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30.10.2014

15:38 Uhr

Immobilien

Warum die Makler streiken möchten

VonJens Hagen

Die Immobilienmakler laufen Sturm gegen das Gesetz zur Mietpreisbremse. Ein Verband ruft die Wohnungsvermittler jetzt zum Streik. Dafür ernten die Makler Hohn und Spott.

Illustration zur Urabstimmung: Der Maklervarband BVFI ruft zum Streik.

Illustration zur Urabstimmung: Der Maklervarband BVFI ruft zum Streik.

Makler gelten gemeinhin als smarte Dienstleister. Ihren Job, die Vermittlung von Wohnraum, erfolgt meist freundlich und diskret. Kaum ein Mieter oder Vermieter dürfte seinen Makler jemals lautstark oder gar vor Wut schnaubend erlebt haben. Dieses Bild des Berufsstandes ändert sich gerade.

Vor blutrotem Hintergrund recken Demonstranten die Fäuste in die Luft. „Genug!“, „Es reicht!“ und „Mit uns nicht!“ steht auf ihren Bannern. So illustriert der Maklerverband BVFI seinen Aufruf zur Urabstimmung für einen bundesweiten Maklerstreik. „Mit der Einführung des Bestellerprinzips würde die Bundesregierung den Berufsstand des Wohnungsvermittlers vernichten!“ heißt es dort. Makler können ihr Votum per Klick im Internet abgeben.

Im Zuge der Mietpreisbremse soll bald derjenige für den Makler zahlen, der ihn bestellt hat. Der Bundesrat prüft derzeit den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Wenn das Gesetz beschlossen wird, dürften in den meisten Fällen nicht mehr der Mieter die Kosten übernehmen. Der streitbare Verband hat deshalb mehr als 300 Unionsabgeordnete angeschrieben.
Viele Makler fürchten jetzt um ihr lukratives Geschäftsmodell. „Laut Bundesregierung sollen Provisionen von 583 Millionen Euro bei den Provisionen eingespart werden“, sagt BVFI-Vorstand Helge Ziegler. Seine Rechnung: Pi mal Daumen würden deshalb 10.000 Makler ihre Geschäftsgrundlage verlieren. das wären ein Drittel aller Wohnungsvermittler.

Die umsatzstärksten Wohnungsmärkte in Deutschland

Platz 10

Augsburg
Umsatz 2012: 497 Millionen Euro
Umsatz 2013: 466 Millionen Euro
Die Auswertung zeigt Umsätze beim Verkauf von Wohnungsimmobilien. Quelle: Accentro Wohneigentums-Report 2014. Basis: Daten der Gutachterausschüsse.

Platz 9

Nürnberg
Umsatz 2012: 542 Millionen Euro
Umsatz 2013: 518 Millionen Euro

Platz 8

Leipzig
Umsatz 2012: 491 Millionen Euro
Umsatz 2013: 588 Millionen Euro

Platz 7

Stuttgart
Umsatz 2012: 782 Millionen Euro
Umsatz 2013: 757 Millionen Euro

Platz 6

Düsseldorf
Umsatz 2012: 537 Millionen Euro
Umsatz 2013: 871 Millionen Euro

Platz 5

Frankfurt
Umsatz 2012: 1,3 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,1 Milliarden Euro

Platz 4

Köln
Umsatz 2012: 1,15 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,2 Milliarden Euro

Platz 3

Hamburg
Umsatz 2012: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,78 Milliarden Euro

Keine Differenzierung zwischen Neubau und Bestand.

Platz 2

München
Umsatz 2012: 3,8 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 3,8 Milliarden Euro

Wohnungs- und Teileigentum.

Platz 1

Berlin
Umsatz 2012: 3,6 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 4,3 Milliarden Euro

Deshalb sollen alle Makler Deutschlands am 7. November ihre Büros zusperren und in den Streik treten. Ziegler ist zuversichtlich, dass die gewünschte Mehrheit von zwei Drittel seiner Mitglieder bei der Urabstimmung für den Streik stimmt. Dann dürfte die eine oder andere Wohnungsbesichtigung ausfallen.

Kommentare (10)

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30.10.2014, 16:12 Uhr

Grundsätzlich ist das erst einmal eine tolle Geschäftsidee; man arbeitet mit Gegenständen die einem meist nicht gehören und kassiert bei einem Hausverkauf meistens 5stellig. Verwaltung von Whg. sind nicht so lukrativ; viel Arbeit, wenig Geld und wenn man damit Geld verdienen will muss man richtig Bestand in den Büchern haben.

Nun kann es natürlich so sein das ein Immobesitzer keine Lust hat selbst einen Käufer für sein Haus oder Whg.
zu suchen. Also bestellt er einen Dienstleister; und bezahlt ihn natürlich auch. Ist in anderen Ländern NORMAL.

Also sperrt Eure Büros zu; am besten dauerhaft.

Herr Thomas Schmidt

30.10.2014, 16:25 Uhr

Mit der Aussage "der Berufsstand des Immobilienmaklers wird vernichtet", stellen die Makler ihrem Gewerbe und ihrem Geschäftsmodell selbst das größte denkbaure Armutszeugnis aus. Denn im Klartext heißt das: Sobald derjenige, der einen Makler beauftragt auch die Kosten dafür übernehmen muß, wird lt. Maklerverband anscheinend niemand mehr an dieser "unverzichtbaren Dienstleistung" Interesse haben - und das sagt alles aus über den Wert und die Qualität einer Dienstleistung. War ja auch bisher wie im Schlaraffenland: Wie wenn man eine Dorf-Kneipe aufmacht und die Gäste Bier ohne Ende bestellen, weil sie es nicht selbst zahlen müssen, sondern einfach auf die Rechnung eines anderen Dorfbewohners setzen können. Da ist jede Kneipe immer brechend voll und eine Goldgrube für den Wirt. :-)

Herr Frank Schwarz

30.10.2014, 17:42 Uhr

Ja bitte streiken, mindestens 12 Wochen lang. Dann schafft sich die Branche (endlich) selbst ab. Weil Verkäufer/Vermieter und Käufer/Mieter festellen, es geht auch ohne Makler... und Immoscout & Co. wird es auch freuen.

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