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26.01.2016

10:15 Uhr

Immobilien

Raus aus teuren Baukrediten

VonHeike Jahberg
Quelle:Tagesspiegel

Ein Kredit ist schnell abgeschlossen. Doch noch Jahre später können viele Kunden ihre Kreditverträge widerrufen. Soll das so bleiben? Die Regierungskoalition ist uneins, die Reform stockt.

Baukredite sind derzeit wegen der Niedrigzinsen besonders günstig - viele Häuslebauer sitzen aber noch auf teuren Altverträgen. dpa

Immobilienkauf

Baukredite sind derzeit wegen der Niedrigzinsen besonders günstig - viele Häuslebauer sitzen aber noch auf teuren Altverträgen.

Das lohnt sich: „Mein Streit mit der Bank endete mit einem Vergleich“, freut sich Bankkunde S. „Ich werde aus dem Altvertrag entlassen, zahle keine Vorfälligkeitsentschädigung und erhalte eine Anschlussfinanzierung zu 1,97 Prozent Zins“, schreibt der Mann auf der Internetseite der Verbraucherzentrale (VZ) Hamburg. Ersparnis: 114.000 Euro.

So wie Herr S. könnten auch viele andere Verbraucher aus teuren Baukrediten aussteigen. Der Joker heißt: Widerruf. Seit November 2002 steht Kreditnehmern beim Abschluss von Immobilienkrediten nämlich ein Widerrufsrecht zu. Eigentlich ist das auf 14 Tage beschränkt. Haben Banken und Sparkassen aber über dieses Recht nicht richtig oder nicht vollständig informiert, ist der Widerruf unbegrenzt lange möglich.

Genau das, so haben die Hamburger Verbraucherschützer herausgefunden, war lange Zeit der Normalfall. „Gut 80 Prozent der Widerrufsbelehrungen sind nicht in Ordnung, die Kreditverträge sind damit widerrufbar“, sagt Alexander Krolzik, Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentrale. Vor allem Verträge bis 2010 sind betroffen. Danach haben die Kreditinstitute nachgebessert.

Häuslebauer oder -käufer können sich die Fehler der Branche zunutze machen, indem sie ihre Verträge widerrufen – und viel Geld sparen. Sie können aus laufenden, teuren Darlehen aussteigen und sich mit einem neuen Vertrag die aktuell niedrigen Zinsen sichern. Und das alles, ohne die Vorfälligkeitsentschädigung zu bezahlen, mit der sich die Institute üblicherweise für den vorzeitigen Ausstieg ihrer Kunden entschädigen lassen. Und die geht ins Geld. Von fünfstelligen Beträgen berichtet Krolzik.

Der Kreditwirtschaft gefällt der „ewige Widerruf“ nicht. Von Missbrauch ist die Rede und von findigen Beratern, die den „Widerrufsjoker“ instrumentalisieren. Die Sache ist ernst. Denn immer mehr Kunden interessieren sich für die Möglichkeit des lukrativen Ausstiegs. 40.000 Anfragen hatte allein die VZ Hamburg. Daneben haben sich 22 Rechtsanwaltskanzleien zu einer „Arbeitsgruppe Widerruf“ zusammengeschlossen und vertreten weitere 8000 bis 9000 Mandanten.

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