Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2014

13:50 Uhr

Immobilien

Niedrige Zinsen, hohe Preise

VonJens Hagen

Erst Bundesbankchef Weidmann, dann Bundesfinanzminister Schäuble, nun die EZB: Die Warner vor einer Immobilienblase werden mehr. Vier Profis beantworten Fragen zu den Auswirkungen des Zinstiefs auf den Immobilienmarkt.

Fujitsu Building in München: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen.“ dpa/picture-alliance

Fujitsu Building in München: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen.“

Beim Blick auf die Immobilienpreise in den Metropolen wird mittlerweile nicht nur Kleinfamilien auf der Suche nach dem Eigenheim allmählich schwindlig. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bemerkt bei den Preisen von Immobilien Anzeichen „die gefährlich sind“. „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig“, so Schäuble.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt: „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase“. Weidmann sieht den Grund ebenfalls in den niedrigen Zinsen, laut Bundesbank sollen Immobilien in den Ballungsräumen inzwischen um bis zu 25 Prozent überbewertet sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) legt nach. „Unsere Analysen und die des Internationalen Währungsfonds deuten darauf hin, dass es in einigen speziellen Immobilienmärkten Anzeichen für eine Überhitzung geben könnte“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Montag in Frankfurt.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

Die Notenbanker schreiben in ihrem Monatsbericht Juni: „Die gegenwärtige Situation auf den Immobilienmärkten ist durch eine hohe, weiter steigende Nachfrage nach Wohnraum gekennzeichnet, die sich auf nachhaltig verbesserte Aussichten für Beschäftigung und Einkommen und die damit einhergehende hohe Zuwanderung gründet und durch die äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen zusätzlich gestützt wird.“ Auch wenn inzwischen mehr Neubauten entstünden, könne die steigende Nachfrage gerade in den Ballungszentren nicht befriedigt werden. Die Folge: Die Immobilienpreise ziehen weiter kräftig an.

Wie die Preise seit der Finanzkrise gestiegen sind, zeigt eine Auswertung des Verbandes der Pfandbriefbanken für Handelsblatt Online: In München, Hamburg, Berlin und Frankfurt legten die Preise für eine Eigentumswohnung seit 2007 zwischen 24 und 38 Prozent zu. Der Zins für Baugeld sank im gleichen Zeitraum rasant – von fünf auf 2,8 Prozent. Und Mario Draghi hat durchblicken lassen, dass die Zinsen der Europäischen Zentralbank wohl noch für mindestens weitere zweieinhalb Jahre niedrig bleiben werden.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnt: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen. Das gilt aber nur, so lange das Zinsniveau so unnatürlich niedrig ist.“ Früher oder später rechnet Kater daher mit einer Korrektur an den Immobilienmärkten.

Auch wenn zahlreiche Marktkenner für Deutschland in puncto Immobilienblase Entwarnung geben – das Institut der Deutschen Wirtschaft wies kürzlich darauf hin, das die Preise nicht flächendeckend sondern nur in den Ballungszentren steigen, die Preissteigerungen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern moderat seien und von einer Kreditblase wegen der hohen Eigenkapitalanteile keine Rede sein könne –, sollten Immobilienbesitzer, Kaufinteressenten und Mieter die Lage im Auge behalten. Für Handelsblatt Online beantworten vier Immobilienprofis die wichtigsten Fragen zum Zinstief und Immobilienmarkt.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.06.2014, 15:11 Uhr

Schäuble, leider der unfähigste Finanzminister, den Deutschland je hatte (er schafft trotz massiv sprudelnder Steuereinnahmen und Null-Zins am Markt nicht einmal einen ausgeglichenen Haushalt)braucht nicht so scheinheilig vor der sich bildenden Blase am Immobilienmarkt zu warnen; so ein Philister!!

Schäuble ist in großem Maß mitverantwortlich für diese unsägliche Zinspolitik, er opfert die hart erarbeiteten Vermögenswerte der Deutschen ( Altersvorsorge auf Sparbuch oder Immobilie) kalt lächelnd auf dem Altar einer total verfehlten Zinspolitik.

Deutsche zahlen mit ihrer Altersvorsorge für reformunwillige sowie reformunfähige "Südstaaten".

Südliche lethargische Entwicklungsländer und hoch produktive Industriestaaten im Norden können nun einmal nicht in eine Währung gepresst werden, das ist eine Binsenweisheit, aber Schäuble opfert lieber das Vermögen der Deutschen (unsere Volksvertreter sollen doch die Interessen der Bürger vertreten und sie nicht verraten !!).

Account gelöscht!

23.06.2014, 15:41 Uhr

Selbst in Deutschland nimmt die Produktivität eher ab als zu. Die ganzen Minderleister werden zu Dumpingbedingung in den Arbeitsmarkt gepresst. Da geht halt die Produktivität flöten. DE geht es im Wettbewerb nur so gut, weil hier die Unternehmen am brutalsten nach Osteuropa und Asien ausgelagert haben, und dabei noch von niedrigeren Zinsen als unsere Nachbarn profitiert haben. In der Südschiene haben das die Gewerkschaften verhindert. Als Nebeneffekt hat man aber den Konsum kaputt gemacht. Bricht noch einmal der Export wie nach der Lehmann Pleite ein, wird das Deutschland am härtesten Treffen. Die DE Politische und Wirtschaftliche Elite feiert sich nur 24h lang selber. Daher sehen die auch nicht die unschönen Realitäten.

Account gelöscht!

23.06.2014, 15:59 Uhr

@tolbiac

"Schäuble ist in großem Maß mitverantwortlich für diese unsägliche Zinspolitik, er opfert die hart erarbeiteten Vermögenswerte der Deutschen ( Altersvorsorge auf Sparbuch oder Immobilie) kalt lächelnd auf dem Altar einer total verfehlten Zinspolitik."

Ich persönlich mag Herr Schäuble nicht, doch was Sie da schreiben ist nicht wahr. Nicht wahr, wie in... es ist falsch! Den Vermögenswerten geht es gar nicht schlecht. Deutsche werden Jahr um Jahr reicher. Und besonders Immobilien gewinnen an Wert, wenn Sie die Überschrift überhaupt gelesen hätten.


@Beebo12

"DE geht es im Wettbewerb nur so gut, weil hier die Unternehmen am brutalsten nach Osteuropa und Asien ausgelagert haben, und dabei noch von niedrigeren Zinsen als unsere Nachbarn profitiert haben."

Das ist auch nicht wahr. Die Inflation und die Zinsen sind in Osteuropa und Asien viel höher als in Deutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×