 €
Nettovermögen: minus 3.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 7.500 €

Das 5. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

10. Perzentil

Bruttovermögen: 700 €
Nettovermögen: 0 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 9.600 €

Das 10. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

20. Perzentil

Bruttovermögen: 5.200 €
Nettovermögen: 2.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 14.300 €

Das 20. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

30. Perzentil

Bruttovermögen: 14.200 €
Nettovermögen: 10.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 17.800 €

Das 30. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

40. Perzentil

Bruttovermögen: 33.200 €
Nettovermögen: 27.100 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 21.100 €

Das 40. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

50. Perzentil (Median)

Bruttovermögen: 77.200 €
Nettovermögen: 60.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 23.900 €

Der Median teilt Deutschland in zwei Hälften: Wer mehr hat, gehört zu reicheren Hälfte. Wer weniger hat, gehört zur ärmeren Hälfte. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

60. Perzentil

Bruttovermögen: 142.700 €
Nettovermögen: 111.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 27.800 €

Das 60. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

70. Perzentil

Bruttovermögen: 216.100 €
Nettovermögen: 174.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 33.100 €

Das 70. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

80. Perzentil

Bruttovermögen: 315.600 €
Nettovermögen: 274.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 39.600 €

Das 80. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

90. Perzentil

Bruttovermögen: 522.000 €
Nettovermögen: 468.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 50.300 €

Das 90. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

95. Perzentil - reichste fünf Prozent

Bruttovermögen: 816.500 €

Nettovermögen: 722.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 60.000 €

Das 95. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

Das Pfund hat seit vergangener Woche rapide an Wert verloren und notiert am Mittwoch bei 1,3425 Dollar nach noch 1,50 Dollar vor weniger als einer Woche. Außerdem sind Zweifel laut geworden, dass London vor allem für die Finanzbranche an Attraktivität verlieren könnte. Das heißt, das wichtige Mieter aus der Londoner City abwandern könnten.

Für Blackstone-Deutschland-Vertreter Andreas Hardt wird London trotz des schwachen Pfunds kein Schnäppchenmarkt für neue Käufe – auch wenn London derzeit für Investitionen billiger sei als München, sagte er auf der Konferenz. Einzig mittelfristig werde London ein wichtiger Markt für die Branche bleiben, hieß es auf der Tagung.

Handelsblatt Jahrestagung Immobilienwirtschaft in Hamburg. Stefanie Hergenröder EUROFORUM

Rede von Bundestagsmitglied Ulrich Kelber

Handelsblatt Jahrestagung Immobilienwirtschaft in Hamburg.

Grund für die Verunsicherung: Die Briten hätten offensichtlich keinen Plan haben, wie es weitergehen solle. Andreas Hard, Geschäftsführer Blackstone PM (Germany) und Union-Geschäftsführer können sich ein zweites Referendum vorstellen, in dem über die Abkehr vom Ausstieg entschieden werden könnte.

Trotz des Chaos in der britischen Politik und der Unruhe an den Finanzmärkten, versicherte JLL-Manager Pörschke: „Es droht kein neues 2008.“ Die Pleite der US-Investmentbank Lehmans hatte im Herbst 2008 die Finanzmärkte ins Chaos gestürzt und die Immobilienmärkte mitgerissen. Deutsche Immobilien-Kleinanleger traf die Schließung mehrerer offener Immobilienfonds besonders hart. Sie mussten später abgewickelt werden, ein Prozess der bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Anleger verloren bis zur Hälfte ihres Immobilienfonds-Vermögens.

Kommentare (18)

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29.06.2016, 15:52 Uhr

Endlich kehrt wieder etwas Normalität in die Londoner City ein. Die Mieten wären sonst immer weiter nach oben geschossen. Der Brexit kommt hier einen reinigenden Gewitter gleich.
Der Wasserkopf der EU-Lobby Mafia wird sich Schritt für Schritt aus GB zurückziehen. Und somit eine entspannung am Immobilienmarkt bringen. Gut für GB und deren Bevölkerung. Schlecht für die Finanz-Immobilienspekulanten. Die werden aber bald wieder eine neue Stadt als Opfer ausmachen. Evtl. Frankfurt oder Paris...vielleicht auch München oder Berlin....da ist noch Luft nach oben..;)

Account gelöscht!

29.06.2016, 16:19 Uhr

Persönlich (und alle andern Immobilienbesitzer in der schönsten Stadt Deutschlands) würde es sicher sehr freuen, wenn wir in Frankfurt in den nächsten Jahren ein ähnliches Preisgefüge, wie in LDN zu besten Zeiten, bekommen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden.

Account gelöscht!

29.06.2016, 16:22 Uhr

Mich persönlich (und alle andern Immobilienbesitzer in der schönsten Stadt Deutschlands) würde es sicher sehr freuen, wenn wir in Frankfurt in den nächsten Jahren ein ähnliches Preisgefüge, wie in LDN zu besten Zeiten, bekommen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden.

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