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22.07.2013

10:07 Uhr

Immobilien

Wo Häuser nichts mehr wert sind

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

In den Metropolen boomt der Immobilienmarkt. Doch in weiten Teilen des Landes sieht es anders aus: Dort stehen Häuser leer. Warum die Deutschen in die Städte flüchten – und wo ein Eigenheim billiger als ein Auto ist.

Ein leerstehender Plattenbau in der Gagarinstraße in Gera. Ein Konzept zum Stadtumbau sieht den Abriss von mehr als 17.000 Wohnungen bis 2020 vor. ZB

Ein leerstehender Plattenbau in der Gagarinstraße in Gera. Ein Konzept zum Stadtumbau sieht den Abriss von mehr als 17.000 Wohnungen bis 2020 vor.

DüsseldorfStendal hat einiges zu bieten. Das knapp tausend Jahre alte Städtchen im Zentrum der Altmark lockt mit Backsteingotik, mittelalterlichem Stadtplan und regem Kulturprogramm. Auch Naturfreunde kommen auf ihre Kosten. In eineinhalb Stunden ist man mit dem Auto an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Für Immobilienbesitzer ist das malerische Hansestädtchen allerdings ein Alptraum. Nirgendwo sonst ist der Kauf eines Eigenheimes so billig wie in dieser Gegend. Ein renovierungsdürftiges Objekt im Zentrum gibt es bereits für 74.000 Euro. Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus bietet mehr als 360 Quadratmeter Wohnfläche. Die Immobilie befindet sich im Besitz der Stadt, die nicht verschweigt, dass das Gebäude höchst sanierungsbedürftig ist.

Noch günstiger ist es im Umland. Nach einer Auswertung von Immobilienscout 24 für Handelsblatt Online kostet ein Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche in Schäplitz bei Stendal im Schnitt nur 38.000 Euro. In keiner Kommune im Bundesgebiet sind die Preise niedriger. Die meisten Deutschen werden noch nie von Schäplitz gehört haben, warum auch. Dabei sagt der Ort genauso viel aus über den Zustand des deutschen Immobilienmarkts wie München, wo die Preise am höchsten sind. Zum Vergleich: In München-Lehel bekommen Käufer für 38.000 Euro nicht einmal sechs Quadratmeter einer Wohnung.

Wo ein Haus mit 140 qm am günstigsten ist

Schäplitz (Kreis Stendal)

38.018 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Pennewitz (Ilm-Kreis)

45.620 Euro

Schwobfeld (Eichsfeld)

47.336 Euro

Oberhain (Saalfeld-Rudolstadt)

50.511 Euro

Bechstedt (Saalfeld-Rudolstadt)

51.859 Euro

Straguth (Anhalt-Bitterfeld)

51.910 Euro

Witzleben (Ilm-Kreis)

52.462 Euro

Saxler (Vulkaneifel)

52.473 Euro

Lichte (Saalfeld-Rudolstadt)

54.488 Euro

Eßleben-Teutleben (Sömmerda)

54.937 Euro

Wehnde (Eichsfeld)

55.695 Euro

Ueß (Vulkaneifel)

57.591 Euro

Friedeburg Saale (Mansfeld-Südharz)

57.611 Euro

Schorstedt (Kreis Stendal)

58.021 Euro

Ziegelheim (Altenburger Land)

58.306 Euro

Drognitz (Saalfeld-Rudolstadt)

58.429 Euro

Losenrade (Kreis Stendal)

58.692 Euro

Groß Garz (Kreis Stendal)

58.988 Euro

Deutschland ist ein geteiltes Land. Die Menschen reden über den Immobilienboom. Die Medien beschwören eine Wohnungsnot wie nach dem Krieg herauf. Die Politik will für bezahlbaren Wohnraum sorgen, so man sie denn wählt. Das Problem steigender Mieten und höherer Preise betrifft aber nur Großstädte wie München oder Hamburg, zunehmend auch Berlin. Gleichzeitig sieht es in weiten Teilen der Republik ganz anders aus. Statt Immobilienboom herrscht auf dem Land das Gegenteil: Leerstand. Das Problem wird sich in Zukunft verschärfen – der Abriss ganzer Dörfer könnte helfen.

Eine Auswertung des Internetportals Immobilienscout 24 zeigt: Es gibt mindestens 20 Orte in Deutschland, in denen ein Einfamilienhaus mit üblicher Wohnfläche im Schnitt für weniger als 60.000 Euro zu haben ist. Es sind Gemeinden wie Pennewitz im Ilm-Kreis, Schwobfeld im Eichsfeld oder Saxler in der Vulkaneifel, die zu den verschmähten Orten der Republik gehören.

Kommentare (68)

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Account gelöscht!

22.07.2013, 10:31 Uhr

74K für ein hochsanierungsbedürftiges Gebäude und einem Mikrogrst dazu??
Kein Wunder dass zu den Preisen dort niemand etwas kauft.

Die Preise müssen noch viel weiter sinken.

Die Struktur in großen Teilen Brandenburgs ist mit der von Detroit zu vergleich. Und was dort Häuser kosten, sollte jeder einmal nachschlagen.

Denkt mal über andere Optionen nach, anstatt diese Häuser durch sinnfreies Warten= Verfallen zuzulassen.

Da gibt es sicher zunehmend Menschen in D, die an Umstieg auf Subsistenzwirtschaft oder dergleichen warten.

Account gelöscht!

22.07.2013, 10:31 Uhr

Geil, dann kann ich bald wieder richtig leben, meinen eigenen Brunnen bohren und den Müll so trennen das er im Winter im Kamin verheizt werden kann, und die Sickergruben auch wieder als Dünger genutzt werden?

Bitte weiter so, dann kann man sich endlich wieder einen "Kotten" kaufen und muß seine Rente und sein Erspartes nicht Konsumindioten hinterher werfen.
Nur vorher noch den Landjunckern ihre Sklaven wegnehmen.

kraehendienst

22.07.2013, 10:36 Uhr

"Am stärksten davon betroffen sind die ländlichen Regionen, im Osten etwa Gegenden in Sachsen und Sachsen-Anhalt, Ost-Thüringen oder in Brandenburg an der Grenze zu Polen" - WER will DAHIN? Wo sich die Pseudo-Rechtsextremen und biederen Naziaufmarschierer wie Seuchen sammeln, tummeln...so etwa im Umland von Leipzig, Dresden. Auch das kann ein Grund sein.

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