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17.06.2016

18:26 Uhr

Immobilien und Kredit

Brexit-Diskussion macht Baugeld billig

VonReiner Reichel

Die Zinsen fallen, die zehnjährigen Bundesanleihe rentierte zuletzt negativ. Was Sparer bedauern, erfreut Immobilienbesitzer. Baugeld ist so günstig wie lange nicht. Ein Vergleich zeigt die günstigsten Konditionen.

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen. Getty Images

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen.

Fast kann man die Uhr danach stellen: Wenn die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sinkt, wird Baugeld billiger. So auch jetzt, nachdem die Zehnjährige seit Dienstag erstmals negativ rentiert, also der Käufer quasi eine Gebühr dafür bezahlt, dass er sein Geld so sicher anlegen darf.

Allerdings entwickeln sich die Baugeldzinsen nicht völlig parallel zur Anleiherendite. So erklärt sich, dass die Konditionen für zehn- und fünfzehnjähriges Baugeld noch nicht ganz wieder auf ihrem Tiefpunkt vom April 2015 angekommen sind. Der Hypothekendarlehen-Index der FMH-Finanzberatung zeigte für Baugeld mit zehnjähriger Zinsfestschreibung noch 1,26 Prozent, drei Basispunkte mehr als vor 14 Monaten. Für 15 Jahre Zinsbindung zeigt das Baugeldbarometer 1,60 Prozent und damit zehn Basispunkte mehr als beim Tiefststand.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Die günstigsten Konditionen lassen sich nur individuell ermitteln. Mit dem Baugeld-Vergleich von Handelsblatt Online lassen sich die günstigsten Anbieter je nach Kreditsumme, Beleihung und Zinsbindung ermitteln.

Baugeld-Experten raten, sich das niedrige Zinsniveau lange zu sichern. Deshalb wird die durchschnittliche Zeitspanne, für die Käufer ihren Zins festschreiben, immer länger. Eine Auswertung von vdp Research, dem Analysehaus der Pfandbriefbanken, zeigt, dass Häuslebauer 2006 im Schnitt Laufzeiten von zehn, 2015 schon von 13 Jahren wählten.

Ursache für das Rendite- und Zinstief ist die am 23. Juni anstehende Entscheidung der Briten über den Verbleib in der Europäischen Union. Sie wird knapp ausfallen, was Großinvestoren so sehr verunsichert, dass sie mit dem Kauf von Bundesanleihen auf Nummer sicher gehen. Ihre Nachfrage treibt den Anleihekurs nach oben und die Rendite nach unten.

Michiel Goris, Chef des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp, erwartet aus zwei Gründen langfristig höhere Zinsen: eine angekündigte Leitzinsanhebung der US-Notenbank und ein möglicherweise nachlassendes Interesse an deutschen Staatsanleihen.

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