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11.09.2014

14:32 Uhr

Immobilien

Wo „Tiger Women“ gerne einziehen

VonJens Hagen

Ein neues Bauprojekt soll städtisches Wohnen revolutionieren. Im Interview erklären die Planer, warum Gutverdiener für Wohnungen mehr zahlen, Hochhäuser wie Jugendherbergen genutzt werden und eigene Möbel out sind.

Hochhaus: In Zwölf Städten sollen ehemalige Bürogebäude nach den Bedürfnissen von Jobnomaden und anderen Großstadtbewohnern umgebaut werden. PR

Hochhaus: In Zwölf Städten sollen ehemalige Bürogebäude nach den Bedürfnissen von Jobnomaden und anderen Großstadtbewohnern umgebaut werden.

Ein sonniger Tag in einem Düsseldorfer Straßencafé. Das Lokal kann man getrost als tantenhaft bezeichnen. Ältere Damen trinken ihren Kaffee klassisch, die Bedienung trägt weiße Schürze. Der Autor lädt häufig Gäste zum Interview an diesen Ort. Und das nicht ohne Grund. Das etwas steife, aus der Zeit gefallene Ambiente soll die Interviewpartner irritieren, ablenken und öffnen. Zuletzt saß hier der streitbare Axel Kleinlein, Deutschlands schärfster Versicherungskritiker. Er nahm kein Blatt vor den Mund.

Bei diesem Interview wäre eine solche Vorbereitung gar nicht nötig gewesen. Denn die Gäste redeten beinahe ohne Unterbrechung auf den Autor ein. Mit großer rhetorischer Energie entwickelten sie ein etwas schrilles Szenario des Wohnens in Zeiten, in denen Chefs ihren Mitarbeitern volle Flexibilität abverlangen und Partnerschaften nach Vorgabe des Jobs organisiert werden. Sie berichten über ein 300-Millionen-Euro-Immobilienprojekt. Dabei werden alte Hochhäuser in teure Mietwohnungen verwandelt – für Menschen, die eine lange Zeit ihres Tages im Büro arbeiten, um dann in einem ehemaligem Bürohaus zu leben.

Christoph Gröner, Gründer der CG Gruppe. Vita: siehe Ende des Artikels.

Christoph Gröner, Gründer der CG Gruppe. Vita: siehe Ende des Artikels.

Herr Gröner, Herr Selinger, Sie möchten das Wohnen in den Metropolen revolutionieren. Wie soll das vor sich gehen?
Gröner: Der Bedarf der Mieter hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Fast alle Branchen reagieren auf veränderte Kundenbedürfnisse. Früher gab es den VW Käfer, heute den VW Polo. Autokäufer können heute für weniger Geld bessere Produkte kaufen als früher. Das gilt nicht für die Immobilienbranche. Das möchten wir ändern.
Selinger: Wir waren bislang in der Projektentwicklung tätig und haben große Erfahrungen in der Umwandlung von Industrie- und Büroimmobilien in Wohnraum. Das kommt uns zu gute bei einem völlig neuen Projekt, das es in Deutschland so noch nicht gab.

Lassen Sie die Katze aus dem Sack?
Gröner: Wir werden bis zum Jahr 2020 in 12 Metropolen in Deutschland Bürohochhäuser in Wohnraum für moderne Städter umbauen oder entsprechende Neubauprojekte in diesen Städten starten. Fünf Objekte stehen bereits fest: Der Postbanktower in Berlin, der Fishman Tower in Düsseldorf, das technische Rathaus in Leipzig und der Kaiserlei-Kreisel in Offenbach sowie die Marienstraße in Dresden. Demnächst möchten wir ein Objekt in Köln vorstellen. Die anderen sechs Objekte folgen dann sukzessive.
Selinger: Es handelt sich ausschließlich um Mietwohnungen und wir möchten einen besonderen Service bieten.

Deutschlandweit boomt der Wohnungsbau, auch Konversion von Gewerbeimmobilien zu Wohnungen ist nicht neu. Was macht Ihr Projekt anders?
Gröner: Wir richten uns völlig nach den Bedürfnissen von modernen Arbeitnehmern, für die Job und Karriere besonders wichtig sind, die aber auch hohe Ansprüche an die Freizeit haben. Die Mietwohnungen brauchen nicht besonders groß zu sein. In den geplanten Objekten soll die Wohnfläche maximal 45 bis 65 Quadratmeter betragen …

Die besten Standorte für Immobilieninvestitionen

Das Rating

Die Vermögensberatung Feri hat das Investitionspotenzial deutscher Städte untersucht. Das Ergebnis: Die besten Chancen bieten nicht die teuren Metropolen, sondern Orte in zweitbester Lage, so genannte „B-Städte”. Diese zeichnen sich durch eine stabile Wirtschaft, gute Infrastruktur und Bildungsmöglichkeiten aus. Das Ranking im Einzelnen:

1. Ingolstadt

Punkte:75,1
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 10,7 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 8 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +15,3 Prozent

2. Wolfsburg

Punkte:70,8
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 3,4 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 6,8 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +14,6 Prozent

3. Jena

Punkte:70,2
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 7,0 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 7,1 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +13,8 Prozent

4. Potsdam

Punkte: 68,2
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 6,3 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 6,5 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +15,3 Prozent

5. Münster

Punkte: 68,1
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 6,9 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 7,8 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +14,8 Prozent

6. Erlangen

Punkte: 67,5
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 5,9 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 8,1 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +15,0 Prozent

7. Regensburg

Punkte: 67,0
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 9,5 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 7,4 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +15,2 Prozent

8. Hamburg

Punkte: 66,5
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 5,6 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 9,1 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +16,2 Prozent

9. Oldenburg

Punkte: 66,3
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 7,0 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 9,1 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +13,4 Prozent

10.Leipzig

Punkte: 66,2
Entwicklung Wohnungsbestand (2014-2020): + 1,5 Prozent
Mietpreis pro Quadratmeter (2013): 5,4 Euro
Prognose Mietpreisentwicklung (2014-2020): +13,7 Prozent

… das dürfte für anspruchsvolle Mieter mit ordentlichem Gehalt an der unteren Grenze des Akzeptablen liegen.
Gröner: Da möchte ich widersprechen. Wir werden die Wohnungen optimal entwerfen und keinen Platz verschwenden. Die Teilmöblierung bringt dem Mieter auch eine erhebliche Ersparnis. Zusätzlich sind die niedrigen Nebenkosten zu berücksichtigen. Und statt ein paar Quadratmetern mehr Wohnraum für jeden einzelnen Mieter möchten wir der Wohn-Gemeinschaft lieber große Flächen für professionelle Freizeitgestaltung anbieten.

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