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29.01.2013

11:15 Uhr

Immobilien

Was wirklich gegen die Wohnungsnot hilft

VonJens Hagen, Jörg Hackhausen

In deutschen Städten wird es eng. Wer sich steigende Mieten nicht mehr leisten kann, muss wegziehen. Das Thema erreicht den Wahlkampf. Die Politik will hohe Mieten verbieten - und macht damit alles noch schlimmer.

Verzweifelte Suche: In München bieten Interessenten hohe Prämien für die Vermittlung einer Wohnung. dpa

Verzweifelte Suche: In München bieten Interessenten hohe Prämien für die Vermittlung einer Wohnung.

DüsseldorfDeutschland erlebt einen sagenhaften Boom, einen Immobilienboom. Wobei „Boom“ nur eine freundliche Umschreibung dafür ist, dass die Preise und Mieten steigen. In Wahrheit herrscht in deutschen Großstädten ein Verdrängungswettbewerb. Wer sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten kann, muss wegziehen, an den Rand der Stadt. Und wer schon am Rand wohnt, hat ein Problem. Dort kann eine Mieterhöhung von 5,50 Euro auf sechs Euro pro Quadratmeter zur existenziellen Frage werden.

Wer ist schuld an der Wohnungsnot? Wie sehen Rezepte zur Lösung aus?

So viel geben die Deutschen für Miete aus

Hamburg

2008: 19,6 Prozent*
2009: 20,5 Prozent
2010: 20,1 Prozent
2011: 20,7 Prozent
2012: 21,7 Prozent

* Anteil des Nettoeinkommens, der für Miete inklusive Nebenkosten aufgewendet werden muss.

Quelle: IVD / Statistisches Bundesamt

Hannover

2008: 17,1 Prozent
2009: 17,7 Prozent
2010: 18,0 Prozent
2011: 18,8 Prozent
2012: 20,0 Prozent

Düsseldorf

2008: 17,9 Prozent
2009: 17,9 Prozent
2010: 18,4 Prozent
2011: 19,0 Prozent
2012: 19,0 Prozent

Köln

2008: 20,1 Prozent
2009: 20,1 Prozent
2010: 19,5 Prozent
2011: 20,1 Prozent
2012: 20,3 Prozent

Dortmund

2008: 16,9 Prozent
2009: 16,9 Prozent
2010: 16,7 Prozent
2011: 16,8 Prozent
2012: 16,9 Prozent

Frankfurt

2008: 21,1 Prozent
2009: 21,1 Prozent
2010: 21,0 Prozent
2011: 21,1 Prozent
2012: 21,9 Prozent

Stuttgart

2008: 21,5 Prozent
2009: 21,5 Prozent
2010: 20,9 Prozent
2011: 21,0 Prozent
2012: 22,3 Prozent

München

2008: 21,8 Prozent
2009: 22,4 Prozent
2010: 21,8 Prozent
2011: 22,6 Prozent
2012: 23,5 Prozent

Nürnberg

2008: 19,4 Prozent
2009: 18,1 Prozent
2010: 18,5 Prozent
2011: 18,9 Prozent
2012: 19,3 Prozent

Berlin-West

2008: 21,6 Prozent
2009: 21,6 Prozent
2010: 21,5 Prozent
2011: 21,8 Prozent
2012: 22,7 Prozent

Die Politik hat das Thema für sich entdeckt. Es eignet sich hervorragend, um das soziale Profil zu schärfen, erst recht im Jahr einer Bundestagswahl. Nur leider sind viele der Vorschläge, die Wähler vor höheren Mieten schützen sollen, bestenfalls gut gemeint, gehen aber am Kern des Problems vorbei.

Prognose für Eigentumswohnungen bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 2.352 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +15,7 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Service AG

München

Durchschnittspreis 2012: 3.401 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +11,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 1.279 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,1 Prozent

Stuttgart

Durchschnittspreis 2012: 2.331 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,8 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 1.148 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,6 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 2.212 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Mannheim

Durchschnittspreis 2012: 1.813 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,8 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 2.600 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,4 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 2.268 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 1.894 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,0 Prozent

Hannover

Durchschnittspreis 2012: 1.131 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,6 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 1.585 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 1.975 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 2.459 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,8 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 766 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,8 Prozent

Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD, fordert öffentlich die Deckelung der Mieten. „Die sozialen Brennpunkte in Städten nehmen zu“, sagt Steinbrück. Es könne nicht sein, dass Mieten bei Neuvermietungen um bis zu 30 Prozent erhöht werden. Steinbrück will festschreiben, dass bei Neuvermietungen die Miete um nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Bei Bestandsmieten soll die Obergrenze bei maximal 15 Prozent in vier Jahren liegen.

