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13.04.2015

09:58 Uhr

Immobilien

Wo ausländische Käufer in Deutschland zuschlagen

VonJens Hagen

Der Markt für Wohnimmobilien feiert einen spektakulären Start ins neue Jahr. Der Boom lockt auch Käufer aus dem Ausland. Warum Deutschland trotz Preisrally attraktiv bleibt und wo Investoren aus der Fremde suchen.

Die deutsche Hauptstadt lockt Immobilienkäufer aus dem Ausland.

Die deutsche Hauptstadt lockt Immobilienkäufer aus dem Ausland.

DüsseldorfWie sehr der deutsche Immobilienmarkt derzeit brummt, zeigt der Blick auf die Bilanz des ersten Quartals. „Bereits zum Jahresanfang zeichnet sich ein neuer Rekordwert mit deutschen Wohnimmobilien ab, der das Ergebnis des letzten Booms 2005 deutlich überbieten könnte“, sagt Konstantin Lüttger, Head of Residential Investment bei CBRE in Deutschland.

172.000 Wohnpakete und Wohnanlagen im Wert von rund 10,6 Milliarden Euro wechselten den Besitzer, wie die Auswertung des Transaktionsvolumens von Deals mit mehr als 50 Einheiten zeigt. Die Zahl der verkauften Wohnungen stieg um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Durchschnittspreis legte um zehn Prozent auf 61.100 Euro zu.

Wer im Ausland nach deutschen Immobilien sucht

Die ausländischen Käufer

Deutsche Immobilienvertriebe verkaufen bereits bis zu 40 Prozent ihrer Wohnungen an Kapitalanleger im Ausland. Die Suche ist Dank Internet einfach. Die Motive der Käufer sind unterschiedlich. Manche suchen schlicht nach einer Ferienwohnung. Anleger aus Krisenländern dagegen suchen oft nach Möglichkeiten, ihr Geld zu retten. Die Mitglieder der folgenden Staaten suchen im Internet am häufigsten nach deutschem Betongold. Quelle: realbest.de

Polen

Anzahl der Suchanfragen: 1450

Frankreich

Anzahl der Suchanfragen: 1290

USA

Anzahl der Suchanfragen: 650

Brasilien

Anzahl der Suchanfragen: 420

Italien

Anzahl der Suchanfragen: 230

Schweden

Anzahl der Suchanfragen: 190

Spanien

Anzahl der Suchanfragen: 160

Portugal

Anzahl der Suchanfragen: 120

Auch ohne den Megadeal des Jahres - die Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington - lag das Volumen der Transaktionen mit insgesamt gut 2,6 Milliarden Euro über dem durchschnittlichen Quartalsergebnis der letzten vier Jahre. Im Jahresverlauf könnte ein neuer Rekord mit bis zu 20 Milliarden Euro erzielt werden.

„Der Wettbewerb um deutsche Wohnimmobilien wird weiter zunehmen, sodass sich die Renditen für erstklassige Wohnungspakete auf dem aktuell niedrigen Niveau weiter verfestigen“, erklärt Jan Linsin, Head of Research bei CBRE in Deutschland. „Dafür sorgt der kontinuierliche Zustrom neuer Anlegergelder, die am deutschen Markt investieren.“

Die niedrigen Zinsen für Baugeld und der Notstand an sicheren Anlagemöglichkeiten verleiten längst nicht mehr nur institutionelle Investoren oder einheimische Zinshaus-Käufer zu Investitionen. Zunehmend kommen die Käufer aus dem Ausland. Die Gründe sind vielfältig. Einige möchten ihr Geld sicher anlegen. Andere kaufen um ihr Objekt selbst zu nutzen.

Kommentare (5)

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Herr Oliver Klima

13.04.2015, 10:44 Uhr

Vielleicht erklärt das, woher die nächste Immobilienkrise kommen könnte. Wenn jedenfalls das ausländische Kapital abgezogen wird, dann könnte dies ein Auslöser sein.

Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob die ausländischen Großinvestoren Grunderwerbssteuern zahlen oder ob sie deshalb keine Grunderwerbssteuern zahlen, weil sie nur Firmenanteile kaufen, deren Vermögen Immobilien sind.

Sollte das der Fall sein, dann dürften Kleininvestoren bei einer Grunderwerbssteuer von 6 % ganz erhebliche Nachteile haben, wenn es darum geht aus der Immobilie schnell wieder herauszukommen.

Sorge bereitet mir derzeit auch der Dollarkurs. Selten war es günstiger für Investoren aus dem Dollar im EURO zu investieren. Und umgekehrt wird es für Investoren auch sehr interessant sein, aus dem deutsche Immobilienmarkt wieder in den Dollar zu gehen, wenn sich das Dollar/EURO-Verhältnis wieder "normalisiert".

So gesehen brauchen wir nicht einmal eine Immobilienblase im Sinne heftiger Preissteigerungen im Immobilienmarkt für eine negative Entwicklung.

Herr Peter Maus

13.04.2015, 14:01 Uhr

Auch Vermögende aus den Euro-Krisenländer wollen ebenfalls ihr Geld in Sicherheit bringen indem sie Immobilien in Deutschland erwerben. Dieser Run auf Immobilien ist die direkte Folge der ach so hochgelobten Währungsunion und ihrer geldpolitischen Manipulationen seitens EU und EZB.
Nachdem man z.B. in Zypern durch ELA-Kredite die Banken durch die Gemeinschaft gerettet hat sind die Gelder der Gläubiger (die sich mal eben aus dem Staub machen konnten) auf dem Immobilienmarkt in Deutschland wieder aufgetaucht.
Für die Deutschen hat dies zur Folge.:
a) dass keine Zinsen für Sparguthaben erzielbar sind
b) dass Mieten und Wohnungspreise in den Ballungsgebieten explodieren
c) dass ständig neue Rettungspläne und Rettungspakete (die natürlich der Steuerzahler zu tragen hat) ausgehandelt werden.
d) dass der Soli nie abgeschafft wird sondern
……..
Gute Nacht Deutschland

Herr Oliver Klima

13.04.2015, 16:09 Uhr

Ja, das ist schon interessant. Es ist einfach zu viel Geld im Markt. Dieses Geld ist wie eine Herde ausgewilderter Pferde, die immer größer wird und niedertrampelt was andere Menschen als ihre Rente, die bezahlbare Mietwohnung und anderes mehr an Lebensmitteln bedeutet.

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