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17.06.2015

14:34 Uhr

Immobilien

Reiche Asiaten auf Einkaufstour in Flensburg

Während der deutsche Michel schläft, gehen ausländische Investoren kräftig auf Schnäppchenjagd und kaufen deutsche Immobilien. Der schwache Euro wirkt dabei wie eine Geldspritze. Wo die Renditejäger jetzt zugreifen.

Reiche Asiaten stehen auf die Stadt an der dänischen Grenze. Imago

Flensburger Altstadt

Reiche Asiaten stehen auf die Stadt an der dänischen Grenze.

SingapurStephen Diggle, dessen Hedgefonds aus Singapur in den Tiefen der globalen Finanzkrise noch einen Milliardengewinn erwirtschaftet hatte, besucht diese Woche die deutsche Stadt Flensburg. Er setzt darauf, dass der seit zwölf Monaten währende Euro-Kursrückgang sich seinem Ende nähert, und schaut sich dort nach interessanten Immobilien um.

Die Euro-Abwertung gegenüber allen führenden Währungen aus Asien in diesem Jahr hat einige Objekte im Euroraum für Investoren von China über Malaysia bis hin nach Thailand und Singapur zu Schnäppchen gemacht. Diggles Fonds hat bereits mehr als 1200 Wohnungen in Deutschland gekauft, darunter viele in der Stadt nahe der dänischen Grenze. Und er will mehr kaufen.

„Europa beginnt sich wirtschaftlich von der scheinbar endlosen Schwächephase zu erholen. Es macht sich somit der Eindruck breit, dass der Euro nicht immer weiter gegenüber anderen Währungen fallen wird“, sagte Diggle, Leiter des Family Office Vulpes Investment Management, vor seiner Reise. „Es gibt einen gewissen Anreiz, lieber früher zu handeln als abzuwarten.“

Wer im Ausland nach deutschen Immobilien sucht

Die ausländischen Käufer

Deutsche Immobilienvertriebe verkaufen bereits bis zu 40 Prozent ihrer Wohnungen an Kapitalanleger im Ausland. Die Suche ist Dank Internet einfach. Die Motive der Käufer sind unterschiedlich. Manche suchen schlicht nach einer Ferienwohnung. Anleger aus Krisenländern dagegen suchen oft nach Möglichkeiten, ihr Geld zu retten. Die Mitglieder der folgenden Staaten suchen im Internet am häufigsten nach deutschem Betongold. Quelle: realbest.de

Polen

Anzahl der Suchanfragen: 1450

Frankreich

Anzahl der Suchanfragen: 1290

USA

Anzahl der Suchanfragen: 650

Brasilien

Anzahl der Suchanfragen: 420

Italien

Anzahl der Suchanfragen: 230

Schweden

Anzahl der Suchanfragen: 190

Spanien

Anzahl der Suchanfragen: 160

Portugal

Anzahl der Suchanfragen: 120

Diggle ist nur einer der vermögenden Investoren aus Asien, die auf ein Ende des Euro-Verfalls setzen und sich nach Schnäppchen umschauen. Die Optionspreise legen nahe, dass der Euro während des kommenden Jahres gegenüber drei der acht am meisten gehandelten Währungspendants aus Asien aufwerten dürfte.

Die grenzüberschreitenden Investments von Asiaten in Liegenschaften zogen im ersten Quartal auf 8,6 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) an. Das war der aktivste Jahresauftakt seit die Region 2013 mit einem größeren Vorstoß in Auslandsimmobilien begonnen hatte, erklärte CBRE Group aus Los Angeles Ende Mai. Europa machte demnach fast ein Drittel der Gesamtsumme aus.

Zu den Transaktionen mit hohem Bekanntheitsgrad zählt der Verkauf des Frankfurter Wolkenkratzers Silberturm, der mit seinen 32 Stockwerken bis 1990 Deutschlands höchstes Gebäude war, an ein Konsortium unter der Führung von Samsung im Januar. Fosun International, Teil des größten privaten Konglomerats in China, hat Bloomberg-Daten zufolge seit 2010 für Käufe in Übersee rund 25 Milliarden Dollar ausgegeben – darunter die Übernahme des französischen Feriendorfbetreibers Club Méditerranée Anfang des Jahres.

Nach Aussage von Simon Smiles, Investmentchef für hochvermögende Personen bei der UBS, werfen die Kunden aus Fernost ein Auge auf europäische Vermögenswerte wie Hotels. „Vor allem die größten Kunden haben ein starkes Interesse an Trophäen-Anlagen wie Luxusmarken oder Hotels“, sagte Smiles. „Sie gehen davon aus, dass der Dollar kurzfristig steigen wird, aber sie denken nicht notwendigerweise, dass die gegenwärtige Stärke für immer anhalten wird.“

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