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23.02.2015

10:37 Uhr

Immobilien

Wenn der Fiskus zuschlägt

VonJens Hagen

Der Immobilienboom sorgt bei klammen Ländern und Kommunen für Begehrlichkeiten. Die Steuern und Abgaben steigen rasant, in Einzelfällen um mehr als 70 Prozent. Womit Mieter und Immobilienbesitzer rechnen müssen.

Mieten und Kaufen wird in den großen Städten immer teurer. Imago

Haus aus Geld

Mieten und Kaufen wird in den großen Städten immer teurer.

DüsseldorfDas sich abgezockte Immobilieninvestoren als Schutzengel für die deutsche Steuergerechtigkeit einsetzen, ist wohl eher selten. Einar Skjerven, Immobilienunternehmer aus Berlin, macht eine Ausnahme und zeigt jetzt sein großes Herz für die Steuerzahler.

„Die deutsche Politik legt derzeit eine Doppelmoral an den Tag“, sagt Skjerven. „Einerseits möchte Vater Staat die Mieter mit Regulierungen wie der Mietpreisbremse vor Immobilieninvestoren beschützen, andererseits verdient sich die öffentliche Hand über die Grunderwerbsteuer eine goldene Nase am Wohnimmobilienboom.“

Um seine Aussagen zu untermauern, lässt es der gebürtige Skandinavier auf seiner Internetseite kräftig rollen. Im höchsten Tempo laufen dort Zähler für die Einnahmen der Grunderwerbssteuer von acht Städten, ganz nach dem Vorbild der Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. In Hamburg lagen die Einnahmen seit dem Jahreswechsel bei mehr als elf Millionen Euro.

Wo Immobilienkäufer bluten müssen

Grunderwerbssteuer

Bei einem Immobilienkauf wird eine Grunderwerbssteuer fällig, die von den Bundesländern festgelegt wird. In den vergangenen Jahren haben viele Länder die Steuern erhöht. Quelle: Qualitypool.

Sachsen

Grunderwerbssteuer: 3,5 Prozent

Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 5.250 €

Quelle: Qualitypool

Bayern

3,5 Prozent
Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 5.250 €

Hamburg

4,5 Prozent
Keine Erhöhung zum Vorjahr

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 6.750 €

Thüringen

5,0 Prozent
Erhöhung im April 2011

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Rheinland-Pfalz

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: März 2012

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Niedersachsen

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Mecklenburg-Vorpommern

5,0 Prozent
Letzte Erhöhung: Juli 2012

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Brandenburg

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Juli 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Bremen

5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Grundwerwerbssteuer von 19 Prozent bei Kauf von mehr als 50 Wohneinheiten wird geprüft.

Baden-Württemberg

5 Prozent
Letzte Erhöhung: November 2011

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 7.500 €

Hessen

6 Prozent
Letzte Erhöhung: August 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.000 €

Berlin

6 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.000 €

Saarland

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Nordrhein-Westfalen

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2015

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

Schleswig-Holstein

6,5 Prozent
Letzte Erhöhung: Januar 2014

Steuerbetrag bei einem Immobilienpreis von 150.000 €: 9.750 €

In München zahlten die Immobilienkäufer bereits knapp 20 Millionen Euro. Spitzenreiter aber ist Berlin, die Stadt in der auch Skjerven investiert. Dort zahlten Häuslekäufer bereits mehr als 35 Millionen Euro.

Die interaktiven Uhren zeigen: Der Fiskus hat den Immobilienboom für sich entdeckt. Aber anstatt sich nur über die gestiegenen Einnahmen wegen höherer Preise und steigender Verkaufszahlen zu erfreuen, erhöhen Länder wie Nordrhein-Westfalen oder das Saarland massiv ihre Grunderwerbsteuern. „Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen“, sagt Norbert Römer, SPD-Fraktionsvorsitzender im nordrhein-westfälischen Landtag. „Die Mehreinnahmen aus der erhöhten Grunderwerbsteuer sind für die Reduzierung der Neuverschuldung vorgesehen.“

Bis zu 6,5 Prozent müssen Käufer in den teuersten Ländern NRW und Schleswig-Holstein jetzt abführen. Brandenburg hat die Erhöhung auf 6,5 Prozent bereits angekündigt. Seit dem jahr 2006 können die Bundesländer den Steuersatz bei der Grunderwerbsteuer in Eigenregie festlegen. Seitdem ist der Steuersatz in fünf Ländern von 3,5 Prozent auf 6,0 bis 6,5 Prozent angehoben worden. Nur Bayern und Sachsen wiedersteht dem allgemeinen Trend, Immobilienkäufer zu belasten..