Prognose für Mieten bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 10,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Services AG

München

Durchschnittspreis 2012: 12,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,5 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 11,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 6,1 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 7,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,2 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 8,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,7 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,5 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 9,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bremen

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 9,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 5,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 9,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,9 Prozent

Münster

Durchschnittspreis 2012: 8,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,7 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 4,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +5,4 Prozent

Bochum

Durchschnittspreis 2012: 6,3 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,5 Prozent

Nicht nur die Sozialdemokraten kämpfen für soziale Gerechtigkeit, auch andere Parteien haben sich drangehängt. „Wohnen ist ein Grundrecht und muss bezahlbar bleiben“, sagt Gregor Gysi, Fraktionschef der Linkspartei. Aus den Reihen der Grünen und der CSU gibt es ähnliche Forderungen.

Besonders in Innenstädten der Ballungsräume sind bezahlbare Mietwohnungen knapp. Erstens ziehen immer mehr Menschen in Großstädte. Zweitens verlangen die Menschen nach größeren Wohnungen. Drittens wird zu wenig gebaut. Wenn ein knappes Angebot auf hohe Nachfrage trifft, dann ist klar, was auf dem Wohnungsmarkt passiert: die Mieten steigen. Das trifft vor allem diejenigen, die jetzt eine neue Wohnung suchen.

Kommentare (65)

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Realistin

29.01.2013, 11:24 Uhr

"Die Politik will hohe Mieten verbieten - und macht damit alles noch schlimmer."

Ach nee...haben die Autoren auch Wohnungen, die sie zu überhöhten Preisen vermieten?!

Die Autoren könne doch gerne mal mit prekärem Einkommen sich eine Wohnugn auf dem Markte suchen. Soviel Abgehobenheit der Schreiberlinge grenzt schon an Arroganz!! Ich kann die Politik auch nicht leiden...nur ist Politik in erster Linie dazu da für szoiale Gerechtigkeit zu sorgen. Sonst ist es nämlich mit dem sozialen Frieden hier vorbei! Das dies wiederum nur eine Wahlkampftaktik der Politik ist, weiß doch längst jeder!

Gast

29.01.2013, 11:39 Uhr

Bei uns im Ruhrgebiet fallen die Mieten seit Jahren.
Der punktuelle Aktionismus für irgendwelche "Trendstädte" wird hier überhaupt nicht verstanden. Wenn die Leute in Hamburg, Düsseldorf oder München leben wollen, dann sollen die selbst dafür bezahlen. Fehlt nurnoch ein Wohnsoli oder sowas. Dazu kommt, wenn die Städte mal Ihre Aufgaben wahrnehmen würden und für eine funktionierdende Verkehrsinfrastruktur soren würden, dann würde auch emrh Menschen pendeln können. Wenn man aus dem Ruhrgebiet mit den öffentlichen aber fast 2 Stunden für eine Strecke von vielleicht 35km braucht, stellen sich doch andere Fragen!

Ofelas

29.01.2013, 11:40 Uhr

Es kommt in D wie in Grossbritannien vor Jahren:

1. Sozialer Wohnungsbau eingeschraenkt oder ganz eingestellt
2. Zuwanderung aus EU (mit Recht auf soziale Leistungen sprich Wohnung) und anderswo
3. Investoren (Spekulanten) entdecken Immobilien als Spielwiese
3. Realer Kaufkraftrueckgang fuer die unteren 30, 40, 50%

Das alles hat in GB zu einer Wohnraumnot gesorgt die ihresgleichen in West Europa sucht. Die Preise sind fuer den Durchschnittsbuerger hoch, ein erheblicher Anteil des Nettoeinkommens wird dafuer ausgegeben, mit den Konsequenzen fuer Bildung, Rentenvorsorge, und sogar Essen.

und in D dabei gekoppelt mit den Preisspruengen durch den Euro. Wohnungen die 1999 1000 DM gekostet haben sind jetzt 1000 Euro und mehr (6% jaehrlich)

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