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08.07.2012

11:16 Uhr

Immobilien

Ohne Siegel kein Geschäft

VonChristian Hunziker

Immer mehr Gebäude tragen mittlerweile ein Zertifikat für Nachhaltigkeit. Für Anleger sind die meisten Labels zwar keine Garantie für gute Rendite. Als Verkaufsargument taugen die Testate aber allemal.

„Grüne“ Immobilien gewinnen an Popularität. dpa

„Grüne“ Immobilien gewinnen an Popularität.

BerlinNachhaltig, energieeffizient und zertifiziert - mit diesen Attributen lässt sich die Beteiligung an einer Immobilie offenbar besonders gut an private Anleger verkaufen. Während die Ratingagentur Scope im Jahr 2009 erst drei geschlossene Immobilienfonds zählte, die das Geld der Investoren in ein mit einem Nachhaltigkeitszertifikat versehenes Bürogebäude investierten, waren es 2010 bereits elf und 2011 sogar schon 15.

„Für die Vermarktung einer Immobilie", so das Scope-Fazit, „werden Nachhaltigkeitslabels immer wichtiger." Das bestätigt Thomas Kühl, Generalbevollmächtigter von Wölbern Invest: „Es erleichtert den Vertrieb eines Fonds, wenn man ein Zertifikat als Aushängeschild hat." Wölbern setzt noch aus einem weiteren Grund auf zertifizierte Green Buildings: Sie seien „zukunftsfähige Immobilien, die von Mietern und Investoren stark nachgefragt werden".

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Energieeffizienz. „Sie hält die Nebenkosten niedrig", erläutert Joachim Seeler, Vorstand des Hamburger Emissionshauses Lloyd Fonds. „Das schafft Spielraum für die Erhöhung der Kaltmiete und damit für die Rendite unserer Anleger." Soll man als Anleger also darauf vertrauen, dass eine mit einem der nationalen Nachhaltigkeitssiegel - dem deutschen DGNB, dem US-amerikanischen Leed oder dem britischen Breeam - ausgezeichnete Immobilie ein sicheres Investment ist?

Ganz so einfach ist es nicht. „Energieeffizienz ist nicht mit einem Zertifikat gleichzusetzen", gibt Joachim Seeler zu bedenken. Denn zum einen beurteilen die Nachhaltigkeitslabels nicht nur den energetischen Standard eines Gebäudes, sondern auch Aspekte wie den Nutzerkomfort, das Vorhandensein von Fahrradstellplätzen und die architektonische Qualität.

Zum anderen hat Seeler die Erfahrung gemacht, „dass ältere Gebäude, wenn sie saniert sind, oft niedrige Energieverbrauchswerte von deutlich unter 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr haben" - und das ganz ohne Zertifikat. Umgekehrt „sind die Betriebskosten bei einem zertifizierten Gebäude nicht unbedingt besonders niedrig", betont die Nachhaltigkeitsexpertin Gabriele Lüft.

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