„Die Politik fordert stetig, privat für das Alter vorzusorgen etwa mit einer Wohnimmobilie", sagt Reiner Holznagel, Präsident beim Bund der Steuerzahler. „Für Normalverdiener wird es aber immer schwieriger eine Wohnimmobilie zu bezahlen. Dies liegt auch an den hohen Grunderwerbsteuern, die heute bei fast jeder Immobilienfinanzierung eine Rolle spielen.“ Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler haben die Länder seit 2006 die Grunderwerbsteuer mehr als 20 Mal erhöht. Das Aufkommen ist von 4,8 Milliarden Euro im Jahre 2009 auf voraussichtlich 9,2 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen.

Vor dem Jahr 1983 war selbst genutztes Wohneigentum weitgehend von der ungeliebten Steuer befreit. Bei Einfamilienhäusern und Wohnungen galten Freibeträge von 250.000 Mark, bei Zweifamilienhäusern lag der Freibetrag bei 300.000 Euro. Der Bund der Steuerzahlerzahler fordert, wieder Freibeträge einzuführen.

„Grunderwerbsteuer zahlen vor allem die privaten Käufer, die sich eine Wohnung zur Altersvorsorge kaufen oder um sich mit deren Erwerb vor weiter steigenden Mieten zu schützen“, sagt Skjerven. Großinvestoren können die Zahlung von Grunderwerbsteuer vermeiden, wenn sie mit sogenannten Share Deals nicht die Immobilien direkt sondern nur Anteile an einer Objektgesellschaft erwerben. „Die Länder sollten die Steuern wieder senken und ihren Bürgern beim Vermögensaufbau keine Steine in den Weg legen“, sagt Skjerven.

Kommentare (15)

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Herr Markus Bullowski

23.02.2015, 10:57 Uhr

Ich halte die Aussage des Artikels für Unsinn. Ich bin selbst Besitzer einer Reihe von Immobilien und kaufe auch in Zukunft weitere - und es ist nunmal so, dass Immobilien steuerlich eine super Sache sind. Was jucken 6% Grunderwerbssteuer, wenn man als Vermieter gleichzeitig pro Jahr 2% des Gebäudewertes abschreiben kann, selbst wenn der Verkehrswert sogar steigt? Veräußert man nach mehr als 10 Jahren, gibts das ganze steuerfrei. Dazu kommt, dass man den recht stabilen Gewinn aus Immobilien üblicherweise durch Kredite hebelt, so dass Eigenkapitalrenditen über 10% drin sind, zusätzlich zur steurefreien Wertsteigerung. Das Jammern über die Grunderwerbssteuer ist ein Witz.

Herr Markus Bullowski

23.02.2015, 11:06 Uhr

Um das mal mit einem Beispiel zu belegen: Ich kaufe in gefragter Lage eine zu vermietende Immobilie für 100.000, macht ca. 6000 Euro Grunderwerbssteuer, dazu kommen noch ca. 5000 Euro kleinere Nebenkosten wie Makler und Notar.

In den nächsten 10 Jahren schreibe ich 20% des Gebäudewertes ab, etwa 18.000 Euro, das macht eine Steuerermäßigung (beim Höchststeuersatz) von ca. 8000 Euro - bereits mehr, als die Grunderwerbssteuer. Aufgrund Asset-Inflation und Eurokrise ist der Verkehrswert aber nicht um diese 18.000 gefallen, sondern stattdessen um 30% gestiegen - macht nochmal 30.000 Euro stille Reserven, die man im Fall eines Verkaufs steuerfrei erhält.

Noch Fragen?

Herr Fritz Yoski

23.02.2015, 11:46 Uhr

Immobilien koennen nicht fluechten oder sich verstecken. Wenn die Politiker Geld brauchen wird dort zugeschlagen wo:
1. Es ordentlich was zu holen gibt
2. das Kapital nicht ins Ausland fluechten oder sich verstecken kann
Immobilien bieten das ideale Ziel fuer den Steuereintreiber, Stichwort Lastenausgleich. Natuerlich wird man es nicht "Lastenausgleich" nennen sondern ein etwas freundlicheres Vokabular finden.
Wer sein Erspartes nicht ausreichend vor den gierigen Politikern versteckt wird entsprechend bestraft.

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